AvW-Chef Auer von Welsbach in U-Haft

"Finanzdelikt"

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AvW-Chef Auer von Welsbach in U-Haft

Der Vorstandschef der angeschlagenen Krumpendorfer Beteiligungsgesellschaft AvW, Wolfgang Auer von Welsbach, ist Freitagnachmittag in Untersuchungshaft genommen worden. Es bestehe Flucht-, Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr, erklärte Helmut Jamnig, Sprecher der Staatsanwaltschaft Klagenfurt.

AvW ist seit Jahren mit einer Reihe von Klagen konfrontiert, die Anschuldigungen lauten von falschen Beratungen bis zum Versagen des inneren Kontrollsystems bei AvW. Das Unternehmen hat bisher alle Vorwürfe zurückgewiesen. Der Finanzdienstleister hatte den Rückkauf von sogenannten Genussscheinen ausgesetzt, nachdem die Gesellschaft Ende 2008 ins Trudeln geraten war.

AvW-Anwalt Großmann verwundert
Bisher war gegen Wolfgang Auer von Welsbach wegen strafrechtlicher Delikte - unter anderem wegen schwerem gewerbsmäßigen Betruges - ermittelt worden. "Nun läuft auch ein Ermittlungsverfahren wegen eines Finanzdeliktes", erklärte Staatsanwalt Helmut Jamnig. Die Festnahme des Vorstandschefs wurde am Freitag von Beamten des Landeskriminalamtes vorgenommen. "Wir nehmen die Aktion mit großer Verwunderung zur Kenntnis", sagte AvW-Anwalt Franz Großmann in einer ersten Reaktion.

Laut Staatsanwalt wurde im Rahmen der Festnahme ein Mediziner beigezogen, der die Haftfähigkeit von Auer von Welsbach feststellte. Er sei verwundert, dass eineinhalb Jahre nach Aufnahme der Ermittlungen gegen AvW wegen Fluchtgefahr die U-Haft verhängt worden sei, sagte Großmann. "Es hätte das wesentlich gelindere Mittel der Abnahme des Reisepasses auch gereicht", meinte der Jurist.

Auer von Welsbach übers Wochenende in Haft
Das Argument der Verdunkelungsgefahr sei auch nur schwer nachvollziehbar. "Wir sind immer kooperativ gewesen", sagte Großmann. Am kommenden Montag will der Rechtsanwalt versuchen, seinen Mandanten gegen Kaution aus der Haft zu bekommen. "Wir müssen aber erst in Erfahrung bringen, ob eine Kaution möglich ist und wie hoch sie sein soll", so Großmann.

Erst am Mittwoch hatte AvW-Vorstand Arnulf Komposch sein Vorstandsmandat bei der AvW Gruppe AG, ebenso wie sein Mandat bei der AvW Invest AG zurückgelegt. Ob dieser Schritt mit der Verhaftung von Auer von Welsbach am Freitag in Zusammenhang stand war vorerst nicht bekannt.

Rasinger begrüßt Verhaftung
Anlegerschützer befürchtet Wilhelm Rasinger weitere Schäden für die gebeutelten AvW-Anteilseigner. Durch den Rücktritt von AvW-Vorstand Arnulf Komposch sei die Investmentfirma "de facto führungslos", sagte der Präsident des Interessenverbandes der Anleger (IVA) am Freitagabend gegenüber der APA. Daher müssten die zuständigen AvW-Organe oder die Justiz "rasch" jemanden bestellen, der sich "interesse- und vermögenswahrend" um die Unternehmensagenden kümmert.

Die Vermögenswerte müssten "schonend verwertet" werden, sprach sich Rasinger gegen "Notverkäufe" aus. Zu den Chancen, das Anlegervermögen zu mehren, äußerte sich der IVA-Präsident vorsichtig optimistisch. Wolfgang Auer von Welsbach, "der die Firma eingesetzt hat, um sich gegen Angriffe zu wehren, ist jetzt weg", sagte Rasinger. Allerdings müsse sich die Gesellschaft nun auch von ihren bisherigen Beratern trennen.

Rasinger begrüßte die Verhaftung des AvW-Vorstandschefs als "deutliches Zeichen und Signal der Justiz, jetzt bei den großen Anlegerskandalen Flagge zu zeigen". Konkret nannte er die Fälle Hypo Alpe Adria und Meinl, für die ein "Motivationsschub" entstehen könnte. Allerdings dürfen sich die Anleger nicht erhoffen, dass sie nun Rückenwind bei der Durchsetzung ihrer Schadenersatzansprüche gegenüber AvW bekommen. Diesbezüglich liege noch ein "weiter Weg" vor ihnen.

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