Darabos Comeback - Aufsteiger der Woche

ÖSTERREICH-Interview

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Darabos Comeback - Aufsteiger der Woche

ÖSTERREICH: Laut aktueller Gallup-Umfrage liegt Ihr Image – trotz positiver Tendenz – weiter im Minusbereich. Ihre Erklärung dafür?

Norbert Darabos: Es ist für einen Verteidigungsminister nicht vorrangig, beliebt oder unbeliebt zu sein. Ich muss natürlich mit diesen Image-Werten leben und kann das mittlerweile auch. Vielleicht bin ich eben etwas zu normal für die Politik: Ich kaufe mir keine Luxus-Bauernhöfe in Kitzbühel und gehe nicht gerne in Nobelrestaurants.

ÖSTERREICH: Wie erklären Sie sich den starken Auftrieb in der aktuellen Image-Analyse?

Darabos: Mit der Akzeptanz des Tschad-Einsatzes steigt auch meine Akzeptanz. Es war auch gewöhnungsbedürftig, dass einer, der selbst nicht beim Heer war, diese Funktion inne hat. Bei Männern kommt eher ein Denken durch, man müsse einen gewissen Grad beim Bundesheer erreicht zu haben, um Verteidigungsminister zu werden. Ich sehe das anders, nämlich als eine politische Managementfunktion.

ÖSTERREICH: Wie oft pendeln Sie von Wien ins Burgenland?

Darabos: Ich bin in Wien aufgewachsen, da meine Eltern Pendler waren. Mein Vater war Maurer, meine Mutter Hilfsarbeiterin und es gab keine Arbeitsplatzmöglichkeit im Burgenland. Wenn es geht, fahre ich derzeit täglich ins Burgenland. Es sind rund 100 Kilometer je Strecke, das ist noch bewältigbar. Aber ich benutze auch noch die alte Wohnung in Wien – eine Substandardwohnung mit Klo am Gang. Es wird, glaube ich, nicht viele Minister geben, die diesen Lebensstil pflegen.

ÖSTERREICH: Wäre burgenländischer Landeshauptmann eine nächste Job-Option?

Darabos: Sie haben ja vorhin meine Imagewerte angesprochen, die nicht so gut sind, daher erübrigt sich diese Frage (lacht). Hans Niessl ist an Jahren jung und wird diese Tätigkeit noch über ­einen großen Zeitraum ausüben. Was mich schon stolz macht, ist, dass ich im Burgenland durchaus etwas mitzureden habe in der SPÖ. Aber die Landeshauptmannfrage stellt sich für mich nicht. Ich würde noch gerne eine Periode als Verteidigungsminister anhängen.

ÖSTERREICH: Lesen Sie eigentlich Karl May?

Darabos: Nein, derzeit nicht. Ich habe einige Schallplatten als Kind gehabt, etwa Der Schatz im Silbersee. Karl May zählt aber nicht zu meinen Lieblingsautoren.

ÖSTERREICH: FPÖ-Chef Strache hat Ihnen vorgeschlagen, wenn Sie Lust auf Abenteuer in fernen Ländern verspüren, dass Sie May lesen sollten.

Darabos: Ratschläge von FPÖ-Chefs sind meist nicht die besten. Es geht im Tschad nicht um Abenteuer, sondern um eine Hilfsmission für Flüchtlinge. Das macht Sinn und ist kalkulierbar, hängt auch mit der Reputation Österreichs zusammen, bei Friedensmissionen dabei zu sein.

ÖSTERREICH: Warum verlängern Sie bis März 2009?

Darabos: Ich möchte mit Argumenten überzeugen und werde daher auch das Gespräch mit der Außenministerin nächste Woche führen. Es handelt sich um eine Überbrückungsmission, basierend auf einem UNO-Mandat. Die Intention Österreichs war, von 1. Jänner bis 30. Juni 2008 zu genehmigen und zu sehen, wie es weitergeht. Nachdem die Mission später angelaufen ist, erst mit 15. März, würde ich es als falsch und fahrlässig betrachten, im Juni den Rückzug anzudenken.

ÖSTERREICH: Die zwei großen Themen waren bisher Eurofighter und Tschad-Mission. Was kommt als drittes?

Darabos: Die Bundesheerreform 2010. Also das Bundesheer umzubauen, damit es den Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte gerecht wird. Die Mobilisierungsstärke wird von 110.000 auf 55.000 Mann reduziert, neue Schwerpunkte folgen.

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