Arigona im Kosovo abgetaucht Arigona im Kosovo abgetaucht

Nach Abschiebung

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Arigona im Kosovo abgetaucht

Arigonas erster Tag in Priština. Es ist kochend heiß in der Stadt. Die meisten Straßen sind Baustellen. Die Cafés sind voll. Trotz Hitze und Staub. Junge Menschen. Gut aussehend. Jeans. T-Shirts. Arigona aber meidet die Stadt. Das Versteckspiel geht auch im Kosovo weiter.

„Ausschlafen“, das werde sie jetzt einmal tun. „Einfach bloß ausschlafen“, sagte Arigona zu ÖSTERREICH, als sie und ihre Familie am Donnerstag kurz nach 22 Uhr mit dem AUA-Airbus in der kosovarischen Hauptstadt landeten. „Dann wird alles andere entschieden und erledigt.“ Passamt. Geburtsurkunde besorgen. Staatsbürgerschaftsnachweis. Polizeiliches Führungszeugnis.

Erst wenn diese formalen Schritte erledigt sind, können sie und ihre Geschwister um Schülervisa für Österreich ansuchen.

Bei der Ankunft in Priština wirkte Arigona angespannt, aber ruhig. Nur Bruder Albin alberte: „Der Flug war toll. Sogar in der Businessklasse durften wir sitzen. Und ein gutes Essen haben wir gekriegt.“

Nach Ankunft: Eine Stunde Einvernahme am Flughafen
Von der Maschine wurden Arigona, ihr kleiner Bruder Albin (11), ihre Schwester Albona (10) und Mutter Nurie direkt in ein Büro der Flughafenpolizei gebracht. Etwa eine Stunde dauerte das Prozedere. Acht kosovarische Polizisten betreuten und befragten die Familie. Es schien, als wäre auch hier alles perfekt organisiert. Selbst der Polizeiattaché der österreichischen Botschaft war anwesend sowie zwei Verwandte der Familie.

Verwandte organisierten kleine Wohnung in Vorort
Sie haben in den vergangenen Tagen in einem Vorort von Priština eine kleine Wohnung für die vier Heimkehrer organisiert. Etwa 60 Quadratmeter, Bad, Küche, Garten. Rund 550.000 Menschen leben im Großraum der Hauptstadt. Bezahlt wird die Wohnung von Pfarrer Friedl, auch das tägliche Leben wird aus dem Spendenkonto in Oberösterreich finanziert.

Im österreichischen Konsulat in der Ahmed Krasnqi-Straße 22 ist die Familie am Freitag zwar noch nicht vorstellig geworden. Bereits gestern erledigte die Familie aber erste Behördenwege. Vorerst gilt es, sich einzugewöhnen, Wiedersehen zu feiern. Mit den Verwandten. Und mit den beiden älteren Brüdern Alfred (19) und Alban (21).

Haus des Vaters im Kosovo ist völlig verwaist
Vielleicht werden die Rückkehrer auch den Familienvater treffen, Devat Zogaj. Vor drei Jahren hat er seine Frau und seine Kinder verlassen. Er lebt in Kaliqan, einer winzigen Ortschaft 90 Kilometer von Prištinaentfernt. 20, 30 Häuser. Ein paar Schotterwege. Hitze, Staub, Müllberge. Kein Haus verputzt. Das Grundstück der Zogajs liegt am Ende eines Schotterweges. Auf einem Hügel. Es ist ein kleines Häuschen mit einem Vorraum, einem Zimmer.

Niemand ist zu Hause, und keiner der Nachbarn will etwas über Devat Zogaj sagen. Es ist eine Mischung aus Neid, Wut, Zurückhaltung. Jeder hier kennt die Geschichte der Zogajs. Jeder weiß, dass die Kinder wieder da sind. „Wenigstens jetzt könnte er sich kümmern“, sagt einer der Nachbarn.

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