Brandstetter will Untreue entschärfen

Reformpläne

Brandstetter will Untreue entschärfen

Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) hat am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" seinen Plan bekräftigt, den Tatbestand der Untreue zu entschärfen. Der Paragraph 153 des Strafgesetzbuches stellt den Missbrauch über fremdes Vermögen unter Strafe.

Hier gebe es zu recht "Unbehagen der Wirtschaft", so der Minister. Denn derzeit werde nicht unterschieden zwischen Fällen, wo jemand sein Pouvoir überschreite, um sich selbst zu bereichern, und Fällen, in denen sich jemand bloß beim Risiko seiner Handlungen "krass verschätzt". "Wir haben derzeit die gleiche Strafdrohung für beide Fälle, das sollte man überdenken", so Brandstetter. Mehr Rechtssicherheit sei auch für den Wirtschaftsstandort wichtig.

Brandstetter konkretisierte auch seine Pläne zur Reform der Justizwache. Er will u.a. gezielt Beamte mit Migrationshintergrund und entsprechenden Sprachkenntnissen anwerben. Die Vorratsdatenspeicherung will Brandstetter auch nach ihrer Aufhebung durch den Europäischen Gerichtshof beibehalten.

Im Strafvollzug sei "in vielen Jahren sehr vieles schief gelaufen", sagte Brandstetter angesichts der aktuellen Berichte über Missstände in den Gefängnissen. Als Fehler nannte er u.a. zu viele Jugendliche in Untersuchungshaft und dass zu viele Häftlinge, die eigentlich in psychiatrischen Kliniken betreut werden müssten, in normalen Gefängnissen untergebracht seien. Beim sogenannten Maßnahmenvollzug habe man "zumeist aus Kostengründen Zustände herbeigeführt, die so nicht bleiben können".

Was die vier Justizwachebeamten aus Stein angeht, deren wegen der Vernachlässigung eines Häftlings verhängte Suspendierung vom Disziplinarsenat aufgehoben wurde, meinte Brandstetter: "Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Diese Entscheidungen sind noch nicht rechtskräftig."

Außerdem will Brandstetter gezielt Justizwache-Aspiranten mit Migrationshintergrund anwerben. Entsprechende Gespräche mit Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) habe er schon geführt. Als Positiv-Beispiel nannte Brandstetter Schweden. Dort habe er kürzlich ein Gefängnis mit 200 Insassen besucht, in dem die Justizwache 30 verschiedene Sprachen abdecke: "Da sind wir meilenweit entfernt."

Die Vorratsdatenspeicherung will der Justizminister auch nach ihrer Aufhebung durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) beibehalten. Er befürchtet "einen Verlust an Effektivität bei der Bekämpfung schwerer Kriminalität", sollte sie gänzlich gestrichen werden. Außerdem sei Österreich bei der Umsetzung der gekippten EU-Richtlinie ohnehin "moderat geblieben". Derzeit wird die österreichische Vorratsdatenspeicherung vom Verfassungsgerichtshof geprüft.
 

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