Elmar Oberhauser als Info-Chef abgewählt

Abstimmung

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Elmar Oberhauser als Info-Chef abgewählt

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Der ORF hat am Donnerstag die zweite Abwahl eines Geschäftsführungsmitgliedes in der gesamten Unternehmensgeschichte hinter sich gebracht. ORF-Informationsdirektor Elmar Oberhauser wurde nach einer Abstimmung im ORF-Stiftungsrat seines Amtes enthoben. Hintergrund war ein Disput über die Bestellung von Fritz Dittlbacher zum TV-Chefredakteur, bei der Oberhauser parteipolitische Motive ortete. Die Debatte im Stiftungsrat zog sich den ganzen Tag und endete mit einem mehrheitlichen Votum für die Abwahl.

Stolzer Oberhauser
Oberhauser selbst zeigte sich unverdrossen in seinem selbst ausgerufenen Kampf um die politische Unabhängigkeit des ORF. "Ich habe Charakter gezeigt und mich gegen parteipolitische Einflüsse im ORF gewehrt und bin dafür von einer rot-grünen Mehrheit abgewählt worden", lautete sein Fazit nach der Stiftungsratssitzung. Vor dem Votum hatte er am Donnerstag zweimal einen Auftritt im obersten ORF-Gremium zu absolvieren. Zunächst verlas er eine neunseitige Erklärung, in der er seine Position darlegte. Beim zweiten Mal präzisierte er seine Position.

Politischer Stiftungsrat
Letzten Endes fiel das Votum gegen Oberhauser aus, wobei sich der Stiftungsrat einmal mehr politisch gespalten zeigte. Die 18 Stimmen für die Abwahl kamen vom roten "Freundeskreis", dem grünen Stiftungsrat und den zwei unabhängigen Betriebsräten. Dagegen stimmten elf Vertreter des ÖVP-"Freundeskreises", Enthaltungen gab es von den beiden FPÖ/FPK-Vertretern, BZÖ, den unabhängigen Stiftungsräten Alexander Hartig und Franz Küberl sowie der dem VP-"Freundeskreis" angehörenden Gabriele Zuna-Kratky.

Wrabetz verteidigt Abwahl
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz verteidigte am Donnerstag die Abwahl Oberhausers. Es sei wichtig, dass es im Unternehmen klare Führungsstrukturen und Handlungsfähigkeit gebe, sagte er. Oberhauser habe nichtsdestotrotz "große Verdienste um das Haus" gehabt. "Ich bedaure, dass ich diese Entscheidung zu treffen hatte." Auch die Stiftungsratsvorsitzende Brigitte Kulovits-Rupp sprach davon, dass "die heutige Sitzung die schwierigste war, die ich jemals erlebt habe".

Die ORF-Führung habe mit dem heutigen Tag jedenfalls Handlungsfähigkeit bewiesen, sagte Wrabetz. Oberhauser habe mit seiner Kritik an der Personalentscheidung in der TV-Chefredaktion und den Vorwürfen, wonach es dabei parteipolitische Einflussnahmen gegeben habe, dem Haus und den Mitarbeitern eine "unnötige Debatte" gebracht, so der ORF-Chef.

Vorwürfe des politischen Einflusses wies Wrabetz nach der Oberhauser-Abwahl einmal mehr zurück. "Alle Personalentscheidungen, die ich in den letzten Monaten getroffen habe, waren qualitativ sehr hochwertige Entscheidungen", sagte der ORF-General.

ÖVP-Kritik
Kritik kam aus dem ÖVP-"Freundeskreis" im ORF-Stiftungsrat, der fast geschlossen gegen die Abwahl votierte. "Wir sind für arbeiten statt abberufen. Es gibt weder einen Entlassungs- noch einen Kündigungsgrund, und wir wollen Oberhauser nicht als Weißen Elefanten spazieren schicken. Schade, dass der ORF seine Expertise als Sportrechte-Verhandler nicht nutzen will", so VP-"Freundeskreis"-Leiter Franz Medwenitsch. Härter formulierte es der bürgerliche Betriebsrat und ehemalige Zentralbetriebsratsobmann des Senders, Heinz Fiedler: "Heute wurde nicht der Mörder, sondern der Ermordete abgewählt."

Unterstützung für Wrabetz kam indes von SPÖ-Seite. "Freundeskreis"-Leiter Niko Pelinka meinte nach geschlagener Abwahlschlacht, dass es ihm verständlich sei, dass das Vertrauen zwischen Wrabetz und Oberhauser nach dem Mail des Informationsdirektors gestört war. Oberhauser habe mit seinem Vorgehen dem Unternehmen geschadet. Auf die Frage, ob die SPÖ den ORF jetzt im Griff hat, meinte Pelinka: "Der ORF hat den ORF im Griff."

Kritik übte die FPÖ. Generalsekretär Harald Vilimsky sprach von einer rot-grünen Koalition, die nun auch im ORF herrsche. Vilimsky sieht in der Abberufung eine "Privatfehde von Generaldirektor Wrabetz", der damit den gesamten ORF ramponiere.

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