Caspar Einem verlässt die Politik

Ex-Innenminister

Caspar Einem verlässt die Politik

Caspar Einem nimmt den Hut. Der frühere Innenminister und Paradelinke der SPÖ kehrt der Politik den Rücken. Er legt Ende Oktober sein Abgeordnetenmandat nieder und scheidet auch aus seinen Parteifunktionen schrittweise aus.

Er sei von nichts und niemandem aus der Politik "vertrieben" worden, er wollte einfach nie Abgeordneter einer Regierungspartei sein und hat zum richtigen Zeitpunkt ein Angebot bekommen, so Einem. Das Angebot kam vom Bedarfsflugunternehmen "Jetalliance AG", einer früheren Magna-Tochter.

Innenminister
"Ich scheide mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Jahre in der Politik waren ungemein erfüllend und intensiv, beglückend und auch mit schwierigen Momenten versehen", sagt der noch außenpolitische Sprecher der SPÖ. Einem wurde 1994 unter Franz Vranitzky Beamtenstaatssekretär im Bundeskanzleramt, nicht einmal ein halbes Jahr später war er Innenminister.

Als eine Spende Einems für das linksextreme "Tatblatt" ruchbar wurde, stand er am Rande des Abschusses. Einem blieb zwar, aber innerhalb der Polizei war er nachhaltig beschädigt.

Briefbomben
Dazu kam, dass es der Innenminister nicht schaffte, dass unter ihm die Brief- und Rohrbombenattentate von Franz Fuchs geklärt wurden. Das geschah unter seinem Nachfolger Karl Schlögl. Zu diesem Zeitpunkt war Einem schon im Wissenschafts- und Verkehrsministerium.

Zeit der Wende
Nach dem Wechsel zu Schwarz-Blau und den unerfüllten Hoffnungen auf den Partei-Vorsitz zog Einem als Abgeordneter in den Nationalrat ein. Heute sagt er, dass er damals mithelfen wollte, dass die SPÖ wieder Kanzlerpartei werde. "Nun ist die Regierung unter Alfred Gusenbauer gefestigt im Amt ... damit habe ich die mir gestellte Aufgabe erfüllt", so der heute 59-Jährige.

Nächste Seite: Aufgabe erledigt

Somit sei für ihn der Zeitpunkt gekommen, "wo man sich entscheiden kann", so der frühere Minister. Er habe sich für eine neue Herausforderung entschieden.

Rote und schwarze Abschiedsgrüße
Von seinen Parteifreunden und der ÖVP wurde Einem mit freundlichen Worten verabschiedet. Bundeskanzler Gusenbauer dankte ihm "herzlich" für seinen "jahrelangen engagierten Einsatz für die Republik Österreich und die Sozialdemokratie". Nationalratspräsidentin Barbara Prammer sprach von einem "menschlichen, politischen und fachlichen Verlust für das Parlament". Bedauern über den Rückzug äußerte SPÖ-Klubchef Josef Cap.

Der Zweite Nationalratspräsident Michael Spindelegger bezeichnete Einem vor allem in seinen Funktionen als außenpolitischer Sprecher und Europasprecher als "äußerst kompetenten und konstruktiven Gesprächspartner", verwies aber auch auf Ansätze und Zugänge in anderen Bereichen, "die gänzlich anders waren als meine".

Freudig reagierte das BZÖ auf den Abschied Einems. "Eine gute Nachricht", meinte Generalsekretär Gerald Grosz.

Biographie
Einem, geboren am 6. Mai 1948 in Salzburg, stammt aus einem bürgerlichen Umfeld. Sein Vater war der berühmte Komponist Gottfried von Einem, seine Mutter Lianne von Bismarck. Nach der Matura absolvierte Einem beim Bundesheer ein Jahr freiwillig, später widmete er sich einem Jus-Studium mit Doktoratsabschluss.

Nach Studienende versuchte er sich als Bewährungshelfer, arbeitete zehn Jahre in der Arbeiterkammer, ehe er in die SPÖ-Kaderschmiede ÖMV wechselte und von dort in die Regierung kam.

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