Aufstand für Uni-Ministerium

Aus für Wissenschaftsressort:

Aufstand für Uni-Ministerium

Das hatten selbst die Initiatoren nicht erwartet: Am vergangenen Freitag mit ein paar Hundert „Gefällt-mir“-Klicks gestartet, konnte die Facebook-Initiatve „Österreich braucht ein Wissenschaftsministerium“ Sonntagnachmittag bereits sensationelle 35.000 Unterstützer aufbieten. Dabei hatte ÖVP-Chef Michael Spindelegger gehofft, mit einer Familienministerin Sophie Karmasin bei jungen urbanen Wählern punkten zu können.

Spindelegger wollte mit Sophie Karmasin punkten
Passiert ist genau das Gegenteil: Allzu viele sehen im Verlust des Wissenschaftsressorts zugunsten eines Familienministeriums das falsche Signal. Freilich: Sowohl Kanzler Faymann als auch Spindel­egger signalisierten am Sonntag Härte.

Wenn das nur gut geht: In ÖSTERREICH sprechen sich sowohl Altkanzler Franz Vranitzky, als auch der frühere Finanzminister Hannes Androsch dagegen aus, die Wissenschaft dem Wirtschaftsministerium zuzuschlagen. Und die Grüne Eva Glawischnig hofft, auch Koalitionsabgeordnete überzeugen zu können, der Änderung des Ministeriumsgesetzes nicht zuzustimmen.

Spindelegger will jetzt die Gemüter beruhigen und die Uni-Rektoren ins Boot holen: Er werde mit ihnen und anderen Betroffenen das Gespräch suchen. Auch Faymann stellt sich hinter die ÖVP-Entscheidung: „Es kann nicht jeder wichtige Bereich ein eigenes Ministerium haben. Ich habe das Gefühl, dass Minister Reinhold Mitterlehner Wirtschaft sehr ernst nimmt, aber auch Wissenschaft.“
Hunderte Studenten werden heute jedenfalls an einer „Trauerkundgebung“ teilnehmen.

Vranitzky: "Es ist völlig verkehrt"

ÖSTERREICH: Was sagen Sie zur Auflösung des Wissenschaftsministeriums, das jetzt zur Wirtschaft gehören soll?
Franz Vranitzky: Ich glaube, dass es ein falsches Signal ist.

ÖSTERREICH: Warum?
Vranitzky: Wir sind ein kleines Land ohne nennenswerte Rohstoffe. Unsere Zukunft ist also auf die gute Ausbildung und das Wissen der künftigen Generationen ausgelegt. Wir brauchen auch eine Perspektive über die rein ökonomische Sichtweise hinaus. Also ist das jetzt in jeder Beziehung ein völlig verkehrtes Signal.

ÖSTERREICH: Appellieren Sie an die Regierung, es zu überdenken?
Vranitzky: (lacht) Ja, aber sie werden nicht auf mich hören.

Androsch: "Ein Retro-Signal"

ÖSTERREICH: Die Wissenschaft hat als eigenes Ministerium ausgedient. Was nun?
Hannes Androsch: Ja. Und das halte ich nicht für richtig. Das Ministerium wurde 1970 in einer Kreisky-Minderheitsregierung mit Hertha Firnberg geschaffen – das war damals ein Zukunftsprogramm. Dass es jetzt in der Großen Koalition abgeschafft wird, ist ein Retro-Signal.

ÖSTERREICH: Ist das noch zu verhindern?
Androsch: Na ja, das Verhandeln dieser Koalition war schon schwierig genug. Aber im Bereich Wissenschaft und Forschung wäre genug zu tun: Wir brauchen beispielsweise mehr Geld für die Grundlagenforschung und vieles mehr!

Glawischnig: "Desinteresse in Richtung Junge"

ÖSTERREICH: Was sagen Sie zum Aus des Wissenschaftsressorts?
Eva Glawischnig: Wir werden im Parlament alles tun, um das zu verhindern. Ich hoffe, noch Abgeordnete der Regierungsfraktionen überreden zu können, dem neuen Ministeriengesetz nicht zuzustimmen. Der bisherige Wissenschaftsminister Töchterle dürfte ja wohl auch dagegen stimmen.

ÖSTERREICH: Warum tun das SPÖ und ÖVP?
Glawischnig: Letztendlich ist es Desinteresse der Wissenschaft und der jüngeren Generation gegenüber. Viele sagen, dass die Unis den Stellenwert bekommen, den sie leider ohnehin schon hatten. Sie werden seit Jahren ausgehungert.

G. Schröder

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