Darabos - Heer im Tschad am Limit

ÖSTERRECH-Interview

© Georg Hochmuth

Darabos - Heer im Tschad am Limit

Die Opposition läuft Sturm gegen die Mission österreichischer Soldaten bei der EU-Truppe in Zentral­afrika, die kommende Woche starten soll. Am Samstag sagte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, dass es sich um eine "Todesfalle" für die Soldaten handle. Bundespräsident Heinz Fischer als Oberbefehlshaber des Heeres hätte sein Veto einlegen müssen. Rückendeckung erhalten FPÖ und Grüne durch ein Papier des Generalstabs, laut dem die Lage im Tschad weder ­ruhig noch stabil sei.

ÖSTERREICH: In wenigen Tagen startet die Mission im Tschad. Können Sie da noch ruhig schlafen?
Norbert Darabos: Ich kann gut schlafen. Ich habe mir ­diese Mission sehr gut überlegt. Ich kann mit bestem Wissen und Gewissen sagen, dass wir alles für die Sicherheit unserer Truppe tun und dass die Bedrohung überschaubar ist. Aber natürlich gibt es immer ein Risiko. Sonst bräuchten wir keine Soldaten hinschicken.

Selbst ein internes Papier des Generalstabs warnt vor den Gefahren …
Die aktuellen Berichte des Heeresnachrichtenamtes sagen, die Lage ist derzeit ruhig. Es ist bisher auch kein ausländischer Soldat zu Schaden gekommen. Es sind ja auch nur zwei Sätze des Papiers an die Öffentlichkeit gespielt worden. Aber grundsätzlich ist zu hinterfragen, warum Verschlussakten überhaupt hinausgespielt werden. Es geht schließlich um das Bundesheer und nicht um einen Bienenzüchterverein.

Haben Sie Probleme mit der Loyalität Ihrer Offiziere – vielleicht weil Sie Zivildiener waren?
Ich empfinde sehr große Loyalität. Aber natürlich wird auch versucht, ­politische Spielchen zu machen, auf einer nachgelagerten Ebene von Freiheitlichen und dem BZÖ.

Was bedeutet für einen Soldat überhaupt ein „überschaubares Risiko“?
Überschaubar heißt, dass man nicht mit Gefahren rechnen muss, die nicht vorher schon durchgedacht sind. Man muss nicht davon ausgehen, dass hinter jeder Ecke ein Rebell lauert, der es auf die europäische Truppe abgesehen hat. Im Gegenteil. Die machen einen großen Bogen um gut ausgerüstete Soldaten. Peter Pilz und die Grünen zeichnen ein völlig verzerrtes Bild.

Gibt es für Sie ­eine Grenze, wo Sie Soldaten dem Risiko nicht mehr aussetzen würden?
Ich würde nicht verstärkt Soldaten nach Afghanistan schicken, auch nicht in den Irak oder direkt nach Darfur. Dort ist die Lage nicht zu durchblicken.

Das heißt, der Tschad ist die Obergrenze des Risikos, das Sie einem österreichischen Soldaten zumuten würden?
Ja, das sehe ich so.

Und wo sind die Grenzen für das Bundesheer? Sind noch mehr Auslandseinsätze verkraftbar?
Mit dem Tschad haben wir unsere Kapazität jetzt ausgereizt.

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