21. Dezember 2009 20:24
Es war wohl die zornigste Unterschrift des Jahres, die Landeshauptmann Hans
Niessl am Montag um 13.22 Uhr auf ein Papier setzte, das noch am selben
Tag in die
Bezirkshauptmannschaft Güssing ging. Er unterzeichnete jene
Weisung, mit der das von ÖVP-Innenministerin Maria Fekter so clever
angedachte Asylzentrum
in Eberau für das Erste geplatzt ist. Der Baubescheid wird für nichtig
erklärt. Damit ist man zumindest politisch quitt – Fekter trickste Niessl in
der Nacht auf Freitag aus, er zahlte es ihr jetzt heim. Dass zwischen den
beiden trotzdem Eiszeit herrscht, ist aber klar (siehe Interview).
Inhaltlich geht es in der Causa um zwei Fragen. Einmal: Ist der Bevölkerung
von Eberau (etwa 1.000 Menschen) ein Asylzentrum mit 300 Flüchtlingen
zumutbar? Denn in der Widmung als „Mischland“ steht ausdrücklich, hier könne
nur etwas gebaut werden, das den kulturellen und sozialen Bedürfnissen der
Bevölkerung dienen muss. Dazu gibt es aber unterschiedliche Rechtsmeinungen.
Die Juristen des Landes Burgenland finden, das Asylzentrum sei auf keinen
Fall den sozialen Bedürfnissen dienlich.
Vors Höchstgericht: für
Jahre auf Eis gelegt
Im
Ministerium hält man ein solches Zentrum mit Ärzten und Polizei für durchaus
nützlich. „Dieser Rechtsstreit muss letztendlich von den Höchstgerichten
geklärt werden“, sagt Jurist Bernd-Christian Funk. Bis dahin allerdings ist
das Zentrum erst einmal – möglicherweise für Jahre – auf Eis gelegt. „Wenn
nötig, gehen wir bis zum Höchstgericht“, heißt es bereits aus Fekters Büro.
Um die Emotionen zu beruhigen, war die Ressortchefin gestern Abend noch
einmal in Eberau, um sich mit Parteikollegen zu treffen.
Aspekt zwei betrifft die Vorarbeit bis zur Einreichung. Der Bürgermeister
und wohl auch das Ministerium haben bis Freitag von einem „Wohnzentrum für
Jungfamilien“ gesprochen. Eine „Täuschung“, die den VP-Ortsvorsteher zum
Rücktritt getrieben hatte. Die Grundstücksverkäufer sprechen nun von Betrug.
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ÖSTERREICH: Was bedeutet diese Weisung, die Sie
gestern an die BH in Güssing schickten, jetzt für das Projekt? Hans
Niessl: Der Bezirkshauptmann ist angewiesen, den Baubescheid für
nichtig zu erklären. Damit ist dieses Unsinns-Projekt einmal
gestoppt.
ÖSTERREICH: Aber das Ministerium kann doch einfach
berufen. Niessl: Ja, das werden sie auch machen. Ich
überlege aber bereits, ob man nicht das gesamte Widmungsverfahren
anschauen muss, weil wenn hier, wie ich höre, von dubiosen Salzburger
Investoren gesprochen wurde, die Wohnungen für Jungfamilien errichten
sollten, damit man überhaupt zu den Grundstücken kommt, ist das
Vorspiegelung falscher Tatsachen. Und ob das alles so hält, bezweifle
ich.
ÖSTERREICH: Hatten Sie mit Ministerin Fekter ein
persönliches Gespräch? Niessl: Wir hatten
Freitagnacht das letzte persönliche Gespräch. Und das war derart
freundlich, dass wir beide vermutlich kein Verlangen mehr auf ein
zweites haben.
Barbara Haas
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