Elsner:

Interview, 4. Teil

© TZ Österreich/Pauty (2008)

Elsner: "Meine Frau gibt mir Kraft"

Das ÖSTERREICH-Interview mit Helmut Elsner (75) bewegt das ganze Land. Überall wird diskutiert, ob die Justiz den Bawag-Chef zu Recht weiter in U-Haft behält. Fast vier Jahre hat man von Elsner kein Foto mehr gesehen. Um so mehr erstaunen die ersten Bilder aus dem Gefängnis. Sie zeigen: Elsner ist krank. Er hat dunkle Augenringe, ist aufgedunsen und im Gefängnis stark übergewichtig geworden.

"Menschenrechtswidriger" Umgang
"Ich habe gehofft, mit der Fußfessel nach Hause zu kommen. Damit ich endlich den Stress, der in der U-Haft herrscht, nicht mehr habe. Auch abnehmen wollte ich. Aber hier geht das nicht“, so Elsner. Aber daraus wurde nichts. Nun fordern immer mehr Persönlichkeiten, dass Helmut Elsner doch endlich mit der Fußfessel oder auf Kaution freigelassen wird. Sogar der Industrielle Hannes Androsch: "Für mich ist es menschenrechtswidrig, dass Helmut Elsner ohne rechtskräftiges Urteil über drei Jahre in U-Haft sitzt. Es wird nichts mehr von der Justiz untersucht.“

"Ich bin nur ein Bauernopfer"

ÖSTERREICH-Interview mit Helmut Elsner
 

ÖSTERREICH: Herr Elsner, in den letzten Monaten hat sich die Stimmung zu Ihren Gunsten gedreht. Das haben Sie vor allem Ihrer Frau Ruth zu verdanken, die um sie kämpft …

Elsner: Ich bewundere meine Frau, mit wie viel Kraft sie kämpft und wie sie alles mit den Anwälten und den Medien managt. Hier hat sich die Justiz verspekuliert. Denn sie haben nicht damit gerechnet, dass ich nicht aufgebe und meine Frau so kämpfen wird.

ÖSTERREICH: Ihre Frau ist von der Schattenfrau zur viel beachteten Frontfrau geworden. Haben Sie ihr das zugetraut?

Elsner: Für mich war Ruth nie eine Schattenfrau. Dieses Image haben die Medien meiner Frau gegeben.

ÖSTERREICH: Würden Sie sich freuen, Ihre Enkelkinder wieder nach vier Jahren zu sehen?

Elsner: Na, was glauben Sie, die Freude wäre riesig! Meine Tochter möchte auch mit meinen drei Enkerln kommen. Aber ich will nicht, dass sie mich durch die Glasscheibe betrachten müssen. Außerdem möchte ich ihnen den Anblick des Gefängnisses ersparen.

ÖSTERREICH: Sehen Sie sich als Politopfer?

Elsner: Der Medienberater der SPÖ, Dietmar Ecker, sollte im Nationalratswahljahr 2006 eine Lösung für die Bank und vor allem die SPÖ finden – und die lautete: Elsner trägt die alleinige Schuld, er ist das Bauernopfer.

ÖSTERREICH: Wie glauben Sie, wird Bandion-Ortner auf die Vorwürfe reagieren?

Elsner: Ich bin mir sicher, dass sie mich nicht klagen wird. Wahrscheinlich wird sie ein kurzes Statement abgeben und dann schweigen. Die Justiz ist in einem gewaltigen Erklärungsnotstand, es gibt direkt im Akt zahllose Hinweise auf Malversationen (Anmerk.: Veruntreuungen). Es kann doch nicht sein, dass etwas nicht aufgeklärt wird, das mit einfachsten Mitteln festzustellen wäre. Hochkarätige Sachverständige haben während des Prozesses ausgesagt, sie könnten aufgrund fehlender Unterlagen keine Aussagen zu den tatsächlichen Geschäften Flöttls machen. Und das soll die Grundlage für vier Jahre Untersuchungshaft sein? Rechtsstaat adé!

ÖSTERREICH: Die Justiz argumentiert immer wieder, dass von den vier Jahren Haft 2,5 Jahre für die Plastiksackerl-Affäre waren …

Elsner: Hier habe ich eine Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt. Ich habe Unterlagen, die das möglich machen. Alle Zeugen, die von der Bank gekommen sind, haben Gerharters Aussagen widerlegt. Trotzdem hat ihm Bandion-Ortner geglaubt, obwohl Gerharter vorbestraft war.

Autor: (mei, knd)
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