07. Juli 2009 10:41
Alle Mandatare (des Nationalrates, der Landtage, des Europaparlaments, etc.)
werden in den Begriff des Amtsträgers mit einbezogen und fallen damit unter
die Bestimmungen des neuen Gesetzes. Allerdings wird dabei auf die
spezifische Form der Tätigkeit Rücksicht genommen, verkündeten die
Klubobleute Josef Cap (SPÖ) und Karl-Heinz Kopf (ÖVP) vor dem Ministerrat am
Dienstag.
Auch der Strafrahmen bleibt gleich. Beschlossen wird das Gesetz wie geplant
diese Woche im Parlament. Die Einbeziehung der Abgeordneten wird mittels
Abänderungsantrag erfolgen.
Auf SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim, der gestern noch eine Straffreiheit
für EU-Mandatare gefordert hatte, angesprochen, meinte Cap, die
Justizsprecher seien bei den Verhandlungen über die Regelung eingebunden
gewesen.
Kritik am Gesetz bleibt
Die Einbeziehung der Abgeordneten ändert
freilich nichts an der zahlreichen Kritik am Gesetz. So bemängelte etwa der
Politikwissenschafter Hubert Sickinger Ungenauigkeiten beim
Amtsträgerbegriff sowie den Eingrenzungen der Delikte. ÖVP-Justizministerin
Claudia Bandion-Ortner verteidigte das Gesetz heute einmal mehr als gute
Lösung.
BZÖ + Grüne fordern Nachbesserungen
Die Opposition
begrüßt zwar, dass die Antikorruptionsbestimmungen für Beamte künftig auch
für Parlamentsabgeordnete gelten sollen. BZÖ und Grüne verlangen aber
weitere Nachbesserungen und wollen daher am Mittwoch die Rückverweisung des
Gesetzes in den zuständigen Justizausschuss beantragen. Konkret wollen sie
die Einbeziehung von staatsnahen Unternehmen (etwa ÖBB und Asfinag) sowie
des Gesundheitsbereiches in die Antikorruptionsregeln für den öffentlichen
Bereich.
Für die Manager staatsnaher Unternehmen, die vorwiegend am Markt agieren
(also etwa ÖBB und Asfinag, aber auch Landes- und Gemeindebetriebe wie die
Wiener Linien und Flughafen Wien) werden die vergleichsweise strengen
Antikorruptionsbestimmungen für Beamte im aktuellen Entwurf nicht gelten.
Sie müssen sich nur nach den deutlich sanfteren Regeln für die
Privatwirtschaft richten. BZÖ und Grüne lehnen das ab.