27. Jänner 2007 20:42
Die „Bude“ der Burschenschaft „Vandalia“ im 9. Wiener Gemeindebezirk. Wir
schreiben das Jahr 1987, der Wiener Korporationsring, der Dachverband aller
deutschnationalen Burschenschaften, hält ein Treffen ab. „Bursch“
Heinz-Christian Strache begrüßt laut einem ÖSTERREICH-Informanten den
bekannten Rechtsextremen Franz Radl mit dem sogenannten „Kühnen-Gruß“, als
ein Kamerad Straches abdrückt. (Lesen Sie mehr: "Kühnen-Gruß
nicht strafbar").
Am Freitag bringt der Informant das Bild in die ÖSTERREICH-Redaktion – und
erzählt die brisante Details aus dem Pennäler-Leben des nunmehrigen
FPÖ-Chefs: „Natürlich waren wir damals eindeutig Neonazis. Wir haben für die
rechtsextreme Vapo Pickerl geklebt, haben uns auf der Bude regelmäßig mit
dem Hitlergruß gegrüßt. Und Strache war einer der aktivsten – er war mit
allen rechtsextremen Größen bekannt: Küssl, Radl, Thierry, Honsik – er traf
sie alle.“
Das in ÖSTERREICH exklusiv veröffentlichte Foto schlug nicht nur in der FPÖ
wie eine Bombe ein (lesen
Sie mehr dazu). Seit Freitagabend ist das Bild eine Hauptmeldung im ORF.
Mehrere Zeitungen übernahmen die Story von ÖSTERREICH, im Nachrichtenmagazin
profil erscheint morgen eine große Hintergrundgeschichte.
Panik
Das Foto versetzte die FPÖ und Strache offenbar in Panik.
Kein Wunder: Nach den Bildern, die Strache Ende der 80er bei
wehrsportähnlichen Übungen zeigen, scheint auch das jüngste „Buden“-Foto zu
belegen: Der junge Strache bewegte sich in rechtsextremen Kreisen wie der
buchstäbliche Fisch im Wasser.
Strache-Erklärung am Montag
Die von der FPÖ angekündigte
"klare, ausführliche und unmissverständliche Erklärung" von Parteichef
Heinz-Christian Strache in der "Foto-Affäre" wird am Montag stattfinden. Für
10.00 Uhr Vormittag hat Strache zu einer "Grundsatzerklärung" in den FP-Klub
im Wiener Rathaus geladen. In der "Presse" hatte Strache zuletzt seine
"Abscheu vor dem Nationalsozialismus" bekundet und betont, er distanziere
sich "klar und deutlich" von der NS-Ideologie. Das BZÖ verlangt den
Rücktritt des FP-Chefs.
Wirre Aussagen
In einer ersten Reaktion verlautet aus der FPÖ,
Strache sei mit dem Gruß der „Südtiroler Freiheitskämpfer“ zu sehen. Eine
derart absurde Darstellung, dass sie Strache noch Freitagabend zurücknehmen
musste – und FPÖ-Pressesprecher Karl Heinz Grünsteidl verfasste in der Nacht
zum Samstag eine mehr als seltsame Presseaussendung (lesen
Sie die Aussendung hier im Wortlaut). Strache wechselte seine Taktik,
auf dem Weg zum Korporierten-Ball sprach er in einem ZiB-2-Interview davon,
nur „drei Bier oder drei G’spritzte“ bestellt zu haben. Eine in rechten
Kreisen gängige Rechtfertigungsstrategie.
Bewusst nicht gestreckt
Darauf weist auch der Historiker Gerhard
Jagschitz gegenüber ÖSTERREICH hin: Dass Straches Hand nicht ausgestreckt
ist, spreche nicht „per se dagegen, dass es sich um ein Ersatzzeichen für
den Hitlergruß“ handle, so Jagschitz. „Derart schlampige Formen wurden in
solchen Kreisen bewusst benutzt, um den historischen Gruß zu kaschieren.“
Strache kündigte für Montag eine Erklärung zu seiner Vergangenheit an.
Gegenüber ÖSTERREICH wollte kein FPÖ-Politiker Stellung beziehen.
Rücktritt
Das tat die Konkurrenz um so lauter: Grünen-Chef
Alexander Van der Bellen sagte: „Wenn jetzt noch der Hitler-Gruß kommt, dann
reicht es.“ SP-Geschäftsführer Josef Kalina übte Samstag erstmals wirklich
Kritik an der FPÖ, denn in der SPÖ kocht schon die Debatte über die Linie zu
Strache.