Ein Toter dominiert die gesamte Wahlschlacht

Polit-Erbe Haiders

© APA

Ein Toter dominiert die gesamte Wahlschlacht

Als Lebender dominierte Jörg Haider 32 Jahre lang die Landespolitik. Nach seinem Tod ist sein Einfluss nicht zu Ende: Am Wahltag wird es fast viereinhalb Monate her sein, dass Jörg Haider starb. Und doch glauben viele Polit-Akteure, er wird wahlentscheidend.

Kult um Haider
"Jörg Haider hat wahrscheinlich die wichtigste Rolle in Kärnten gehabt – das spielt auch im Wahlkampf eine Rolle“, so Stefan Petzner, Wahlkampfmanager des BZÖ und ehemals Haiders engster Mitarbeiter. Seine Partei inszeniert den Toten in der Hoffnung damit Stimmen zu gewinnen:

  • Das Bündnis tritt mit dem Namenszusatz „Liste Jörg Haider“ an. Das BZÖ vertraut offenbar noch immer nicht auf den Bekanntheitsgrad des Parteinamens.
  • Man sammelt medienwirksam Spenden für ein Haider-Marterl an der Unfallstelle und kauft das 40.000 Euro teure Unfallwrack aus der BZÖ-Parteikasse.
  • Die Lippitzbachbrücke wurde in Jörg Haider-Brücke umbenannt. Auch diese Aktion wurde von BZÖ-Landeshauptmann Gerhard Dörfler im Wahlkampf initiiert.

Doch nur wenige Tage danach wurden die Schilder - Wert 150 Euro - gestohlen. Jetzt appelliert Dörfler an die Diebe, das Haider-Souvenir doch bitte zurückzubringen.

Gefährliche Gratwanderung
Die Verehrung Haiders ist für den Politologen Peter Filzmaier eine riskante Strategie: "Das ist eine gefährliche Gratwanderung: Sie müssen es versuchen, weil er ein zentrales Wahlmotiv war, wie es kein anderer Kandidat sein kann.“ Doch jetzt besteht die Gefahr, dass Haider mit aktuellen Akteuren verglichen wird – und diese kommen eben nicht an Haider ran.

Auch FPÖ will Haider-Bonus
Die FPÖ versucht derzeit mit aller Kraft in Erinnerung zu rufen, dass Haider aus dem blauen Polit-Stall kam. Für die FPÖ ist die Wahl überlebenswichtig, denn seit der Abspaltung des BZÖ hat die FPÖ nur mehr einen Landtagsabgeordneten.

Der Kärntner FP-Spitzenkandidat Mario Canori geht also auch mit dem Toten auf Stimmenfang - er fühlt sich als Nachfolger: "Es gibt den Wettbewerb, wer den Geist Jörg Haiders am besten umsetzt. Den Geist zu leben, den der Dörfler verkauft - das traue ich mir allemal zu.“

Polit-Experte Filzmaier sieht eigentlich keinen richtigen Nachfolger: „Haider hat das gemacht, was viele Führungspersönlichkeiten machen, nämlich keinen Nachfolger aufgebaut. Also sind alle oder keiner die logischen Nachfolger.

Gerhard Dörfler (BZÖ) zeigt sich siegessicher für die LT-Wahl am 1. März.

ÖSTERREICH: Wie geht die Wahl aus?
Gerhard Dörfler: Wir machen 41 Prozent, die SPÖ macht 35 und die ÖVP 12. Wir werden auf jeden Fall stimmenstärkste Partei.

Sie sind in letzter Zeit durch Ihre Witze in die Kritik geraten, etwa über die Polizei ...
Jeder weiß, dass ich als Verkehrsreferent mit der Polizei ein sehr gutes Verhältnis habe. In Kärnten ist Faschingszeit und ich habe Hunderte ­E-Mails bekommen, in denen mir die Menschen mitteilen, ich solle ein Witzebuch schreiben. Ich bin halt nicht nur Landeshauptmann, ich bin auch Witzekanzler.

Die FPÖ unter Canori behauptet, er wäre der legitime Nachfolger von Jörg Haider ...
Das BZÖ ist Jörg Haiders Vermächtnis, nicht die FPÖ. Es gibt nur das BZÖ, sonst kann niemand das Erbe antreten. Jörg Haider hat mich als seinen Stellvertreter ernannt, er hätte meine Linie mitgetragen. Er wird am 1. März mit uns zufrieden sein.

Sie treten mit seinem Namen auf der Liste an. Warum?
Das eine sind technische Gründe: Sonst hätten wir den ersten Listenplatz verloren und auf Platz vier oder fünf antreten müssen. Und das andere: Er war Gründer der Partei und natürlich gibt es auf der emotionalen Ebene diese Verbindung zu ihm.

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