Bizarre Suche nach Kärntner SPÖ-Chef

Farce im Süden

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Bizarre Suche nach Kärntner SPÖ-Chef

Seit gut 20 Jahren ist die Kärntner SPÖ nur noch am Rande mit der Landespolitik beschäftigt, im Zentrum steht fast immer die eigene Befindlichkeit. Die Parteichefs wechseln immer schneller, und was gestandene Sozialdemokraten seit Jahren als Tragödie bezeichnen, entwickelt sich langsam zur Farce. Hauptdarsteller der aktuellen Aufführung ist der Langzeitbürgermeister von Villach, Helmut Manzenreiter.

Rohr-Abgang nicht so falsch
Der Stadtchef, der sich 1999 eher glücklos schon einmal als Parteichef versucht hatte, hat mit einem öffentlichen Vorstoß Anfang Jänner - kräftig unterstützt von der Klagenfurter SPÖ-Vizebürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz - den bemühten, aber glücklosen Reinhart Rohr zum vorzeitigen Rückzug von der Parteispitze gezwungen. Die Art seiner Vorgangsweise ärgerte zwar viele Genossen, in der Sache gab man ihm aber mehrheitlich recht. Allseits wurde vermutet, Manzenreiter habe die weiteren Schritte genau geplant, und die heiß ersehnte Erneuerung der Partei werde jetzt wie am Schnürchen ablaufen.

Seifried wollte nicht
Doch weit gefehlt. Manzenreiters Wunschkandidat für den Posten des Parteichefs war Wolfsbergs Stadtoberhaupt Gerhard Seifried, der sich in den ersten Jahren seiner politischen Tätigkeit den Ruf eines "Parteirebellen" erarbeitet hatte. Doch dann passierte die erste Panne: Seifried wollte nicht. Wochenlang ließ er sich bitten, um schließlich abzusagen. Schon davor hatte Manzenreiter einen Rückschlag hinnehmen müssen. Sein Wunsch nach einem Sonderparteitag blieb unerfüllt, er erreichte lediglich, dass der ohnehin notwendige ordentliche Parteitag von Juni auf Ende März vorverlegt wurde.

Köfer durfte nicht
Nach Seifrieds Absage meldete sich Spittals Bürgermeister Gerhard Köfer als Kandidat. Dies erzürnte seinen Villacher Amtskollegen so sehr, dass er Köfer - wiederum über die Medien - schlicht die Qualifikation für den Parteichef absprach. Köfer zog sich daraufhin wieder zurück, Beobachter schüttelten nur noch verständnislos die Köpfe.

Kampfabstimmung im Raum
Nun blieb Manzenreiter nichts mehr anderes übrig, als selbst Chef werden zu wollen. Am Tag der Klausur der SP-Granden, wo man einen Kandidaten bestimmen wollte, meldete er seinen Anspruch auf den Posten an. Womit er offenbar nicht gerechnet hatte, war die Tatsache, dass auch Landesrat Peter Kaiser in den Ring steigen würde. Das Parteipräsidium nahm "zur Kenntnis", dass es zwei Bewerber gibt, so richtig glücklich war aber niemand mit der Situation. Einen Tag nach dieser Sitzung kam Manzenreiter in Bad Kleinkirchheim beim Skilaufen schwer zu Sturz, brach sich die rechte Schulter und musste operiert werden.

Manzenreiter konnte nicht
Dass seine Wiederherstellung nach dem komplizierten Eingriff eine langwierige Angelegenheit werden würde, musste dem 63-Jährigen schon in den ersten Tagen klar geworden sein. Warum er zwei Wochen lang - bis knapp vor Ablauf der Bewerbungsfrist - gezögert hat, um diesen Schritt zu vollziehen, den viele seit dem Unfall erwartet hatten, bleibt unklar. Seiner Partei hat er damit jedenfalls keinen guten Dienst erwiesen.

Kaiser, Seiser und Sever
Denn nun könnte es wie 2005 passieren, dass eine ganze Reihe von Bewerbern am Parteitag den Chefsessel erklimmen will. Unmittelbar nach Manzenreiters Rückzug meldete Klubobmann Herwig Seiser seine Kandidatur an, wenig später auch WK-Vizepräsident Leopold Sever. Auguren wollten auch schon gehört haben, dass Köfer nun ebenfalls wieder mit einem Antreten liebäugelt. Fehlt nur noch, dass Seifried es sich im letzten Moment noch anders überlegt und ebenfalls kandidiert.

Einigkeit ist dahin
Nun ist Vielfalt - auch der Personen - grundsätzlich eine demokratische Tugend und daher nicht a priori als schlecht anzusehen. Für die beschworene Einigkeit der Sozialdemokratie in Kärnten ist die derzeitige Situation mit so vielen Anwärtern, die sich zudem zumeist selbst nur als Übergangs-Chefs sehen, ein denkbar schlechtes Omen. Die Partei wäre denn auch gut beraten, nicht auf die jüngste Forderung des St. Veiter Stadtchefs Gerhard Mock zu hören, der gleich eine Verschiebung des Parteitages gefordert hat. Denn noch länger zuzuwarten, würde das Chaos vermutlich nur noch vergrößern.

Sever maximal Außenseiter
Wer nun die besseren Chancen hat, gewählt zu werden, ist schwer abschätzbar. Sever dürfte nicht einmal Außenseiterchancen haben, zumal sein Abschneiden bei der Wirtschaftskammerwahl Anfang der Woche mit einem Minus von 0,2 Prozentpunkten zwar respektabel war, als Visitenkarte für eine erfolgreiche Wiederbelebung der SPÖ können seine 11,8 Prozent aber auch nicht gelten.

Kaiser im Aufwind
Peter Kaiser waren im Duell mit Manzenreiter die deutlich schlechteren Karten zugeschrieben worden, nun sind seine Chancen aber durchaus gestiegen. Zumindest ist der Konflikt innerhalb der Stadtpartei entschärft. Denn der Klagenfurter Kaiser sollte bei einem Sieg Manzenreiters als Landesrat abgelöst und durch die Klagenfurterin Mathiaschitz ersetzt werden. Der Schulterschluss der Vizebürgermeisterin mit Manzenreiter hatte in der Stadtpartei auch nicht ungeteilte Zustimmung gefunden. Das dürfte mit ein Grund dafür sein, dass Mathiaschitz am Donnerstagabend beim Bezirksparteitag mit lediglich 68,9 Prozent der Stimmen in ihrer Funktion bestätigt wurde. Zum Vergleich: Kaiser erhielt bei seiner Wahl in den Bezirksausschuss 94,4 Prozent.

Seiser scharf oppositionell
Herwig Seiser weiß seinen Bezirk Feldkirchen hinter sich, als Bezirkschef wurde er mit 100 Prozent bestätigt. Wie viel Zuspruch seine prononciert kantige Linie - er setzt voll auf Opposition - bei den Delegierten finden wird, bleibt abzuwarten. Im Zweifel haben die Kärntner Roten immer noch lieber auf Kooperation gesetzt als auf Konfrontation, schon deshalb, weil die Bürgermeister stets Wünsche an das Land - und damit an die FPK-ÖVP-Koalition - haben. Da geht es um Geld und um Projekte, und vielen ist in solchen Fragen das Hemd näher als der Rock.

Ein erfreulicher Aspekt für die Konfrontation am 27. März in der Klagenfurter Messearena ist nach Ansicht von Beobachtern allerdings, dass den "Hauptgegnern" Kaiser und Seiser eines gleichermaßen zugeschrieben wird: die Fähigkeit, eine Niederlage zu akzeptieren und dem Sieger nicht gleich wieder Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

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