12. März 2009 07:16
Letzter Punkt der 16 Stunden langen Parlamentssitzung war die Auslieferung
des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf von der FPÖ. Gegen halb zwei
Uhr früh wurde dem Freiheitlichen die parlamentarische Immunität aberkannt.
Der Antrag war von der Staatsanwaltschaft Wien gekommen. Ermittelt werden
soll wegen Verdachts der Untreue und der fahrlässigen Krida im Zusammenhang
mit Ermittlungen beim Austrian Research Center. Abgelehnt wurde die
Auslieferung von FPÖ und BZÖ.
Abfertigung + Prämie
Gegenstand der Ermittlungen soll unter
anderem eine freiwillige Abfertigung von 220.000 Euro plus einer
Einmalprämie von 50.000 Euro sein, die Graf einstreifte. Der Dritte
Präsident bestreitet alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft.
Graf für eigene Auslieferung
Graf betonte im Plenum, dass er
"selbstverständlich für die Auslieferung" seiner Person sei. Er sei
"felsenfest davon überzeugt, dass das Verfahren eingestellt wird". FPÖ und
BZÖ stimmten allerdings gegen den Beschluss, da beide Fraktionen - im
Gegensatz zu SPÖ, ÖVP und Grünen - der Meinung waren, es bestehe sehr wohl
ein Zusammenhang zur politischen Tätigkeit Grafs.
Begründet wurde das von BZÖ-Justizsprecher Ewald Stadler mit einem
Wortprotokoll einer Präsidiumssitzung des ARC, wonach das damalige
ARC-Aufsichtsratsmitglied Rainer Wieltsch in der Sitzung erklärt habe, er
wolle nicht, dass Graf gleichzeitig eine Funktion bei der FPÖ ausübe und
auch beim ARC tätig ist und das solle man Graf nahebringen.
Graf war von 2003 bis 2006 erst Geschäftsführer der ARC-Tochter Business
Services und dann Gesamtprokurist des ARC, bis er im Oktober 2006 das
Unternehmen verließ, um sein Nationalratsmandat anzunehmen.