Arigona: Arigona:

Videobotschaft

© Screenshot ORF

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Arigona: "Mir geht es richtig schlecht"

Die 15-Jährige ist seit Mittwoch der Vorwoche abgängig. Die 15-Jährige hat sich am Freitag erneut zu Wort gemeldet - in einer Videobotschaft spricht das Mädchen aus ihrem Versteck und fordert die Rückkehr ihrer kleinen Geschwister aus dem Kosovo.

Hören Sie hier eine Audio-Botschaft von Arigona!

Das Video ist etwa fünf Minuten lang. Arigona sitzt in einem kahlen Raum. Sie kauert an einer Wand, in der Hand hält sie eine Ausgabe der Tageszeitung "ÖSTERREICH" mit dem Cover-Titel: "Herr Minister, zeigen Sie Herz". Das Mädchen trägt eine Jeans und ein weißes, langärmliges T-Shirt. Sie wirkt bedrückt.

Arigona im Wortlaut:
"Mir gehts auch richtig schlecht. Weil ich sehr Angst hab, dass ich wieder zurück muss nach Kosovo und ich will einfach dass ich hier bleiben kann, dass ich eine bessere Zukunft habe, unten habe ich gar nichts. Meinen kleinen Geschwistern geht es unten auch sehr schlecht, und ich will auch zurückkommen aus meinem Versteck, wenn meine kleinen Geschwister zurück nach Österreich kommen."

Weiters appelliert sie an Innenminister Platter:

"Ich verstehe überhaupt nicht, warum uns der Herr Platter nicht die Möglichkeit gibt, dass wir weiter hier in Österreich bleiben dürfen. Wir haben nämlich gar nichts gemacht. Ich vermisse meine Familie sehr. Ich will, dass zumindest meine kleinen Geschwister zu meiner Mutter zurückdürfen."

Eine Erpressung ist die Drohung für sie jedoch nicht:

"Ich will jetzt niemanden, die Polizei oder die Behörden, erpressen, aber das mit dem Selbstmord, das hab ich ernst gemeint, weil wenn ich zurück muss, da bring ich mich lieber um! Weil da unten hab ich keine Zukunft nicht. Da kann man keine Ausbildung machen und gar nichts."

Trauer wegen der Trennung
"Wie ich in der Zeitung gelesen hab, dass meine Geschwister zur Mutter zurück wollen, musste ich zum Heulen anfangen." (Bei dieser Szene hält Sie einen Ausschnitt der Tageszeitung ÖSTERREICH in die Kamera) "Ich komme erst raus, wenn ich sehe, dass meine Geschwister bei meiner Mutter sind. Ich will niemanden erpressen, ich will nur, dass wir weiterhin hier leben dürfen. Wie immer. Wie bisher."

Der gesamte Wortlaut der Videobotschaft.

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Platter bleibt hart
Innenminister Günther Platter hatte bisher abgelehnt, die beiden jüngeren Geschwister von Arigona Zogaj, den achtjährigen Albin und die neunjährige Albona, wieder nach Österreich zurückkehren zu lassen. Während die Mutter und Tochter Arigona noch in Oberösterreich sind, befinden sich der Vater und vier Kinder im Kosovo.

ÖVP-Mauer bröckelt
Langsam sind nicht mehr alle ÖVP-Granden vom harten Kurs überzeugt. In Sachen Bleiberecht fordert jetzt Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl eine Reform des Fremdenrechts. Gegenüber ÖSTERREICH (Freitag-Ausgabe) sagt er, dass spätestens nach einem halben Jahr klar sein müsse, ob der Asylwerber den Antrag zu Recht gestellt hat.

Bleibe er dann hier, müsse die Integration voll greifen. Denn es sei "unverantwortlich, dass Asylverfahren so lange dauern, bis die Asylwerber in Österreich verwurzelt sind". Für jene, die schon da und integriert sind, müssten Übergangsfristen kommen, "damit solche Unmenschlichkeiten nicht mehr passieren", so Leitl.

Grüne fahren alle Geschütze auf
Die Grüne Volksanwältin Terezija Stoisits will ein amtswegiges Prüfverfahren einleiten, das kündigt sie im ÖSTERREICH vom Freitag an. Der Knackpunkt ist für sie, dass die Familie Zogaj durch die Abschiebung zerrissen wurde: "Ich habe große Sorge, dass hier ein Missstand vorliegt und die Verwaltung nicht korrekt gehandelt hat", so Stoisits.

Außerdem wird es auf Antrag der Grünen eine Sondersitzung im Nationalrat geben. Sie dürfte Mitte nächster Woche stattfinden. Parteichef Alexander Van der Bellen wird dabei Platter zu einer Rechtfertigung für diese "menschenverachtenden Politik" zwingen.

Weiters ruft Van der Bellen zu einer Kundgebung vor dem Innneministerium in der Wiener Herrengasse auf. Nach der Grünen Demo am Mittwoch soll nächsten Dienstag ab 18 Uhr jeder auf die Straße gehen, der gegen Platters Politik seinen Unmut zeigen will.

Hardliner Molterer und Platter
Bis dato hat sich die Volkspartei in Sachen Abschiebungen hart gegeben. Parteichef Wilhelm Molterer ließ am Donnerstag wissen, dass die gesetzliche Grundlage unverändert bleibe: "Es braucht kein Bleiberecht, und es wird kein Bleiberecht geben."

Immerhin erhalten die Landeshauptleute mittels "Kriterienkatalog" ein paar zusätzliche Möglichkeiten, Anträge im Innenministerium zu stellen, damit bei Fällen in ihren Bundesländern humanitäres Bleiberecht gewährt werden kann. Diese Ersuchen haben aufschiebende Wirkung, solange sie behandelt werden, kann es zu keinen Abschiebungen kommen.

Nichts wird geändert
Innenminister Günther Platter ließ am Donnerstag ebenfalls erneut verlauten, dass es zu keiner Änderung des Asylgesetzes und keiner Evaluierung demnächst kommen werde. Er müsse die Gesetze vollziehen, alles andere wäre "eine Einladung an alle Familien nach Österreich zu kommen".

Immerhin schickte der Ressortchef einen Verbindungsbeamten zur teilweise abgeschobenen Familie Zogaj in den Kosovo. Der Beamte soll den Abgeschobenen "Unterstützung und Hilfe" anbieten, z.B. bei Behördenwegen.

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