Die Zwillinge sind schon im Kosovo!

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Die Zwillinge sind schon im Kosovo!

Alles Hoffen hatte am Schluss doch nicht mehr geholfen: Um Punkt 13.30 Uhr startete am Donnerstag vom Flughafen Wien-Schwechat der Flieger Richtung Priština. Mit an Bord Daniella und Dorentinya Komani (beide acht Jahre alt), an ihrer Seite ihr Vater Augustin. Ganze sechs Jahre hatte die Familie gehofft, dass die Behörden ihren Asylantrag akzeptieren werden, sie dauerhaft in Österreich wird leben können. Doch statt einer Aufenthalts­genehmigung erfolgte gestern die endgültige Abschiebung.

Haus gestürmt
Rückblick: Am Mittwochmorgen um 6.50 Uhr hatten 15 WEGA-Beamte in Zivil und mit Sturmgewehren bewaffnet das "Freunde schützen“-Haus in Wien Meidling, in dem Familie Komani lebte, gestürmt.

Nervenzusammenbruch
Die Behörde riss die beiden Mädchen und ihre Mutter Vera auseinander. Die psychisch schwer kranke Frau erlitt einen Nervenzusammenbruch, sie ist derzeit nicht ansprechbar und weiß noch gar nicht, dass ihre Töchter jetzt weg sind. Der Familie wurden noch weitere Steine in den Weg gelegt: Trotz Vollmacht wurde Flüchtlingshelferin Karin Klaric nicht als Rechtsvertreterin anerkannt. Am Mittwoch wurde sie bis 16 Uhr hingehalten. Erst nach der Einvernahme durfte Klaric ihre Klienten im Schubhaftgefängnis Roßauer Lände sehen. Zu spät, denn ohne schriftlichen Nachweis, dass die Mutter tatsächlich im Spital liegt, wollten die Behörden die Abschiebung nicht aufschieben. Das Spital wollte Klaric den Befund nur auf Anordnung eines Gerichts und persönlich aushändigen.

Vater weinte
Das ging sich nicht mehr aus: Gestern um 10.30 Uhr erhielt die Helferin den Anruf von Augustin Komani: "Es tut mir leid, ich habe es nicht geschafft. Ich bin seit einer halben Stunde am Flughafen.“ Er bat Klaric, so lange mit ihm zu telefonieren, bis man ihm das Handy abnehmen würde, damit er vor den Kindern nicht zusammenbräche. Trotzdem flossen bei Vater Augustin Tränen, als er den Kindern erzählte, sie würden ja nur in den Urlaub fliegen. Um 13.30 Uhr startete die Chartermaschine. Um 15.05 Uhr landeten Daniella, Dorentinya und Augustin Komani in Priština, Kosovo. Dass zwei kleine Mädchen erst ins Gefängnis gesteckt und dann von ihrer Mutter getrennt werden, ist für ÖVP-Innenministerin Maria Fekter "rechtsstaatlich und korrekt“. Die Behörden hätten sich ohnehin bemüht, "familiengerecht“ vorzugehen.

Heftige Kritik
Äußerst scharfe Kritik an der Abschiebung, den österreichischen Gesetzen und Politikern hat UN-Sonderbeauftragter Manfred Nowak geübt. Das Fremdenrecht sei "menschenunwürdig und teils menschenrechtswidrig", sagte Nowak beim "Runden Tisch" des ORF Donnerstagabend anlässlich der umstrittenen Abschiebung. Er appellierte an die Politik, innezuhalten und "nachzudenken" und nicht ständig die Gesetze zu verschärfen, um "xenophoben" Politikern "nach dem Mund zu reden".
 

Autor: (nak, mud)
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