12. November 2009 13:46
Die Familie Zogaj beschäftigt die Öffentlichkeit seit September 2007, als
das Mädchen für zwei Wochen untertauchte, um der Abschiebung zu entgehen.
Begonnen hat der Fall allerdings schon mehr als sechs Jahre früher. Die
Chronologie der Ereignisse:
Mai 2001: Arigonas Vater reist illegal mit Hilfe von Schleppern nach
Österreich ein und stellt einen Asylantrag.
Mai 2002: Sein Asylantrag wird abgelehnt.
September 2002: Frau Zogaj und die fünf Kinder reisen illegal ein und
stellen Asylerstreckungsanträge.
November 2002: Das Asylverfahren wird für die ganze Familie in
zweiter Instanz negativ entschieden. Herr Zogaj stellt einen zweiten
Asylantrag.
Februar 2003: Der Asylantrag des Vaters wird abgelehnt, er erhält den
Ausweisungsbescheid. Frau Zogaj stellt für sich und die Kinder einen zweiten
Asylantrag.
Dezember 2003: Der Verfassungsgerichtshof lehnt eine Asylbeschwerde
ab.
Mai 2004: Die Sicherheitsdirektion Oberösterreich bestätigt die
Ausweisung. Eine Beschwerde der Familie beim Verwaltungsgerichtshof hat aber
aufschiebende Wirkung.
März 2005: Der Verwaltungsgerichtshof lehnt die Beschwerde ab.
April 2005: Die Bezirkshauptmannschaft (BH) Vöcklabruck fordert die
Familie zur Ausreise bis zum 10. Mai 2005 auf.
Mai 2005: Die Familie stellt bei der BH einen Antrag auf
Erstniederlassungsbewilligung aus humanitären Gründen.
September 2005: Das Innenministerium lehnt den humanitären
Aufenthaltstitel ab.
Mai 2007: Das Innenministerium weist auch die Berufung der Familie
hinsichtlich einer Niederlassungsbewilligung ab.
Juni 2007: Gemeinde und Schulkollegen von Arigona starten eine
Unterschriftenaktion. Der Gemeinderat Frankenburg beschließt einstimmig,
sich für den Verbleib der Familie einzusetzen.
Juli 2007: Die Zogajs legen beim Verfassungsgerichtshof Beschwerde
gegen die Ablehnung der Erstniederlassungsbewilligung ein.
26. September 2007: Die Familie Zogaj wird von der Polizei abgeholt,
um abgeschoben zu werden. Die 15-jährige Arigona verschwindet spurlos.
27. September 2007: Arigonas Mutter darf in Österreich bleiben, um
nach ihrer Tochter zu suchen. Der Vater und die anderen vier Kinder der
Familie werden in den Kosovo geflogen.
30. September 2007: Ein Brief von Arigona taucht auf. Darin schreibt
sie, dass sie sich nicht lebend der Polizei stellen werde, wenn ihre Familie
nicht nach Österreich zurückkommen darf.
1. Oktober 2007: Vizekanzler Wilhelm Molterer (V) vereinbart mit
Innenminister Günther Platter (V), das Urteil des Verfassungsgerichtshofes
abzuwarten. Arigona und ihre Mutter dürfen vorerst bleiben.
10. Oktober 2007: Arigonas Aufenthalt bei Pfarrer Josef Friedl wird
bekannt.
16. Oktober 2007: Arigona geht wieder in die Schule.
30. Oktober 2007: Der VfGH legt unter Hinweis auf die Rechtsprechung
des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte einen Kriterienkatalog zum
Bleiberecht vor.
14. Dezember 2007: Der VfGH weist die Beschwerde der Familie Zogaj
gegen die Verweigerung der Erstniederlassungsbewilligung ab - stellt aber
klar, dass dies nicht bedeute, dass Arigona und ihre Mutter abgeschoben
werden müssen. Der Innenminister erklärt aber postwendend, dass er kein
humanitäres Aufenthaltsrecht gewährt. Arigona und ihre Mutter dürften jedoch
bis Schulschluss im Sommer 2008 in Österreich bleiben.
Mai 2008: Mutter Nurie Zogaj unternimmt einen Selbstmordversuch,
nachdem sie erfährt, dass sich der Vater der Kinder im Kosovo abgesetzt hat
und nicht auffindbar ist.
Juni 2008: Arigona und Nurie Zogaj werden schriftlich dazu
aufgefordert, zu Ferienbeginn Anfang Juli das Land zu verlassen. Maria
Fekter (V) ist mittlerweile neue Innenministerin.
27. Juni 2008: Der VfGH fordert beim humanitären Bleiberecht ein
Antragsrecht für Betroffene und setzt eine Reparaturfrist von neun Monaten.
Juli 2008: Ein psychiatrisches Gutachten attestiert Mutter und
Tochter, Behandlung zu benötigen, sie dürfen daher vorerst im Land bleiben.
Oktober 2008: Der Antrag auf Schülervisa für die jüngeren Geschwister
Albin und Albona Zogaj wird abgelehnt.
10. Dezember 2008: Fekter legt ihren Entwurf für eine Neuregelung des
humanitären Bleiberechts vor.
23. Dezember 2008: Einen Tag vor Weihnachten wird bekannt, dass die
vier Geschwister Zogaj versucht haben, aus dem Kosovo nach Österreich
illegal einzureisen, aber in Ungarn aufgegriffen wurden. Dort haben sie Asyl
beantragt. Nurie und Arigona stellen in Österreich neue Asylanträge.
Begründung: Die weiland abgelehnten Anträge seien alle über den Vater
gelaufen.
12. Jänner 2009: Drei der vier Geschwister sind illegal nach in
Österreich eingereist, der vierte Bruder kommt am Tag danach an.
13. Jänner 2009: Innenministerin Fekter sieht Ungarn zuständig
und ist unter Verweis auf das Dublin-Abkommen der Ansicht, dass sämtliche
Anträge der Familie dort abgewickelt werden sollten.
14. Jänner 2009: Fekter verschärft entnervt ihre Wortwahl: "Ich
habe nach den Gesetzen vorzugehen, egal ob mich Rehlein-Augen aus dem
Fernseher anstarren oder nicht."
22. Jänner 2009: Die Landeshauptleutekonferenz lehnt Fekters
Plan, dass in Altfällen die Landeshauptleute darüber entscheiden sollen, ob
humanitäres Bleiberecht erteilt wird, ab.
2. Februar 2009: Die beiden ältesten Brüder Zogaj kündigen an, in den
Kosovo zurückzukehren.
12. März 2009: Der Nationalrat beschließt mit den Stimmen der
Koalitionsparteien das neue humanitäre Bleiberecht, sogenannte Altfälle
können nun einen entsprechenden Antrag stellen.
4. April 2009: Die ungarischen Behörden sehen sich für die Zogajs
nicht zuständig: Die Verfahren sollten zur Gänze in Österreich abgewickelt
werden, teilt man mit.
2. Juni 2009: Die FPÖ hält ihre Abschlusskundgebung für den
EU-Wahlkampf in Frankenburg, dem langjährigen Wohnort der Familie Zogaj, ab
und erntet dafür Kritik.
18. September 2009: Die zwei Brüder Arigonas, Alfred und Alban,
kehren freiwillig in den Kosovo zurück, nachdem sie zuvor über Ungarn nach
Österreich eingereist und in Schubhaft gekommen waren.
21. Oktober 2009: Die Koalitionsparteien SPÖ und ÖVP beschließen im
Nationalrat die Verschärfung des Fremdenrechtspakets. Dieses enthält unter
anderem eine Ausweitung der Schubhaft-Möglichkeiten.
12. November 2009: Das Innenministerium verhängt aufgrund eines
negativen Asylbescheids die Abschiebung von Arigona, ihrer Mutter und ihrer
beiden jüngeren Geschwister.