Arigona ist im Kosovo gelandet Arigona ist im Kosovo gelandet

Österreich verlassen

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Arigona ist im Kosovo gelandet

Airport W.A. Mozart, gestern Nachmittag: Der schwülste Tag des Jahres ist der Schicksalstag für die Familie Zogaj. Es ist ihr vorläufiger Abschied aus Österreich. Die Reise in die neue, alte Heimat. Der Flug nach Hause – wo immer das auch ist. Priština? Oder gar Peja, der kleine Ort zwischen Kosovo und Albanien, in dem Arigonas abgetauchter Vater einen Rohbau besitzt? Die Zogajs wissen es noch nicht.

Der Himmel ist wolkenverhangen, dazwischen hämmert die Sonne mit 35 Grad auf den Asphalt. Arigona lächelt gequält. Sie weiß: Das wird der schwerste Tag ihres Lebens. Ihr letzter Tag in Österreich.

16.00 Uhr
Die ersten Fotografen und TV-Teams rücken an und postieren sich auf der Aussichtsterrasse des Flughafens. Von Arigona und ihrer Familie ist noch nichts zu sehen. Dann geht alles ganz schnell.

Um 16.45 Uhr treffen Arigona (18), ihre Geschwister Albin (11) und Albona (10) und Mutter Nurie in einem silbernen Buchbinder-Transporter ein – sie sitzen hinter leicht abgetönten Scheiben des Mietautos. Am Steuer des Kastenwagens ist Arigonas Betreuer Christian Schörkhuber, dahinter fährt ein blauer BMW mit Kennzeichen Linz-Land, als letztes folgt ein Polizeiauto.

Der Konvoi fährt durch eine Schranke des Salzburger Flughafens, direkt auf das Airport-Gelände. Dann steigen die Familienmitglieder aus, gehen sofort in einen Sondergastraum. Der Van parkt als Sichtschutz vor der Tür. Die Familie will allein von Freunden Abschied nehmen.

Arigona trägt ein weißes T-Shirt und eine dunkle Sonnenbrille.

Erster Flug
Rückblende: Um sechs Uhr früh war die Familie in Frankenburg aufgebrochen. Journalisten sollten ausgetrickst werden, man wollte keinen Fotografen vor der Türe.

Jetzt geht es per Flugzeug über Wien in den Kosovo. Geplanter Abflug von Salzburg: 18.25 Uhr.

Für die Familie ist es der erste Flug. Albin ist hyperaktiv und lacht. Albona sitzt still da. Arigona hat sich zurückgezogen, kämpft mit den Tränen. Sie will für sich sein. Wortlos sitzt sie neben Volkshilfe-Betreuer Schörkhuber.

Jetzt landet die Dash-8 der AUA auf dem Salzburger Flughafen. Die Passagiere steigen aus, der Flieger wird gereinigt, dann steigen die Gäste für den Wien-Flug ein. Von Arigona und ihrer Familie ist noch nichts zu sehen. Sie warten im Sondergastraum.

Dann sind sie da
Vor den Augen der Flugpassagiere, die über die Bullaugen zusehen, und der Dutzenden Fotografen und TV-Teams auf der Aussichtsplattform spielen sich jetzt rührende Szenen ab. Alle sind da: Arigona, ihr Freund Philipp B. (17), dessen Mutter, die Familie von Betreuer Christian Schörkhuber, natürlich Mutter Nurie, Albin und Albona. Sie stehen mitten am Flugfeld, Tränen laufen allen über die Wangen, alle küssen und umarmen sich.

Dann die bewegendste Szene. Arigona und ihr Philipp fallen sich in die Arme. Arigona schluchzt herzzerreißend, küsst ihren Freund aus Traun, Oberösterreich, immer wieder und wieder. Dann muss sie weg.

Noch ein letzter Kuss, eine letzte Umarmung, dann steigen Arigona (trägt Caprihose, schwarzes Top, Tasche und Halstuch im Safari-Look) und ihre Familie in den AUA-Flieger Richtung Wien ein. Mit 10 Minuten Verspätung hebt die Dash 8 ab.

Betreuer Christian Schörghuber und seine Familie sind in Österreich geblieben. Albin sitzt auf Platz 4A, unmittelbar hinter ÖSTERREICH-Reporter Karl Wendl (3A). Er wirkt am coolsten in seinen Nike-Turnschuhen und den Shorts. Es ist sein erster Flug. Ein Abenteuer.

Arigona sitzt auf Platz 5E, daneben ihr neuer Betreuer im Kosovo. Er ist Österreicher, aber im Kosovo geboren, spricht die Landessprache und arbeitet für die „Volkshilfe“. Auf Platz 5A sitzt Mutter Nurije (ein Gangplatz), daneben auf 5B Tochter Albona. Alle haben Tränen in den Augen. Erst als die Maschine langsam an Höhe gewinnt, siegt der Realitätssinn über die Macht des Schicksals.

Arigona starrt aus dem Fenster
Unter ihr zieht Österreich vorbei. Herrliches Wetter. Zum Abschied zeigt sich ihre neue Heimat von ihrer allerschönsten Seite.

Lachs- und Salamibrötchen werden serviert, alle in der Familie trinken Coca-Cola, nur Arigona will ein stilles Mineralwasser. Die Propeller surren, dann kommen heftige Turbulenzen. Niemand nimmt Notiz davon.

Um 19.25 Uhr landet die Dash 8 in Wien-Schwechat. Alle hetzen aus dem Flieger. Es ist nur knapp mehr als eine halbe Stunde Zeit, um den AUA-Airbus nach Pristina zu erreichen. Auf Arigona und ihre Familie wartet wieder ein Van. Die Zogajs werden als Letzte aus der Maschine gebeten, steigen in einen goldenen Kastenwagen um, der sie direkt zum Airbus bringt. Alle anderen Passagiere laufen.

Vor dem Gate D24 hat sich eine lange Schlange gebildet. Alles drängt und schiebt, der Abflug verzögert sich. Dann kommen Arigona und ihre Familie. Sie wirken gefasst, setzen sich auf ihre Plätze. Um 20.05 Uhr hebt der AUA-Airbus Richtung Pristina ab, 25 Minuten verspätet.

Es wird langsam dunkel, als sich das Flugzeug in den Himmel erhebt. Arigona starrt immer noch aus dem Fenster. Sie wirkt gedankenverloren, die Bilder vom Tränen-Abschied von ihrem Freund Philipp gehen ihr wohl noch durch den Kopf.

Knapp nach 22 Uhr ist es so weit. Der Airbus landet auf dem Flughafen von Pristina. Ein lauer Abend. Für die Familie beginnt ein neuer Lebensabschnitt.

Die Welt, in die sie zurückkehren, ist nicht einladend. Kosovo. Arbeitslosigkeit von 50 Prozent, bei Jugendlichen noch höher. Die Hälfte lebt unter der Armutsgrenze. Es gibt keinen Sozialstaat, es gibt nichts.

Die einzige Hoffnung der Zogajs: Schnell nach Österreich kommen.

Autor: Karl Wendl

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22.12 Uhr: Die Zogajs werden jetzt mit einem Bus in ein Geheim-Quartier außerhalb von Pristina gefahren.

22.05 Uhr: Arigona Zogaj und ihre Familie ist in Pristina im Kosovo gelandet.

21.50 Uhr: Das Flugzeug mit Arigona Zogaj an Bord dürfte in wenigen Minuten in Pristina landen.

20.05 Uhr: Die Maschine startet ihren 110-minütigen Flug von Wien nach Pristina. Mit an Bord: Arigona Zogaj und ihre Familie, die Österreich damit in diesen Minuten verlassen.

20.03 Uhr: In diesen Augenblicken schließen sich die Türen der AUA-Maschine. Der Start erfolgt in wenigen Minuten.

19.55 Uhr: Noch immer sind nicht alle Passagiere des Flugs OS 769 an Bord.

19.45 Uhr: Die Passagiere des Flugs von Wien nach Pristina, darunter Arigona Zogaj und ihre Familie, besteigen den Airbus 320 der AUA.

19.37 Uhr: Arigona und ihre Geschwister joggen zum Gate für ihren Weiterflug. Ihre Mutter Nurie hängt etwas zurück.

19.34 Uhr: Die Zogajs müssen sich beeilen. Ihr Weiterflug nach Pristina soll planmäßig um 19.40 Uhr starten.

19.25 Uhr: Das Flugzeug mit Arigona Zogaj und ihrer Familie an Bord ist in Wien gelandet.

19.20 Uhr: Die Maschine der AUA befindet sich bereits im Landeanflug auf Wien.

19.15 Uhr: Arigona trägt eine schwarze Leggins und eine schwarze Jacke über ihrem weißen T-Shirt.

19.05 Uhr: Arigona Zogaj sitzt im vorderen Bereich der Maschine. Total blass und mit einem leeren Blick sitzt sie auf ihrem Platz.

18.55 Uhr: Albin Zogaj sitzt auf dem Platz mit der Nummer 4A. Er trägt kurze Hosen und eine Sonnebrille.

18.45 Uhr: Die Dash-8 der AUA mit Arigona an Bord hat Salzburg verlassen. Sie wird in wenigen Minuten in Wien erwartet.

18.35 Uhr: Die Türen der Maschine sind geschlossen. Der Flug via Wien nach Pristina startet.

18.33 Uhr: Die Zogajs betreten jetzt die Maschine. Nurie Zogaj weint bittere Tränen, Albin und Albona machen einen gefassten Eindruck.

18.27 Uhr: Die "normalen" Passagiere steigen jetzt in den Flieger der Austrian Airlines ein. Arigona Zogaj und ihre Familie werden die Maschine als Letzte betreten.

18.15 Uhr: Die Familie Zogaj wird am Flughafen Salzburg streng abgeschirmt. Nur eine Reihe von Freunden, die sich verabschieden wollen, dürfen zur Familie.

17.50 Uhr: Der 18.25 Uhr-Flug macht eine Zwischenlandung in Wien. Von Schwechat gibt es am späteren Abend einen Direktflug.

arigona

Arigona Zogaj kommt am Flughafen Salzburg an/ (c) ÖSTERREICH/ Schwarzl

17.20 Uhr: Arigona trägt ein weißes T-Shirt und lächelt gequält.

17.10 Uhr: Der Wagen fährt nicht direkt zum Flugzeug, sondern hält an einem Nebeneingang des Flughafengebäudes.

17.05 Uhr: Am Steuer des silbergrauen Kleintransporters ist Christian Schörkhuber, der Volkshilfe-Betreuer der Familie Zogaj.

17.00 Uhr: Das Auto der Zogajs, ein Mietwagen, ist soeben beim Salzburger Flughafen angekommen. Es fährt aufs Rollfeld des Flughafens.

16.30 Uhr: Arigona Zogaj und ihre Familie sind auf dem Weg zum Salzburger Flughafen. Sie verlassen heute Österreich, um nach Pristina zu fliegen.

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Visa-Antrag kann nicht in Priština gestellt werden
Wie es dann im Kosovo für die Familie weitergeht, ist allerdings bisher noch völlig unklar. Weder eine Wohnung wurde bis jetzt organisiert, noch mit der österreichischen Botschaft in Priština Kontakt aufgenommen.

Fest steht: So rasch wie möglich wollen die Zogajs wieder nach Österreich einreisen. Gelingen soll dies mit einem Schülervisum für Arigona, Albin und Albona und einem Antrag auf saisonale Beschäftigung für Mutter Nurie.

Wie sich aber erst jetzt herausstellt, können die Visa-Anträge allerdings gar nicht, wie von der Familie geplant, im Kosovo gestellt werden. Außenamtssprecher Peter Launsky-Tieffenthal: "In Priština haben wir nur eine Kleinstbotschaft, die keinerlei Visa über 90 Tage Aufenthalt ausstellt. Dafür müsste die Familie dann nach Belgrad, Skopje oder Tirana reisen.“ Hintergrund: Im Kosovo fehlen technische Geräte, um biometrische Daten aufnehmen zu können.

Für Arigona selbst stand der gestrige Tag ganz im Zeichen von Abschiednehmen und der Hoffnung, vielleicht bald wieder nach Österreich zurückzudürfen.

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