29. Juni 2009 21:27
In der Causa Jörg Haider bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Nach der
Initialzündung durch dessen Ex-Vertrauten Stefan Petzner, der im
ÖSTERREICH-Interview neue Ermittlungen zum Tod Haiders gefordert hatte,
schlägt sich jetzt auch Witwe Claudia auf die Seite Petzners. Denn Claudias
stets gehegte Zweifel an der Unfall-Theorie konnten bis heute nie ausgeräumt
werden:
- Haider habe niemals Alkohol über Maßen getrunken. „Mein Mann war ein
Genusstrinker und ein Marathonläufer, der auf seine Gesundheit
achtgab“, so Claudia in einem früheren ÖSTERREICH-Gespräch.
- Die Strecke am Unfallort sei zu kurz gewesen, um auf 140
Stundenkilometer zu beschleunigen.
Wie Vertraute der Familie berichten, wolle Claudia eine Neu-Aufrollung des
Falls durch eine „unabhängige“ Staatsanwaltschaft. Denn der Klagenfurter
Ermittler Gottfried Kranz sei ein SPÖ-Mann und ein dezidierter Feind ihres
Gatten gewesen, wie zuletzt auch BZÖ-Mandatar Stefan Petzner betont hatte.
Haiders Vertrauter will deshalb eine Unterschriften-Aktion in Kärnten
starten, die neue Ermittlungen zum Ziel haben sollen (siehe Artikel unten).
Haubner: „Offene Fragen“
Unterstützt wird er dabei
nicht nur von vielen Kärntnern, sondern auch von der gesamten
BZÖ-Polit-Spitze – erstmals auch von Haiders Schwester Ursula Haubner. „Für
mich gibt es noch einige offene Fragen. Die soll die Justiz klären“, so
Haubner zu ÖSTERREICH.
|
Stefan Petzner setzt Justizministerin unter Druck
ÖSTERREICH: Wie waren die Reaktionen auf Ihr
ÖSTERREICH-Interview, in dem Sie anzweifeln, dass Jörg Haiders Tod
bloß ein Unfall war? Stefan Petzner: Unglaublich,
was ich da losgetreten habe. Meine Facebook-Seite ist voll, die Leute
auf der Straße hier in Kärnten reden mich an und sagen: „Endlich
einer, der sich was traut. Machen Sie bitte weiter.“
ÖSTERREICH: Machen Sie weiter? Petzner:
Sicher. Jetzt ist einmal die Justizministerin am Ball. Sie soll eine
unabhängige Experten-Kommission von Gutachtern und Rechtsgelehrten
einsetzen und den Fall Haider neu prüfen lassen. Wichtig ist, dass die
Causa dem befangenen Klagenfurter Staatsanwalt Dr. Gottfried Kranz
weggenommen wird.
ÖSTERREICH: Und wenn sich die Ministerin diesem Wunsch
verschließt Petzner: Ich lasse da mehrere
Möglichkeiten rechtlich prüfen. Vorausgesetzt meine Freunde im BZÖ
sind einverstanden, starte ich eine große Unterschriftenaktion in
Kärnten. Die kann, wenn sie erfolgreich ist, bis zu einer
Volksbefragung oder einem Volksbegehren führen.
|
Druck auf Bandion steigt
Damit erhöht sich der Druck auf
Justizministerin Claudia Bandion-Ortner. Denn auch BZÖ-Landeshauptmann
Gerhard Dörfler will „neue Ermittlungen außerhalb Kärntens mit einem
unabhängigen Staatsanwalt.“ Doch die Ministerin wiegelt ab. „Wir vertrauen
der zuständigen Staatsanwaltschaft“, heißt es aus ihrem Büro. Und: Sollte es
neue Behauptungen geben, die auch mit Beweisen unterlegt werden können,
könne man über eine Neuaufnahme des Verfahrens nachdenken.
Keine Revision
Die Klagenfurter Behörden verweisen auf die
abgeschlossenen Ermittlungen, die „sowohl vonseiten der Justiz als auch von
unabhängigen Gerichtsmedizinern aus Graz und Innsbruck geführt wurden“, so
ein Sprecher der Staatsanwaltschaft: „Jeder, der meint, neue Erkenntnisse zu
haben, ist herzlich eingeladen, sie zu präsentieren.“