18. März 2010 18:55
Die „GlatzkopfAffäre“ wird zur Schlammschlacht zwischen Heinz-Christian
Strache und dem ORF: Der FPÖ-Chef legt in ÖSTERREICH neue „Beweise“ dafür
vor, dass der ORF ihm zwei Skinheads zugeführt und sie angestiftet habe, vor
laufender Kamera „Sieg Heil“ zu rufen. Nachdem auf dem vom ORF gestern offen
gelegten Video keine „Sieg Heil“-Rufe der beiden vom ORF gefilmten Neonazis
zu sehen und zu hören sind, spricht Strache von „Verschwörung“ im ORF und
davon, dass das Band manipuliert worden sei.
Am vergangenen Freitagabend hatte Strache seine Wahlveranstaltung in Wiener
Neustadt. Mit dabei: Ein ORF-Team von Am Schauplatz. ORF-Reporter Ed
Moschitz filmte seit Jänner zwei 19-jährige Wiener Neonazis, die für die
Übertragung ihrer Persönlichkeitsrechte vom ORF jeweils 100 Euro erhalten
hatten. Im Vorgespräch befanden Moschitz und die Skinheads, dass es eine
gute Idee sei, zur Strache-Rede zu fahren. Was man nach Besuchen des
Arbeitsamtes und eines Army-Shops auch tat. Was auf dem Video zu sehen ist,
das der ORF offenlegte, ist Gegenstand von Ermittlungen.
Autogramme
Strache schreibt nach seiner Rede Autogramme für
junge Fans – Reporter Moschitz fragt mehrfach, ob es Strache störe, dass ihm
Rechtsradikale applaudieren. Strache antwortet gereizt.
Fotos und Autogramme
Der FP-Chef kommt schließlich zu den beiden
Skins, die mit Moschitz zur Veranstaltung gekommen waren. Die beiden wollen
sich mit dem FP-Chef fotografieren lassen. Auf die Frage: „Wo ist eure
Kamera?“, deutet einer der Neonazis auf das ORF-Team: „Das ist unsere
Kamera.“ Da ruft Moschitz dazwischen: „Jetzt könnt’s alles zum Herrn Strache
sagen, was ihr sagen wollt’s“. „Do ned vor der Kamera“, kontert ein Neonazi.
Als sich Strache entfernt, fragt Moschitz die beiden um ihre Meinung zu dem
Politiker: „Und? Was sagt’s jetzt zu ihm?“
Heinrich statt Heil
Dann liest ein Skin von der Autogrammkarte:
„Wos steht’n do? ‚HE‘ (!) Strache. Aah! ‚Heinrich Strache‘. ‚HE‘ –
Abkürzung.“ Hat Strache das im Getümmel als Sieg Heil verstanden? Er kehrt
um und ruft nach der Polizei: „Der ORF hat mir einen Agent Provocateur
geschickt.“ Auch Straches Assistentin Karin Schmutz will alles so gesehen
haben wie ihr Chef: „Wir haben alles dokumentiert.“
Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt wegen
Wiederbetätigung. Und der ORF- weist alles „mit Nachdruck“ zurück, wie
ORF-Sprecher Pius Strobl erneut betonte. Insbesondere den neuesten
Strache-Vorwurf, man habe das Video manipuliert. Auch für Am Schauplatz-Chef
Christian Schüller hat sein Kollege Ed Moschitz alles richtig gemacht.
„Strache hätte sich ja von den Neonazis auch öffentlich distanzieren können.“