10. Jänner 2010 12:18
Im aufgeheizten Streit um ein drittes Asyl-Erstaufnahmezentrum im
burgenländischen Eberau will Innenministerin Maria Fekter (V) die
Bevölkerung doch noch auf ihre Seite bringen - und zwar mit einer weiteren
Verschärfung für die Flüchtlinge. In der ORF-"Pressestunde" am Sonntag
schlug sie eine einmonatige "Anwesenheitspflicht" für Asylwerber während des
Erstaufnahmeverfahrens vor. Bei SPÖ und den Grünen stieß dies auf vehementen
Widerstand. Bereits am Samstag hatte Eberau für wenig Herzlichkeit zwischen
den Koalitionspartnern SPÖ und ÖVP gesorgt.
Internierung
Fekter rechtfertigte die geplante Internierung mit
den Widerständen der Bevölkerung. "Wenn die Sorge ist, dass die Leute zu
viel Bewegungsfreiheit haben, dann muss man reagieren." Den Asylwerbern soll
dafür sämtliche Infrastruktur wie Rechtsberatung, (Kinder-)Betreuung oder
ein Geschäft für Artikel des täglichen Bedarfs geboten werden, dann sei dies
verfassungskonform umsetzbar, zeigte sich Fekter überzeugt. Die erst seit 1.
Jänner geltende Regelung, die die Bewegungsfreiheit auf die Bezirksgrenzen
einschränkt, bezeichnete sie als "ineffizient".
Anwesenheitspflicht
Die Ministerin will die "Anwesenheitspflicht"
- Worte wie "Einsperren" und "Einreisehaftzentrum" wies sie empört zurück -
für jenen Zeitraum, in dem geprüft wird, ob Österreich überhaupt für das
Verfahren zuständig ist. Normalerweise dauere dies 20 bis 28 Tage, ein
europaweiter Bestwert. Mit ihrer Maßnahme will sie verhindern, dass
"Flüchtlinge, die sich frei bewegen dürfen, auch in die Illegalität
verschwinden". Über die hochgehenden Emotionen gab sie sich erstaunt: "Dass
wir ein Flüchtlingszentrum ärger diskutieren als eine Sondermülldeponie, das
schmerzt mich auch."
Sie lud den Koalitionspartner dazu ein, "so eine Bestimmung mit uns im
Parlament zu beschließen". Dazu wird es kaum kommen, denn von der SPÖ kam
heftige Ablehnung. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek zeigte sich
entsetzt, der Vorschlag berge "ein so hohes Maß an Unmenschlichkeit, dass
sich mir der Magen umdreht". Verteidigungsminister Norbert Darabos (S)
ortete Verfassungswidrigkeit, man könne Menschen nicht ohne ersichtliche
Gründe einsperren. Verärgerung herrschte auch darüber, dass Fekter ihren
Vorstoß ohne Absprache über das Fernsehen präsentiert hatte.
Unterschiedliche Ansichten
Ablehnung kam auch von den Grünen und
SOS Mitmensch, wogegen das BZÖ eine rasche Umsetzung einforderte. Für die
FPÖ liegt gar auf der Hand, dass Fekter nicht gewillt sei, ihre "liberale
Asylpolitik" zu ändern.
Bereits am Samstag hatte Eberau für einen verbalen Schlagabtausch zwischen
den Koalitionspartnern gesorgt. ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger fragte
sich, ob die SPÖ und ihr Vorsitzender Werner Faymann "von allen guten
Geistern verlassen" sei. Die SPÖ sei beim ersten Gegenwind umgefallen,
Faymann wankelmütig, denn noch vor kurzem sei die Partei für ein drittes
Erstaufnahmezentrum eingetreten, so Kaltenegger, der sich erneut gegen eine
Volksbefragung aussprach. SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas warf der
ÖVP daraufhin Allmachtsfantasien vor.