21. November 2008 20:20
Der neue Koalitionspakt listet auf, wie das Kabinett Faymann-Pröll regieren
will: Es gibt viele Absichtserklärungen – und wenig Details. ÖSTERREICH
bringt einen Auszug aus dem Koalitionsübereinkommen.
Das
gesamte Regierungsprogramm hier zum Nachlesen
- Milliardenspritze für Schulen
„Bis 2018 werden im
Rahmen des Schulinvestitionsprogrammes 1,664 Mrd. € investiert.
Zusätzlich werden 380 Mio. € für behindertengerechte Infrastruktur
bereitgestellt. Um die Bildungsreform in Österreich fortzusetzen,
werden von 2009 bis 2013 811 Mio. € zusätzlich investiert.“
- Hochschulen. „Als langfristiges Ziel gilt es, den Budgetwert von 2
Prozent des BIP an öffentlichen und privaten Ausgaben für den tertiären
Bildungssektor anzustreben.“
Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- „Geplante Verbesserungen bei der Elternteilzeit (gemeinsam mit den
Sozialpartnern), Pflegefreistellung, Wiedereinstieg für Eltern etc.
Erweiterung des Angebotes der Kinderbetreuungseinrichtungen
(Ganztagsbetreuung, weniger Schließtage, Verlängerung der täglichen
Betreuungszeiten.
- Gratis-Kindergartenjahr. „Das letzte Kindergartenjahr wird in
Kooperation mit den Ländern vormittags für die fünfjährigen Kinder
verpflichtend und für die Eltern beitragsfrei. Für die Umsetzung sind
Bundesmittel von jährlich 70 Mio. € vorgesehen. Ziel ist die
Heranführung der Kinder an die Schulreife.“
- Papamonat. „Ziel ist es, gemeinsam mit den Sozialpartnern Modelle zu
entwickeln, um die Väter in die Betreuung ihrer Kinder einzubeziehen.
Die dafür notwendigen arbeits- und sozialrechtlichen sowie finanziellen
Absicherungen gilt es auszuarbeiten.“
- Einkommensabhängiges Kindergeld: „Weiterentwicklung des Kindergeldes
durch Schaffung einkommensabhängiger Faktoren.“
Steuerreform mit 2009
„Deutliche Entlastung des Mittelstandes.
Gesamtvolumen: 2,7 Mrd. €, davon fließen 2,2 Mrd. € in die Senkung der Lohn-
und Einkommenssteuer und 500 Mio. € in die Entlastung der Familien (Frei-
und Absetzbeträge sowie Direktzahlungen). Anhebung der Steuerfreigrenze,
Senkung der beiden unteren Steuertarife, Anhebung der Grenze für
Höchststeuersatz.“
Konjunkturpaket 1
2009 bis 2012 jährlich 1 Milliarde € für den
Mittelstand. „700 Mio. € für zusätzliche Bahninvestitionen, vor allem
Sanierung – hilft den mittelständischen Unternehmen in der Bauwirtschaft;
Mittelstandsfonds; mehr Geld aus dem KMU-Förderprogramm der Europäischen
Investitionsbank und aus dem Europäischen Investitionsfonds; höhere
Haftungen des Bundes für KMUs; höhere Bausparförderung.“
Konjunkturpaket 2
- 1,9 Mrd. € für Investitionen in den Jahren 2009–2010.
„Investitionsanreize für Unternehmen in Form einer vorzeitigen
Abschreibung im Ausmaß von 570 Mill. € ;Projekte der
Bundesimmobiliengesellschaft um 850 Mrd. € werden vorgezogen; mehr
Mittel (50 Mio. €) für Forschung und Entwicklung; zusätzliche 100
Millionen € für thermische Sanierungen; Förderung regionaler
Beschäftigungsprogramme (75 Mio. €).“
- Intensivierung der Arbeitsmarktpolitik durch Aktivierung des
Arbeitskräftepotenzials und des Arbeitsmarktes, z. B. durch
„Aufstockung der AMS-Fachkräfteausbildung, neue Programme, neue
Strategien zur Integration in den Arbeitsmarkt, Erhöhung der
Beschäftigungschancen für ältere Arbeitnehmer, Sicherung der
Jugendbeschäftigung (Jugendbeschäftigungspaket 2008).“
- Arbeitnehmerfreizügigkeit: „Einigung über die Ausschöpfung der
Übergangsfristen für die neuen EU-Mitgliedsstaaten. Bundesregierung
tritt für europäische Maßnahmen gegen Lohn- und Sozialdumping ein.“
- Änderungen im Pensionssystem nur in politischem Konsens. „Die
Gestaltung des Pensionssystems bleibt Aufgabe der Politik – keine
automatisierten Anpassungen. Verankerung eines ,Diskriminierungsverbotes
aufgrund des Alters' in der Bundesverfassung.“
Bekenntnis zur Europäischen Union
-
„Grundsätzlich setzt sich die Bundesregierung zum Ziel, die EU noch
demokratischer, transparenter, sozialer, bürgernäher, handlungsfähiger
zu gestalten. Österreich wird grundsätzlich für europaweite
Volksabstimmungen eintreten.“
- Volksabstimmungen. „Hinsichtlich nationaler Volksabstimmungen
verpflichten sich beide Koalitionsparteien, einen auf die Durchführung
einer Volksabstimmung gerichteten parlamentarischen Antrag bzw. ein
solches Verlangen von Mitgliedern des Nationalrates oder Bundesrates
(...) nicht gegen den Willen der jeweils anderen Koalitionspartei zu
stellen oder zu unterstützen. Für den Fall, dass eine Partei die andere
bei Gesetzesbeschlüssen, Beschlussfassungen über Volksabstimmungen,
Anträgen auf Volksbegehren oder sonstigen parlamentarischen Beschlüssen
überstimmt, verpflichten sich die Koalitionspartner, gemeinsam einen
Neuwahlantrag zu beschließen.“
Die Entwicklung zu einer „Zwei-Klassen-Medizin“ ist zu verhindern
-
„Das Gesundheitssystem ist solidarisch zu finanzieren.
Gesundheitsförderung und Prävention werden ausgebaut, nationale
Gesundheitsziele vereinbart. Die Bundesregierung bekennt sich zur im
System der Selbstverwaltung geführten Sozialversicherung. Bei der
Weiterentwicklung des Gesundheitssystems ist auf die Interessen bzw. den
Bedarf der PatientInnen einzugehen. Schaffung einer
sektorenübergreifenden Zuständigkeit der Patientenanwaltschaften.
Frauengesundheit als strategischer Schwerpunkt in der Weiterentwicklung
des Gesundheitssystems. Für sämtliche Leistungsanbieter ist ein
Qualitätsmanagement vorzusehen – sowie Systeme der Qualitätskontrolle.“
Neuregelung des Humanitären Aufenthalts und genaue Regelungen zu
Zuwanderung und Integration. „Zuwanderung muss sich an den Interessen
Österreichs orientieren und verlangt ein klares Bekenntnis zur
österreichischen Verfassungs- und Rechtsordnung.“
- Neue Zuwanderungsregeln: „Entwicklung von Kriterien für eine
„Rot-Weiß-Rot-Card“ mit den Sozialpartnern (Kenntnisse der deutschen
Sprache/Unbescholtenheit/Festlegung der notwendigen
Qualifikationen/Selbsterhaltungsfähigkeit/Voraussetzungen für
befristeten- /unbefristeten Aufenthalt sowie die Bedürfnisse des
Arbeitsmarktes).“