Dorothea Schittenhelm neue Frauenchefin

ÖVP-Personalrochade

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Dorothea Schittenhelm neue Frauenchefin

Die ÖVP-Frauen küren am Samstag Dorothea Schittenhelm zu ihrer neuen Chefin. Die 56-Jährige löst die frühere Frauenministerin Maria Rauch-Kallat nach zwölf Jahren ab. Die ausgebildete Zahnarztassistentin tritt resolut auf und gibt sich bodenständig. Vorgenommen hat sie sich viel: Eines ihrer Hauptanliegen ist, die Stellung der Frauen in der ÖVP wie in der Gesellschaft zu stärken.

Schittenhelm will "Turbo" sein
Schittenhelm betont selbst immer wieder, dass Frauen mehr Selbstbewusstsein zeigen müssten, sie tut es jedenfalls. Sie will als "Turbo" vorangehen und die Frauen in der ÖVP stärken. "Die Partei muss uns spüren", sagt Schittenhelm. Gehört werden alleine ist ihr nicht genug, sie möchte auch Taten sehen.

Um einen höheren Frauenanteil in ihrer Partei zu erzielen, sollen Wahllisten künftig nach dem Reißverschlusssystem erstellt werden. Beim Bundestag der ÖVP-Frauen werde es einen entsprechenden Leitantrag geben.

Kritik am Gleichbehandlungsgesetz
Heftige Kritik übte Schittenhelm am neuen Gleichbehandlungsgesetz. Dass das Gesetz, das zur Offenlegung der Gehälter innerhalb von Unternehmen verpflichtet, Strafen für Arbeitnehmer vorseiht, die über diesen Offenlegungsbericht sprechen, "kommen überhaupt nicht in Frage", sagte Schittenhelm. "Es kann nicht sein", dass Arbeitnehmer bestraft werden, wenn sie darüber öffentlich reden, es aber auf der anderen Seite für Unternehmen, die die Durchschnittsgehälter nicht offen legen, keine Sanktionen gebe. Hier will Schittenhelm noch nachverhandeln.

Einführung von Frauenquoten vorstellbar
Handlungsbedarf sieht Schittenhelm auch beim Frauenanteil in Aufsichtsräten und auf Chefebene. Sie kann sich auch die Einführung von Quoten vorstellen, auch wenn für sie dieser Begriff negativ besetzt ist. Schittenhelm lehnt allerdings generelle Strafen und Quoten für Unternehmen ab.

Die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen bezeichnete Schittenhelm als "erschreckend". Sie sieht hier nicht zuletzt auch die Sozialpartner gefordert.

Kritik am "Schauspiel" von NGOs

Die designierte ÖVP-Frauenchefin hat die Rolle von Hilfsorganisationen und Medien bei Abschiebungsfällen in letzter Zeit scharf kritisiert, etwa bei der Abschiebung der Komani-Zwillinge. Sozialorganisationen würden die Gesetzeslage unterlaufen, und durch Demonstrationen und Medienberichte werde "Illegalität zur Legalität verholfen". Kinder, Zwillinge und Babys würden "vorne hingestellt und benutzt" und wenn die Gerichte auf Grund der Gesetzeslage eine Entscheidung fällen, "dann sind wir die Grauslichen und Pfui Teufel und die Innenministerin die schlimmste Person, die es gibt."

Schittenhelm für Integrationsministerium
Die Nationalratabgeordnete sprach sich außerdem für ein Integrationsministerium in der nächsten Regierung aus. "Das ist so ein großer Bereich, den kann man nicht so nebenbei mitmachen", so Schittenhelm. Um Integration voranzutreiben, wäre aus Sicht der Politikerin nicht nur der Spracherwerb der Kinder, sondern auch der Mütter wichtig. Man müsse Anreize schaffen, damit diese Frauen Deutsch lernen. Schittenhelm hält Zwang allerdings für kontraproduktiv, kann sich aber vorstellen, bei den Familienbeihilfen anzudocken.

Ein Kopftuch-Verbot lehnt sie ab, ebenso wie die Ganzkörperverschleierung. Frauen haben lange genug für ihre Rechte gekämpft und das sei nicht das, "was ich unter Freiheit von Frauen verstehe".

Schittenhelm fordert "verstärkte Mitarbeit" von Männern
Schittenhelm sitzt seit 2007 für die Volkspartei im Nationalrat, davor war sie zehn Jahre lang Landtagsabgeordnete. Politisch groß aufgefallen ist sie bisher weder in Niederösterreich noch in Wien. Ihre Steckenpferde sind die Familien-, Sozial- und Gesundheitspolitik. Als Frauensprecherin im VP-Parlamentsklub kämpft sie für Gleichbehandlung und forderte von den Männern "eine verstärkte Mitarbeit" vor allem im Privat- und Familienleben, aber auch im Berufsbereich ein.

Ihr eigener Ehemann, General Raimund Schittenhelm, Leiter der Landesverteidigungsakademie des Bundesheeres, scheint sich daran zu halten. In Wahlkampfzeiten übernimmt er den Haushalt - ob er ihre Lieblingsgerichte gefüllte Paprika und Schinkenstrudel kochen kann, ist nicht bekannt. In ihrer Freizeit fährt Schittenhelm gerne Rad, geht Walken und liest Politikerbiografien. Sie hört gerne Austropop oder Barockmusik, und urlaubt am liebsten in der Südsteiermark - doch beim Wein bleibt sie ihrer Heimat treu und trinkt am liebsten Bisamberger Riesling.

Die am 7. Mai 1954 im südburgenländischen Strem geborene Schittenhelm ist Mutter zweier erwachsener Kinder.

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