Asyl: Doppelt soviele Anträge im Mai

Flüchtlings-Chaos

Asyl: Doppelt soviele Anträge im Mai

Österreichs Asylchaos wird täglich schmachvoller: Knapp 1.000 Flüchtlinge leben in den Zeltstädten von Linz, Salzburg, Thalham und dem neu hinzugekommenen Zeltlager der Polizeiakademie Traiskirchen. Es wurde nötig, weil das Asyl-Erstaufnahmezen­trum daneben sich mit 2.000 Menschen jenseits aller Limits bewegt. Jetzt sitzen 480 Menschen zusätzlich in heißen Zelten.

1.700 Asylanträge alleine in der ersten Juniwoche

Im Mai stellten 6.240 Menschen Asylanträge – ein neuer trauriger Rekordwert, der alle Werte seit Beginn der Asylstatistik in den Schatten stellt. „In der ersten Juniwoche waren es rund 1.700, 250 jeden Tag“, sagt ein Sprecher des Innenministeriums zu ÖSTERREICH. 70.000 sollen es zu Jahresende insgesamt sein.

Nachdem Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) den Ländern eine letzte Frist bis 18. Juni gegeben hat, um ihre Aufnahmequoten zu erfüllen, spitzt sich die Lage zu. Denn noch sieht es nicht so aus, als gäbe es Bewegung: Nur Wien, Niederösterreich und die Steiermark nehmen mindestens so viele Menschen in ihre Grundversorgung auf, wie mit dem Bund vereinbart. Schaffen die anderen keine Kapazitäten, will Mikl-Leitner aus vier leeren Kasernen neue Asyllager des Bundes machen.

Der Widerstand der Länder spiegelt sich nicht in der Bevölkerung wider: Die Mehrheit (50 %) ist dagegen, dass es in Österreich zu einem Aufnahmestopp kommt, wenn die EU die Flüchtlingswelle nicht mit einer Quotenregelung fairer aufteilt. Das ergab jetzt eine neue ÖSTERREICH-Umfrage (Gallup, 400 Befragte).

Weitere Asyl-Zeltstädte nicht auszuschließen

Drohen dennoch weitere Zeltstädte? „Das hängt von den Ländern ab“, heißt es aus dem Ministerium. „Primär sind sie in der Verantwortung.“

(küe)

Großteil der Flüchtlinge Syrer

■ Flüchtlingswelle. 6.240 neue Asylanträge wurden im 
Mai gestellt – 2.200 mehr als im ­bislang stärksten Monat Jänner (4.057 Anträge).

■ Nationalitäten. Den Großteil machten zuletzt Syrer (25,5 %) aus, gefolgt von Afghanen (19 %) und Irakern (15,2 %).

■ Quoten. Wien (114 %), NÖ (102,6 %) und Steiermark (101,5 %) nehmen genug Flüchtlinge auf. Säumig sind Tirol (95,5 %), OÖ (95 %), Burgenland (92,7 %), Kärnten (89,2 %), Vorarlberg (87,8 %) und Salzburg (85,7 %).

Skandal: Flüchtlinge vor die Lager-Tür gesetzt

31 Grad vor dem Erstaufnahmezen­trum Traiskirchen. Alle ­suchen einen Flecken Schatten auf den Straßen: „Im Heim ist es voll und heiß, in den Zelten soll es noch schlimmer sein“, erzählt Rahman beim ÖSTERREICH-Lokalaugenschein. Wie er hoffen viele, dass sie rasch hier wegdürfen.

Rausgeworfen. Doch Dutzende Flüchtlinge haben nicht einmal eine Pritsche in einem Zelt. „Ich habe wegen eines Arzttermins meinen Bus zur Verlegung in ein anderes Lager verpasst“, erzählt der Afghane Idris (24). Ins Lager lasse man ihn nicht zurück, seit einer Woche schläft er vor dem Eingangstor auf dem Grünstreifen der Straße. Dutzende teilen sein Schicksal: „Kein Essen, kein Wasser, kein WC – wir haben nichts. Als wären wir keine Menschen“, sagt der Libyer Osama, dem es gleich erging. Grund für die schrecklichen Verhältnisse: „Wenn sie zwar gemeldet, aber nicht da sind, werden die Asylwerber aus der Versorgung abgemeldet“, erklärt das Innenministerium.

Auch Kinder. Die extreme Überfüllung führe zu solchen Dramen, sagt Bürgermeister Andreas Babler (SP): „Ich habe hier erst kürzlich sogar Familien mit Kindern gefunden, die im Freien schlafen mussten.“ Erst durch Bablers Protest bekamen sie wieder ein Dach über dem Kopf.

E. Kühnelt

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