Ein Jahr Kanzler: Gusenbauers Bilanz

Bessere Umfragen

© BUNDESKANZLERAMT/JOHANNES ZINNER

Ein Jahr Kanzler: Gusenbauers Bilanz

Lächeln mit dem Dalai Lama statt Wandern in engen Radlerhosen, als Regierungschef zu Gast bei den Mächtigen in New York statt als Oppositionschef auf Startklar-Tour im Mühlviertel: Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) kann – knapp ein Jahr nach der Nationalratswahl – langsam den „Kanzler­bonus“ ausspielen.

In der jüngsten Gallup-Umfrage für ÖSTERREICH kann der Kanzler im direkten Vergleich Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP) erstmals klar abhängen: 37 Prozent der Bevölkerung würden Gusenbauer bei einer Direktwahl ihre Stimme geben, lediglich 33 Prozent würden für den VP-Kandidaten stimmen. Die Hälfte der Bevölkerung findet den Kanzler zudem „sympathisch“.

SPÖ überholt ÖVP
Vom derzeitigen Aufwind des Kanzlers profitiert die gesamte SPÖ. In der Sonntagsfrage konnten die Sozialdemokraten ihren Stimmenanteil von 35 Prozent halten, die ÖVP hingegen verlor erneut einen Prozentpunkt. Erstmals seit dem Frühsommer läge die SPÖ bei einer Wahl am heutigen Sonntag somit wieder vor der ÖVP.

Gusis neue Rolle
Experten sind sich einig, warum Gusenbauer nach einem katastrophalen Start (gebrochene Wahlversprechen, wütende Proteste der eigenen Parteijugend) sein Image nun etwas aufpolieren kann: „Der Kanzlerbonus beginnt zu greifen. Gusenbauer versucht über den Parteien zu stehen, manchmal gibt er sogar der ÖVP recht“, so Gallup-Chef Fritz Karmasin zu den neuesten Umfragedaten. „Er spielt eine Art Bundespräsident in der ­Regierung.“

Ähnlich sieht das auch Politologe Peter Filzmaier. Gusenbauer habe jetzt seine Rolle „in der Mitte“ langsam gefunden. Das heißt: Der Kanzler schafft es, sich aus dem politischen Alltag (mit den äußerst unbeliebten Koalitionsstreitigkeiten) herauszuhalten. Er stehe jetzt über diesen Streitereien, so Filzmaier (siehe Interview rechts).

Treffen mit den Mächtigen
Dazu kommen außenpolitische Auftritte wie jetzt in New York, aber auch Em­p­fänge großer Staatschefs in Österreich. Treffen mit den Mächtigen der Welt von Russlands Präsident Wladimir Putin über den Papst bis zu UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon wirken sich laut Filzmaier positiv auf das Image aus.

„Schwacher Kanzler“
Der Kampf gegen das „Umfal­ler-Image“ wird laut Experten trotz verbesserter Umfrage-Werte aber noch länger dauern. Karmasin: „Zu Beginn konnte er die Wahlversprechen nicht einhalten, das hat einen großen Schaden angerichtet.“ Die Folge: Noch immer ist Gusenbauer für die Hälfte der Bevölkerung ein „schwacher Kanzler.“ Für 36 Prozent der Österreicher ist Gusenbauer ein schlechterer Kanzler als Vorgänger Wolfgang Schüssel. Nur ein Viertel hält ihn für fähiger. Politologe Filzmaier glaubt, dass dieses Image den Kanzler noch bis zur nächsten Wahl verfolgen könnte. Trotz Dalai Lama und Central Park.

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