Die Polit-Zukunft der Irmgard Griss

Nach Hofburg-Niederlage

Die Polit-Zukunft der Irmgard Griss

Es war hauchdünn. Vor genau einer Woche, als der ORF um 17 Uhr seine erste Hochrechnung präsentiert hatte, war Irmgard Griss noch in der Stichwahl zur Präsidentschaft. Kurze Zeit später war sie knapp gescheitert und musste Alexander Van der Bellen den Vortritt lassen.

Doch die ehemalige Höchstrichterin, die mit ihrem Hypo-Untersuchungsbericht Furore gemacht hatte, hat Blut geleckt.

19%
Es gilt als sicher, dass sie ihre politische Karriere fortsetzt. Die 19 Prozent der Hofburgwahl sind ein Kapital, das sie nicht verkommen lassen will. Im ÖSTERREICH-Interview sagt sie deutlich: "Viele Menschen wollen, dass ich weitermache."

Am Sonntag startet eine zweitägige Klausur in der Steiermark, die über die Zukunft von Irmgard Griss (vor)entscheiden soll. Bei den etablierten Parteien, vor allem bei der ÖVP, regiert die Angst vor einer Griss-Partei. Deshalb versuchen schwarze Granden, sie als Rechnungshofpräsidentin zu installieren.

Irmgard Griss lässt sich Zeit und arbeitet schon bald an einem Buch - eine Art Memoiren mit politischer Botschaft.
 

Griss: 'Viele wollen, dass ich weitermache'

ÖSTERREICH: Bilanz nach einer Woche: Sind Sie enttäuscht, dass es so knapp nicht gereicht hat?
Irmgard Griss: Also das war so ein toller Erfolg. Natürlich war es sehr knapp, aber es überwiegt eindeutig die Freude darüber, was wir erreicht haben.
ÖSTERREICH: Bleiben Sie in der Politik?
Griss: Ich bin noch am Überlegen, die vergangenen Monate waren schon sehr faszinierend. Mich sprechen auch immer wieder Menschen an, die wollen, dass ich weitermache und dass wir unseren Weg fortsetzen. Es ist buchstäblich zu spüren, wie stark der Bedarf an einem Neubeginn im Land ist.
ÖSTERREICH: Also eher ja? In welcher Form?
Griss: Ich tendiere schon eher dazu, weiter etwas bewirken zu wollen, aber es ist noch nicht entschieden, ob das in Form einer Partei oder einer Bewegung geschieht. Ich bin mir aber auch der Probleme bewusst. Jetzt ist die Begeisterung noch groß, aber es gibt auch Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit, wie rasch so eine Euphorie wieder abklingen kann.
ÖSTERREICH: Sie gehen jetzt mit Ihrem Team in Klausur. Wird es am Ende bereits eine Entscheidung geben?
Griss: Ich glaube, dass der Entscheidungsprozess längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Es hängt auch von meinem Team ab, von den vielen jungen Leuten, die entscheiden müssen, ob sie sich weiter mit mir in dieses zivilgesellschaftliche Projekt einbringen wollen.
ÖSTERREICH: Welche drei Punkte sind Ihnen inhaltlich am wichtigsten?
Griss: ganz an erster Stelle die Bildung, dann natürlich die Integration - ein Riesenproblem. Und die wirtschaftliche Entwicklung, bei der Österreich so stark zurückgefallen ist. Da ist viel zu tun, vor allem bei der Abgabenlast und den vielen fesselnden und hemmenden Vorschriften.
ÖSTERREICH: Ist es denkbar, dass Sie Ihr Engagement künftig als Rechnungshofpräsidentin einbringen?
Griss: Das ist ein ganz wichtiges Amt, und der aktuelle Rechnungshofpräsident hat sein Amt ganz hervorragend ausgefüllt.
ÖSTERREICH: Aber es gibt Gespräche.
Griss: Es gibt viele Gespräche.
ÖSTERREICH: Es gab Verwirrung um eine Wahlempfehlung. Wen wählen Sie?
Griss: Ich sage nicht, wen ich wähle, auch wenn manche das gerne hören würden. Aber es gibt verschiedene Werte, für die ich eintrete.
ÖSTERREICH: Wie das Bekenntnis zu Europa
Griss: Ja, denn ich glaube, es gibt Probleme, die wir als Nationalstaaten nicht lösen können. In der Wirtschaft, aber auch in der Flüchtlingsfrage. Wenn wir hier eine Mauer um Österreich bauen, werden wir es auch wirtschaftlich schwerer haben.
ÖSTERREICH: Das schließt einen Kandidaten aus.
Griss: Das ist Ihre Interpretation.
ÖSTERREICH: Eine zulässige?
Griss: Ich kann Ihnen nichts verbieten.

(scw)

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