Anzahl der Arztbesuche stieg um 4 Millionen

Teure Gesundheit

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Anzahl der Arztbesuche stieg um 4 Millionen

Die Zahlen sind noch Interna des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, lösen dort aber ernste Bedenken aus: Die Zahl der Erstbesuche von Patienten bei einem der 12.000 Vertragsärzte hat sich im Vorjahr um gut drei Prozent erhöht, jene eines zweiten Besuchs beim selben Arzt um sieben Prozent. Damit stieg die Zahl der Behandlungen um vier Millionen im Jahresvergleich.

Früher aus dem Spital
Eine Ursache könnte die raschere Entlassung von Patienten aus dem Spital sein. Während früher die Patienten etwa Medikamente noch aus dem Krankenhaus mitnahmen, ist das heute nicht mehr der Fall. Daher gehen sie zum Haus- oder Facharzt, um etwa nach Operationen weiter betreut zu werden.

Mehr Medikamente verschrieben
Direkte Folge: Mehr Arztbesuche, mehr Verschreibungen an Medikamente durch niedergelassene Ärzte. Denn nicht nur die Arztbesuche, auch die Verordnung von Heilmitteln nimmt ständig zu, hat sich im Zehnjahresvergleich sogar verdoppelt. Daher sagt auch der Präsident des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Erich Laminger: „Wir haben bei den Medikamenten ein Mengenproblem.“

Genaue Erfassung
Einige Experten des Hauptverbandes vermuten die Ursache für die stark gestiegenen Arztbesuche teils in der leichten Erreichbarkeit von Ärzten, weil es – mit einigen wenigen Ausnahmen – kaum Selbstbehalte gebe. Andere sehen die e-card als Ursache.

Denn während früher die Zettelwirtschaft mit Krankenscheinen zu Nachlässigkeiten in der Verrechnungen geführt haben könnte, sei das mit der elektronischen Karte nicht mehr der Fall: Diese ist bei jedem Arztbesuch mitzubringen und wird durch das Lesegerät gezogen, wodurch ärztliche Leistungen genauer erfasst werden als in einer handschriftlich geführten Kartei. Die Kassen wollen jedenfalls die Honorare für Leistungen überprüfen.

Interview mit Erich Laminger

ÖSTERREICH: Brauchen die Krankenkassen wirklich dringend mehr Geld?

Erich Laminger: Die Leistungen verursachen mehr an Kosten, als die Kassen an Einnahmen haben. Das kann so nicht weitergehen.

ÖSTERREICH: Werden Leistungen gekürzt oder Einnahmen erhöht? Stark gestiegen sind Kosten für Heilmittel.

Erich Laminger: Als Erstes muss man sich den Leistungsbereich ansehen, daraus ergibt sich das Zweite. Bei den Preisen für Medikamente drücken wir ordentlich, aber zwei Drittel der Kostensteigerung liegen in der Menge. Wir haben ein beachtliches Mengenwachstum. Die unnötigen Pulverln und die weggeworfenen Medikamente, das müssen wir alles einfangen.

ÖSTERREICH: Aber es geht wohl auch um Honorare, wo es große Unterschiede gibt?

Erich Laminger: Wir sind seit einem Jahr massiv dahinter, dass bei den Tarifen die regionalen Abschlüsse koordinierter erfolgen. Es haben sich seltsame Unterschiede entwickelt, wo eine Augendruckmessung in Wien das Dreifache kostet wie in Linz. Das muss man bereinigen.

ÖSTERREICH: Mögliche Einsparungen liegen bei ein bis drei Mrd. Euro?

Erich Laminger: Das Potenzial von drei Milliarden Euro mag stimmen, wenn man alles betrachtet. Ein Drittel davon ist wirklich einsparbar. Aber die Kassen kriegen nicht alles, was sie zahlen, durch Einnahmen ersetzt. Das ist nicht korrekt.

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