09. Februar 2010 16:53
Als „Staatsbürger“ verlangt SP-Verteidigungsminister Norbert Darabos, dass
die Justiz unabhängig und ohne Bevormundung die Korruptionsvorwürfe gegen
Alfons Mensdorff-Pouilly prüfen solle – und nennt im ÖSTERREICH-Interview
eine mögliche Konsequenz: Den Ausstieg aus dem Eurofighter-Deal.
ÖSTERREICH: Gestern wurden Sie von der VP-Justizministerin gerüffelt,
weil Sie für weitere Ermittlungen gegen Mensdorff-Pouilly
sind. Ihre Reaktion darauf?
Norbert Darabos: Die ÖVP erweckt derzeit den Eindruck, dass sie
Mensdorff-Pouilly schützen will. Ich fühle mich da als Staatsbürger
betroffen.
ÖSTERREICH: Kann das Verfahren überhaupt nach dem Freikauf in London
weiter geführt werden?
Darabos: Das hoffe ich sehr. Denn am sogenannten Stammtisch hört man
nicht ganz zu Unrecht, dass durch so einen Freikauf der Eindruck entsteht,
dass der Diebstahl einer Wurstsemmel härter verfolgt wird als Korruption in
Millionenhöhe.
ÖSTERREICH: Sie wollen also, dass in Österreich weiter ermittelt wird?
Darabos: Ja. Die Justiz soll völlig unabhängig und ohne inhaltliche
Zurufe von außen ermitteln. Denn durch die Akten, die das britische SFO der
Staatsanwaltschaft nach Wien übermittelt hat, gibt es ja Verdachtsmomente,
die das rechtfertigen.
ÖSTERREICH: Kennen Sie den „Code of Business Conduct“ von Professor
Aicher?
Darabos: Natürlich.
ÖSTERREICH: Darin steht, dass der Eurofighter-Vertrag
nichtig ist, wenn der Bieter bei der Auftragsvergabe Schmiergeld zahlte ...
Darabos: Ich sehe das gelassen. Aber eine Nichtigkeit des Vertrags
könnte – mit sehr vielen Konjunktiven behaftet – auf mich zukommen.
ÖSTERREICH: Laut SFO-Akt wurden vor der Neuausschreibung 2001 „aggressive
Zahlungen an Offizielle“ geleistet. Danach war der US-Flieger F 16 plötzlich
Letzter.
Darabos: Klar ist, dass ich wegen des Eurofighter-Vertrags, der lange
vor meinem Amtsantritt von der schwarz-blauen Regierung abgeschlossen wurde,
sicher nicht ins Kriminal gehe. Jetzt ist die Justiz am Zug. Danach bewerten
wir alles andere. Interview: Josef Galley