Bis zu 6.000 Asylwerber am Weg nach Österreich

Bessere Versorgung

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Bis zu 6.000 Asylwerber am Weg nach Österreich

Nach dem Krisengipfel vom Mittwoch ist klar: Das Flüchtlingslager Traiskirchen, das in Österreich Erstversorgungszentrum ist, muss sich auf eine weitere Verdopplung der Asylwerber einstellen. Nach der Öffnung der Schengengrenze vom 21. Dezember kamen innerhalb weniger Tage 500 neue Asylwerber meist per Zug und sogar mit dem Taxi nach Österreich und werden nun in Traiskirchen erstversorgt. Der Großteil davon sind russische Staatsbürger, also Tschetschenen, die geflüchtet sind, da sie im Heimatland vom russischen Militär gewaltsam verfolgt werden.

Zwischenstation Polen
Anny Knapp, Obfrau des Vereins asylkoordination österreich, erläutert im Gespräch mit ÖSTERREICH Hintergründe der oft langen „Reise“. Zuletzt kamen nach Tschechien 3.016 Asylwerber, 7.093 nach Polen. Zu 90 Prozent handelt es sich dabei um Tschetschenen.

„Viele haben aber gar nicht die Absicht gehabt, in diesen Ländern Asyl zu beantragen und gehen daher in andere EU-Staaten weiter“, erklärt Knapp. Viele Tschetschenen haben in Österreich Bekannte oder Verwandte und versuchen, ihr Exil hier zu verbringen. Aufgrund der sogenannten Dublin-Regelung von 1997 gibt es zwar eine Familienzusammenführung, aber nur für Kinder bis 18 Jahre.

Bessere Versorgung
Ein weiterer Grund für die Weiterreise vor allem von Polen nach Österreich sind bessere Bedingungen. „In Polen erhalten etwa zwei Drittel aller Asylwerber nach drei Monaten den „Toleriertenstatus“, mit dem sie aus dem Lager geworfen werden und Unterstützungen verlieren“, erklärt Harald Glöde vom Flüchtlingsrat Brandenburg im Gespräch mit ÖSTERREICH. Er bereiste mehrmals polnische Lager und berichtet von haarsträubenden Zuständen. „Da kommt es immer wieder zu Hungerstreiks, weil die Versorgung so schlecht ist.“ Rund 6.000 Menschen in Tschechien und Polen haben derzeit das Potenzial, ihre tristen Lebensperspektiven in Ländern wie Österreich oder Deutschland zu verbessern.

40 Euro Taschengeld
Das monatliche Taschengeld beträgt in Polen nur 50 Zloty (umgerechnet 13,90 Euro), in Tschechien gar nur 360 Kronen (11,60 Euro). Zwar ist in Österreich das Taschengeld mit 40 Euro pro Monat nicht gerade üppig, „doch zumindest die medizinische Versorgung ist besser“, erklärt Knapp. Oft seien Therapien wegen unvorstellbar grausamer Folterung notwendig.

Unterstützungsleistung erhalten illegal eingewanderte Menschen in Österreich ab dem Zeitpunkt der Asylantragsstellung. In öffentlichen Quartieren beinhaltet das Kost und Logis, Krankenversicherung und 40 Euro monatlich. Weniger können sich eine Privatunterkunft organisieren, etwa bei Verwandten. In diesem Fall steigt die monatliche Versorgung samt Bekleidungsgutscheine auf 302,50 Euro. Zum Vergleich: Die Notstandshilfe beträgt derzeit 747 Euro pro Monat.

Kein Ende in Sicht
In Traiskirchen gibt es derzeit die Befürchtung, dass zu den derzeit 770 Asylwerbern nochmals Hunderte dazukommen. Auf bis zu 1.200 Personen schätzt Vizebürgermeister Franz Gartner die Zahl, die demnächst noch in die 17.000-Einwohner-Stadt südlich von Wien kommt.

Platter kontert
VP-Innenminister Günther Platter, der in Sachen Sicherheit immer stärker unter Beschuss gerät, wies jede Schuld von sich: „Die neuen Schengen-Staaten haben mit der Erweiterung große Verantwortung für die Sicherheit Europas übernommen. Diese müssen sie ernst nehmen, insbesondere durch strenge Grenzraumüberwachung.“ Von österreichischer Seite würden die Behörden „gezielt und verstärkt im ­Bereich des Asylmissbrauchs kontrollieren“.

In Salzburg startete österreichweit die erste Schengen-Polizei, die Verkehrsrouten besonders genau kontrolliert. Und in Kärnten gingen gestern bei Arnoldstein wieder fünf „blinde Passagiere“, Afghanen, in einem Lkw entdeckt.

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