Freund wehrt sich gegen Spionage-Vorwürfe

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Freund wehrt sich gegen Spionage-Vorwürfe

In Slowenien sind Spionage-Vorwürfe gegen den SPÖ-Spitzenkandidaten für die EU-Wahl, Eugen Freund, aufgetaucht. Dieser nennt die Anschuldigungen "ungeheuerlich" und spricht von einer Lüge. Mittlwerweile wurde klar, dass die Geheimdienstvorwürfe gegen Eugen Freund nicht bestätigbar sind. Das räumte auch der slowenische Archivforscher Roman Leljak ein, der die Geschichte lanciert hatte. "Ich kann nicht mit Sicherheit behaupten, dass Eugen Freund ein Mitarbeiter des slowenischen Geheimdienstes war, ich kann aber auch nicht das Gegenteil bestätigen", sagte Leljak zur APA.
Freund ist nach Angaben von Leljak im Zentralregister des slowenischen Staatssicherheitsdienstes SDV (Sluzba drzavne varnosti, dem Nachfolger des berüchtigten Geheimdienstes UDBA) mit der Dossier-Nummer 0014002-09409 und der Berufsbezeichnung als ausländischer Diplomat aufgelistet. Eine Kopie des Verzeichnisses liegt der APA auch vor. Die Anfangsnummer seines Dossiers sei eine Bezeichnung für jene Personen, die ständige Quellen in Verbindung zu SDV-Angestellten bzw. SDV-Mitarbeitern waren, so der Forscher.

   Anhand dieses Verzeichnisses kann Leljak aber keine absoluten Schlüsse über die angebliche Geheimdienstvergangenheit von Freund ziehen. "Ich kann mit Sicherheit derzeit nur behaupten, dass Eugen Freund in der Evidenz der UDBA gehalten wurde, dass er ein eigenes Dossier hatte und in jener Zeit registriert wurde, als er ausländischer Diplomat war, das würde das Jahr 1978 sein. Viel mehr kann ich aber nicht behaupten, weil sein Dossier vernichtet wurde", sagte Leljak. Im slowenischen Staatsarchiv gebe es keine Dokumente, mit denen sich seine mutmaßliche Geheimdienstkooperation bestätigen ließe. "Sein Dossier wurde in den 1990er-Jahren vernichtet. Es gibt nur die Angabe, dass er sich in der Evidenz befindet. Es ist aber eine Tatsache, dass ein Dossier existierte", betonte der Forscher.

   Leljak sei auf Freund wegen der Nummer seines Dossiers aufmerksam geworden. "Weil es sich um eine öffentliche Persönlichkeit handelt, die als Europaabgeordneter kandidiert, finde ich es normal, dass er seine etwaige Beziehung zur jugoslawischen Geheimpolizei erklärt", betonte er.

   Das Motiv, die Geheimdienstvorwürfe gegen Freund öffentlich zu machen, sei aber ein anderes: Durch die Aufmerksamkeit möchte Leljak erreichen, dass österreichische Behörden den Fall des 1972 in Salzburg entführten Exilkroaten Stjepan Crnogorac aufrollen. Bei der Entführung von Crnogorac, der von der UDBA nach Slowenien verschleppt und dort umgebracht worden war, soll nämlich auch ein österreichischer Polizist geholfen haben.

   Das Verzeichnis, aus dem Leljak die Information über Freund schöpfte, ist eine Liste mit den Namen von etwa einer Million Personen, die angeblich entweder direkte oder indirekte Mitarbeiter der UDBA waren oder vom Geheimdienst observiert wurden. Die im Jahr 2003 im Internet unter der Adresse udba.net aufgetauchte Liste, ist heute online nicht mehr erreichbar, Leljak selbst hat den Zugang dazu. Die Daten werden mit einem Kennziffernsystem entschlüsselt, das aber laut Leljak unvollständig ist. Die Forscher müssen sich deshalb mit anderen Dokumenten helfen, um etwaige Kooperationen der UDBA mit Einzelpersonen zu bestätigen.

An der Glaubwürdigkeit des kontroversen Verzeichnisses zweifelt Leljak nicht. "Die Evidenz ist nicht gefälscht", betonte er. Mehr als 15.000 Österreicher tauchen auf der Liste auf, vor allem Polizeibeamte, Soldaten und Zöllner. Die Mehrheit davon sei aber nur erfasst worden, sie standen weder unter Beobachtung der UDBA noch seien es Mitarbeiter gewesen, so Leljak.

Allerdings seien 200 Personen aus Österreich doch als UDBA-Mitarbeiter tätig gewesen, betonte Leljak. Das könne er nicht nur anhand des Registers sondern durch andere Dokumente bestätigen. Ende Juni will Leljak in einem Buch die Namen dieser Österreicher veröffentlichen. "Auf dieser Liste gibt es Eugen Freund nicht", erklärte Leljak der APA.

Freund: "Das ist eine Lüge"
In einer Pressekonferenz reagierte der rote Spitzenkandidat Montagvormittag auf den Bericht emotional und empört. Nicht einen Pfennig, Schilling oder Dinar habe er erhalten, denn er habe auch nie mit dem Geheimdienst geredet, geschweige denn für diesen gearbeitet: "Das ist eine Lüge."

Wer hinter den Vorwürfen stecken könnte, wollte Freund nicht einschätzen. Er geht aber davon aus, dass es sich um "gegnerische Kräfte aus Österreich" handle, die diese Fehlinformationen über das Ausland gespielt hätten. Wie man weiter darauf reagieren wird, ließ Freund offen. Man behalte sich alle rechtlichen Schritte vor.
 

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