Defekter Zünder tötete den Soldaten

Allentsteig-Unfall

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Defekter Zünder tötete den Soldaten

Die Ursache für die Explosion im Kampfraum eines Panzers am Dienstag in Allentsteig dürfte geklärt sein: Einem ersten Ergebnis der Untersuchungskommission zufolge soll ein defekter Zünder einer Granate zu dem Unfall geführt haben, der einem 20-jährigen Berufssoldaten aus dem Burgenland das Leben gekostet hat. "Es war kein menschliches Versagen und kein Ausbildungsmangel", sagte Generalleutnant Günter Höfler.

Aus Intensivstation verlegt
Der Soldat, der bei dem Unfall verletzt worden ist, war am Mittwoch von der Intensiv- in eine normale Krankenstation verlegt worden. "Er hat Verletzungen an beiden Händen", so Höfler. Bis zu einer vollständigen Genesung dürften mehrere Nachoperationen nötig sein. Der Präsenzdienst ist für den jungen Steirer jedenfalls zu Ende. Die drei weiteren in der Panzerhaubitze anwesenden Soldaten kamen mit dem Schrecken davon. Sie dürfte vor allem die "Explosionsunterdrückungsanlage" im Inneren des Fahrzeuges geschützt haben.

Explosion trotz Sicherung
Laut den ersten Untersuchungen dürfte ein Teil des Zünders und dadurch auch ein Teil der Granate trotz Sicherung im Laderaum explodiert sein. Wie genau es dazu gekommen ist, war noch unklar. Der Unfall hätte aber noch schlimmer enden können: Bei einer Totalexplosion hätte laut Höfler "vermutlich niemand überlebt".

Zünder 16 Jahre alt
Das betroffene Material war der Kommission zufolge nicht zu alt. Der Zünder stammt aus dem Jahr 1993 und hätte erst 2023 aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Wie viele dieser Modelle beim Bundesheer im Einsatz sind, wollte man "aus militärischen Gründen" nicht sagen. Es seien aber alle Zündertypen aus dem gleichen Baujahr zwecks weiterer Überprüfung gesperrt worden. Die Granate war der Untersuchungskommission zufolge in Ordnung.

Klagt das Heer?
Ob das Bundesheer eine Klage gegen die Herstellerfirma einbringen wird, wollte man am Donnerstag noch nicht sagen. "Wir müssen die genauen Ergebnisse der Untersuchung abwarten", sagte Höfler.

Übung geht weiter
In Allentsteig bemüht man sich indes, wieder "Vertrauen in das Gerät" herzustellen. Am Donnerstag in der Früh wurden "ohne Probleme" die restlichen fünf Granaten abgefeuert, die sich noch in dem betroffenen Panzer befanden. Übers Wochenende schweigen die Waffen. "Ab nächster Woche wird aber wieder scharf geschossen", kündigte Höfler an.

Das Bundesheer war zudem bemüht, den Eindruck über gehäufte Unfälle in Allentsteig "in Relation zu setzen". "Jeder Unfall, besonders ein so tragischer, ist einer zu viel", sagte Höfler. Auf dem Übungsplatz würden aber jährlich Zehntausende von Soldaten an Manövern teilnehmen.

Lesen Sie auf Seite 2: So kam der junge Soldat ums Leben

Ein Todesopfer und einen Schwerverletzten hatte in den Mittagsstunden am Mittwoch der Unfall auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig im Bezirk Zwettl gefordert. Im Inneren einer Panzerhaubitze M-109 war es zu der Explosion gekommen.

Soldat aus dem Burgenland tot
Durch die Detonation kam ein 20-jähriger Berufssoldat aus dem Burgenland ums Leben. Ein 19-jähriger Grundwehrdiener aus der Steiermark erlitt schwere Verletzungen. Er wurde mit dem Notarzthubschrauber "Christophorus 2" in das Landesklinikum St. Pölten geflogen. Der Rekrut befand sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums am Mittwochnachmittag nicht in akuter Lebensgefahr.

Routinemäßiges Scharfschießen
Der Unfall hatte sich gegen 11.30 Uhr etwa einen Kilometer nördlich von Stift Zwettl im südwestlichen Teil des TÜPL Allentsteig ereignet. Betroffen war das Aufklärungsartilleriebataillon 7 aus Feldbach in der Steiermark, das seit vergangener Woche in Allentsteig geübt hatte. Es habe sich um routinemäßiges Scharfschießen gehandelt.

Auf dem Truppenübungsplatz im Waldviertel war es zuletzt am 16. September zu einem Zwischenfall gekommen. Im Zuge einer Gefechtsübung der Militärakademie Wiener Neustadt hatte eine fehlgeleitete Granate in ein Wohngebiet eingeschlagen . Das von einem Artilleriegeschütz M-109 abgefeuerte Geschoß detonierte am Ortsrand von Allentsteig im Raum Kalvarienberg. Verletzt wurde damals niemand. Sachschäden betrafen ein ziviles Fahrzeug, ein Loch im Asphalt, zu Bruch gegangene Fensterscheiben und beschädigte Fassaden.

Darabos betroffen
Zutiefst betroffen über den tragischen Unfall zeigt sich Verteidigungsminister Norbert Darabos: "Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen des verstorbenen Soldaten und des schwer verletzten Grundwehrdieners." Die bereits vor Ort befindliche Untersuchungskommission des Militärkommandos Niederösterreich werde in Permanenz arbeiten, "wenn es sein muss auch die ganze Nacht, um Klarheit über die Unfallursache zu erlangen", so der Minister. Darabos hat heute alle Termine abgesagt, um sich laufend über den Stand der Untersuchungen sowie über den Gesundheitszustand des schwer verletzten Rekruten zu informieren.

Infokasten: Das ist die Panzerhaubitze M-109

Die Panzerhaubitze M-109 A5Ö ist das Waffensystem der Artillerie des Österreichischen Bundesheeres. Das Geschütz ist mit einem elektronischen Feuerleitsystem und einer Selbstfahrlafette mit modernen Richt- und Beobachtungsmitteln ausgestattet. Jede Panzerhaubitze verfügt über eine Trägheitsnavigations-, Orientierungs- und Richtanlage. Die Panzerhaubitze hat eine Motorleistung von 440 PS und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 56 km. Die Höchstschussweite reicht bis zu 30 Kilometer.

Das System wird in vielen Armeen eingesetzt, u.a. auch in der U.S. Army. Die österreichische Version entspreche dem neuesten Stand der Technik und erfülle höchste Sicherheitsstandards. Die M-109 A5Ö sind in Mistelbach, Allentsteig und Feldbach stationiert.

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