Darabos: Kopfwäsche, dann Attacke

Rapport bei Fischer

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Darabos: Kopfwäsche, dann Attacke

Seiten: 12

Die Stimmung: eisig. Kein Handshake zum Abschied, keine gemeinsame Stellungnahme. Heeres-Minister Norbert Darabos flüchtet kommentarlos, erst dann tritt Heinz Fischer durch die rote Tapetentür der Präsidentschafts-Kanzlei, spricht von einem "sehr ernsten und sachlichen Gespräch". Heißt: Er hat Darabos die Meinung gegeigt.

Rapport
Der Präsident hatte Darabos - 2004 sein Wahlkampfmanager - gestern um 12 Uhr zum Rapport zitiert. Fischer war ins Gesicht geschrieben, was er von der Abberufung von Generalstabschef Edmund Entacher hält: nämlich nichts. 40 Minuten dauerte das Treffen.

Was Fischer empörte: Er wurde von der Abberufung des SP-Generals am Abend davor "überrascht", also nicht vorinformiert. Ein Affront, immerhin ist er Oberbefehlshaber des Heeres. Seine Reaktion: Nach dem Gespräch mit Darabos lobte er Entacher demonstrativ. "Ein tüchtiger Offizier, der eine klare Meinung hat."

Abberufung
Fischer legte nach: "Es ist selbstverständlich, dass unterschiedliche Meinungen zulässig sein müssen." Er hoffe, dass der Bescheid, mit dem Darabos den General abberufen hat, "der Judikatur des Verfassungsgerichtshofs entspricht". Das klang nicht so, als ob er sehr davon überzeugt wäre.

Darabos versuchte, seine Position zu verteidigen: Es sei ihm nach dem Interview von Entacher gegen "seine Heeres-Modelle nichts mehr anderes übrig" geblieben, als Entacher abzuberufen, sagt er zu ÖSTERREICH.

Hintergrund
Der Hintergrund des Konflikts: Entacher hatte die Umstellung auf ein Berufsheer kritisiert - obwohl er selber an den Plänen mitgearbeitet hatte. Darabos wollte mit der Amtsenthebung seines wichtigsten Generals Stärke signalisieren. Nun droht er erst recht in einen Vielfrontenkrieg zu geraten.

Aber nicht nur der Oberbefehlshaber rüffelte Darabos. Auch Offiziere, Opposition und Koalitionspartner lederten gestern los. Im Ministerrat prangerten VP-Klubchef Karlheinz Kopf und VP-Außenminister Michael Spindelegger die "autoritäre Vorgangsweise" an. VP-Wehrsprecher Norbert Kapeller stellt eine parlamentarische Anfrage an Darabos: "Warum achten Sie nicht das demokratische Recht auf freie Meinungsäußerung?" Die SPÖ schießt sich hingegen auf VP-Innenministerin Maria Fekter ein. Diese habe Entacher mit dem Hitler-Attentäter Stauffenberg verglichen. SP-Klubchef Josef Cap: "Ein unfassbarer Fehlgriff". Nach dem Krieg ist vor dem Krieg...

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"Ich bin der Befehlshaber des Heeres"

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