Darabos will 60 Millionen fürs Heer

ÖSTERREICH-Interview

© Georg Hochmuth

Darabos will 60 Millionen fürs Heer

Als ehemaliger Zivildiener mit dem Auftrag, beim Eurofighter zu sparen, habe er keinen guten Start im Verteidigungsressort gehabt, räumt Minister Darabos ein. Jetzt will er aber an der Bundesheer-Reform gemessen werden, für die er von Finanzminister Wilhelm Molterer auch mehr Geld brauchen wird.

ÖSTERREICH: Sie sind einer der am meisten kritisierten Minister. Haben Sie es jemals bereut, Ihr Amt übernommen zu haben?
Norbert Darabos: Nein. Es war klar, dass eine Menge Kalamitäten auf mich zukommt. In dieser Intensität habe ich die Kritik aber nicht erwartet. Doch das bestärkt mich nur, den Reformprozess weiterzuführen. Man soll mich an den Erfolgen der Bundesheerreform messen, die von meinem Vorgänger nicht mit der Intensität geführt wurde, wie es möglich gewesen wäre.

ÖSTERREICH: Besonders scharfe Kritik kommt stets vom Koalitionspartner ÖVP.
Darabos: Ich sehe mich schon teilweise als Blitz­ableiter und spüre das auch in persönlichen Gesprächen mit der ÖVP. Ich wundere mich, dass die pointierteste Kritik aus den Reihen des Koalitionspartners kommt. Offenbar habe ich zu erfolgreich Wahlkämpfe gegen die ÖVP geführt.

ÖSTERREICH: Gibt es hier für Sie eine Schmerzgrenze?
Darabos: Ich habe mir vorgenommen, noch einmal das Gespräch mit den ÖVP-Spitzen zu suchen, weil gewisse Vorwürfe unter der Gürtel­linie angesiedelt sind.

ÖSTERREICH: Die meisten Vorwürfe stehen in Zusammenhang mit dem Eurofighter. Sie haben den Fliegerhorst in Zeltweg diese Woche zum ersten Mal besucht. Warum erst so spät, einen Monat nach der ersten Landung?Darabos: Es war ein politisches Signal, dass ich bei der Landung nicht dabei war, das gebe ich schon zu. Aber natürlich will ich mir jetzt ein Bild von der Situation an Ort und Stelle verschaffen.

ÖSTERREICH: Sind Sie dort auch auf die Kürzungen bei der Ausrüstung angesprochen worden?
Darabos: Die Piloten und die Techniker sind sehr motiviert und gehen sehr professionell an ihre Sache heran. Natürlich bin ich auf die Ausrüstung angesprochen worden. Aber nicht im Sinne von „Wir sind nicht einsatzfähig“. Eher haben die Piloten gemeint, es hätte noch das eine oder andere „Schmankerl“ für sie geben können.

ÖSTERREICH: Gibt es schon das neue Einsatzkonzept für 15 statt 18 Flugzeuge?
Darabos: Wir arbeiten daran. Ich gehe aber nicht davon aus, dass ein Mehr an Betriebsstunden nötig sein wird – im Gegenteil. Ich freue mich, dass auch die Verantwortlichen in Zeltweg darüber nachdenken, wie wir Kosten reduzieren können. Die sagen, wir können das genauso gut wie die Deutschen und machen es billiger.

ÖSTERREICH: Ist die Entscheidung schon gefallen, in Zeltweg zu bleiben und für den Flugbetrieb nicht mehr nach Bayern auszuweichen?
Darabos: Wäre der Flieger vor Abschluss meiner Verhandlungen mit Eurofighter nach Österreich gekommen, wäre ich in der schwächeren Position gewesen. Jetzt geht es nur noch um die militärische Einschätzung. Und da sagen die Piloten, dass sie in Österreich mehr profitieren und dass es auch wirtschaftlicher ist, hier zu fliegen. Letztlich ist es eine Entscheidung der Militärs.

ÖSTERREICH: Das jüngste Konflikt-Thema ist der Umbau ihres Ministeriums. Macht es für nicht SPÖler überhaupt Sinn, sich als Generalstabschef zu bewerben?
Darabos: Natürlich. Ich habe überhaupt keine negativen Berührungspunkte gegen irgendwelche führenden Offiziere und entscheide nach Loyalität gegenüber dem Bundesheer. Ich plane jedenfalls keinen Kahlschlag in der Führungsebene.

ÖSTERREICH: Die jetzt bekannt gewordene Struktur mit der Aufwertung des General­stabschefs ist aber fix?
Darabos: Nein. Ich habe ein Rohkonzept vorgegeben und bin bereit, darüber zu verhandeln. Ich warte jetzt auf konkrete Vorschläge. Bis Jahresende soll die neue Struktur dann stehen.

ÖSTERREICH: Die Bundesheerreform hängt ja auch am Geld. Reform-Vorsitzender Helmut Zilk hat wiederholt gemeint, ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts müsste für das Bundesheer zur Verfügung stehen. Ist das auch Ihr Wunsch?
Darabos: Dieses Ziel geistert seit Jahrzehnten durch das Bundesheer. Ich konnte in den Budgetverhandlungen 100 Millionen mehr herausholen, als Finanzminister Wilhelm Molterer mir angeboten hat. 2009 und 2010 werde ich aber noch mehr brauchen.

ÖSTERREICH: Konkret?
Darabos: 50 bis 60 Millionen Euro pro Jahr werden das schon sein müssen.

ÖSTERREICH: Und was wollen Sie vorrangig beschaffen?
Darabos: Wir haben 12.000 neue Kampfanzüge und ein neues Truppenfunk-System bestellt. Wir planen aber auch eine Erneuerung der Hubschrauber und wollen zusätzliche Allschutzfahrzeuge ankaufen.

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