Blecha:

Strafe für Frühpensionisten

Blecha: "Nein zu VP-Renten-Reform"

 Sieben Prozent Abschlag auf jedes Jahr Frühpension hatte ÖVP-Staatssekretär Sebastian Kurz am Freitag in ÖSTERREICH gefordert. Diesen Vorstoß lehnt die SPÖ ab. Pensionisten-Chef Karl Blecha hält die Idee gar für „Unfug“. Die Arbeitgeber-Seite müsse zuerst ihren Teil der Hausaufgaben erfüllen.

 

Blecha: „Zuerst ist die Wirtschaft gefordert“

ÖSTERREICH: Staatsekretär Kurz will für jedes Jahr Frühpension 7 Prozent Abschlag. Für Sie vorstellbar?
Karl Blecha: Davon halte ich überhaupt nichts. Ich halte es für einen aufgelegten Unfug, die Arbeitnehmer dafür zu bestrafen, dass sie in Frühpension geschickt werden.

ÖSTERREICH: Wie soll dann gespart werden?
Blecha: Wir brauchen eine Reform der Arbeitswelt. Die Wirtschaft ist gefordert, Jobs für ältere Arbeitnehmer zur Verfügung zu stellen. Vor allem Frauen bekommen als 50-Jährige schon keine neuen Jobs mehr. Die sollen dann noch dazu ein Leben lang Pensionskürzungen haben?

ÖSTERREICH: Was muss die Arbeitgeberseite Ihrer Ansicht nach noch tun?
Blecha: Wir brauchen eine bessere Gesundheitsvorsorge und Beratungen in den Betrieben – und zwar verpflichtend. Außerdem muss abgestellt werden, dass die Leute in Frühpension geschickt werden. Das ist ja auch in staatsnahen Betrieben Usus, dass man die Leute mit Golden Handshakes verabschiedet.

ÖSTERREICH: Was wollen Sie dagegen unternehmen, dass die Leute in Frühpension geschickt werden?
Blecha: Wir müssen diese Unternehmen dafür bestrafen können. In Skandinavien ist das selbstverständlich. Das zahlen die Unternehmen je nach Land die Arbeitslosenunterstützung oder die Pension. Da überlegt sich der Unternehmer eine Frühpensionierung zweimal. Das halte ich für ein ausgezeichnetes Modell.

ÖSTERREICH: Das heißt, höhere Abschläge sind für Sie nicht vorstellbar?
Blecha: Wenn das alles abbeschafft ist, und jemand trotzdem in Frühpension geht, dann muss er mit höheren Abschlägen rechnen. Aber ohne dass wir die Grundlagen geschaffen haben, sind die sieben Prozent Abschlag ein Blödsinn. Damit setze ich auch nicht das faktische Pensionsalter hinauf. Einen Abschlag von vier Prozent gibt es ja heute schon. Erst ist die Wirtschaftsseite gefordert.

ÖSTERREICH: Sehen Sie bei den Invaliditätspensionen Handlungsbedarf?
Blecha: Selbstverständlich. Aber auch hier muss ich schon weit vorher ansetzen. Die meisten Invaliditätspensionen haben psychische Ursachen. Also muss ich mich fragen: Was kann ich schon vorher fragen: Was kann ich schon vorher tun, um unsere Arbeitswelt so zu verändern, dass psychische Erkrankungen vermieden werden können.

Autor: Debora Knob
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