21. Juli 2010 13:50
Das BZÖ widmete sich am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien den
Themen "Burn
out , Mobbing und Bossing" und mahnte von Gesundheitsminister Alois
Stöger (SPÖ) mehr Aktivitäten in diesem Bereich ein. BZÖ-Generalsekretär
Christian Ebner und Frauensprecherin Martina Schenk forderten die Schaffung
einer Burn-out-Ombudsstelle nach Vorbild des Behindertenanwalts und
verwiesen darauf, dass diese psychische Erkrankung sich in der modernen
Leistungsgesellschaft zur Volkskrankheit entwickle.
Kostengründen
Nicht zuletzt aus Kostengründen sei die
Behandlung von Burn-out
auf Kosten der Sozialversicherungen sinnvoll, da ein ein rapider Anstieg
der Krankenstandstage aufgrund dieser Diagnose zu verzeichnen sei. Als
ersten Schritt verlangt das BZÖ von Minister Stöger nachdrücklich, den
momentanen Stand zu erheben. Für Österreich liege nicht einmal aktuelles
Datenmaterial vor - 2007 sei die letze diesbezügliche Studie mit Ergebnissen
aus dem Jahr 2006 veröffentlicht worden. Stöger will jedoch in erster Linie
auf Prävention und Gesundheitsförderung, vor allem auf betrieblicher Ebene
und die Verbesserung des Arbeitsumfeldes akut gefährdeter gesellschaftlicher
Gruppen setzen.
Burn-out
Zu den wichtigsten Auslösern einer Burn-out-Erkrankung
zählen neben Verunsicherung, Vereinsamung und Leistungsdruck die Ausgrenzung
am Arbeitsplatz. Währung unter Mobbing kurz gesagt die schlechte Behandlung
unter gleichrangigen Kollegen zu verstehen ist, bedeutet "Bossing" Mobbing
durch den Vorgesetzten. Oft bringt Überforderung den Chef dazu, seinen Frust
an den Mitarbeitern auszulassen.
ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger fordert in Sachen psychischer
Erkrankungen von der Zwei-Klassen-Medizin abzukommen. Die aktuellen Zahlen
lassen bei ihm die "Alarmglocken schrillen", es gebe dringenden
Handlungsbedarf, so Rasinger. Er kritisiert unter anderem, dass in Wien nur
ein Viertel der Psychiater über einen Kassenvertrag verfügt. Die Folgekosten
bei nicht oder zu spät diagnostizierten und behandelten psychischen
Erkrankungen zählen zur Spitze des Eisbergs einer volkswirtschaftlich
gesehen verfehlten Strategie. Rasinger sieht vor allem den Hausarzt als
ersten wichtigen Ansprechpartner und betont: "Wer schnell hilft, hilft
doppelt". Die Aufstockung der Behandlungsmöglichkeiten auf Krankenschein sei
ein notwendiger Schritt, seien doch mittlerweile alle
Gesellschaftsschichten, auch Kinder, immer häufiger betroffen. Die Idee,
eine unabhängige, weisungsfreie Burn-out-Ombudsstelle einzurichten, lehnt
Rasinger ab. "Da geht doch keiner hin".