EU kritisiert Trennung von Haupt- und Mittelschule

Trotz Lob:

 

EU kritisiert Trennung von Haupt- und Mittelschule

Die Kommission sieht in Österreich eine starke Benachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund und eine hohe soziale Selektivität. Sprich: Kinder von schlecht ausgebildeten Eltern haben in Österreich schlechtere Chancen auf einen höheren Bildungsabschluss als etwa in den Niederlanden oder in Irland.

Erfüllt werden drei EU-Ziele:
- Mehr als 85 Prozent haben Matura oder Lehrabschluss
- Die Zahl der Schulabbrecher liegt unter zehn Prozent
- Über 12,5 Prozent der Erwachsenen beteiligen sich an Fortbildungsmaßnahmen

Migrantenkinder schlechtergestellt
Weniger gut liegt Österreich, wenn es um die Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund geht. Ausländische Kinder schnitten bei der letzten PISA-Studie nämlich um durchschnittlich 71 Prozent schlechter ab, als ihre in Österreich geborenen Mitschüler. Nur in Belgien und Deutschland ist der Unterschied noch größer, am gringsten ist er in Lettland (vier Prozent) und Irland (sieben).

Ein möglicher Grund: In Österreich sitzen Schüler mit Migrationshintergrund besonders häufig in Klassen mit hohem Ausländeranteil. Ähnlich die Situation in Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Dänemark. Auch dort sitzen Kinder ausländischer Eltern vorwiegend in "Ausländerklassen" - und auch dort schneiden sie schlechter ab als ihre inländischen Mitschüler.

Trennung von Hauptschule und Gymnasium
Ein möglicher Grund: Die frühe Selektion der Schüler in Hauptschule und Gymnasium.

Die EU-Kommission greift in ihrer Studie nämlich das Argument der OECD auf, wonach die Leistungsniveaus der Schüler in Ländern mit differenzierten und selektiven Schulsystemen stärker auseinanderklaffen. "Länder mit selektiven Schulsystemen schneiden im Durchschnitt schlechter ab, als Länder mit umfassenden Systemen", heißt es in dem Bericht.

In Österreich und Deutschland findet die Trennung in Hauptschule und Gymnasium bereits mit zehn Jahren statt, während fast alle anderen EU-Länder die Schulpflicht in einer Gesamtschule absolvieren lassen. Beiden Ländern attestiert die EU-Kommission Probleme mit der sozialen Ausgewogenheit des Bildungssystems. Österreich habe in diesem Bereich "keine starken Fortschritte" gemacht, sagte Bildungs-Generaldirektorin Odile Quintin am Mittwoch in Brüssel.

Je besser Eltern gebildet, desto höher Chancen
Tatsächlich ist der Bildungsgrad der Schüler in Österreich stärker vom Vorbild der Eltern abhängig als in anderen EU-Staaten: Kinder von Eltern mit hohem Bildungsabschluss haben eine dreimal so hohe Chancen, selbst einen solchen Abschluss zu erzielen als ihre Mitschüler. Umgekehrt haben Kinder aus weniger gebildeten Elternhäusern geringere Chancen. Ausgewogener ist das Bildungssystem beispielsweise in Irland, Spanien und den Niederlanden.

Mehr Leseschwächen
Bei den fünf Bildungszielen der EU schneidet Österreich allerdings gut ab - Verschlechterungen gab es seit 2000 nur in einem Punkt: Die Anzahl der Schüler mit Leseschwächen hat zugenommen - und zwar auf 20,7 Prozent (siehe letzte PISA-Studie).

Wenig Frauen in Naturwissenschaften
Stark verbessert hat sich Österreich bei der Zahl der Absolventen eines mathematischen, technischen oder naturwissenschaftlichen Studiums - hier gab es seit 2000 einen Anstieg auf 10.100, was einem Plus von 13,7 Prozent entspricht. Bis 2010 sollen es laut EU-Vorgaben 15 Prozent sein. Allerdings ist der Anteil der Frauen an den Technik-und Naturwissenschafts-Absolventen mit 23,3 Prozent besonders niedrig. Nur in den Niederlanden sind es noch weniger.

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