Erschütternde Bilanz zu kirchlicher Gewalt

Studie präsentiert

© APA

Erschütternde Bilanz zu kirchlicher Gewalt

Die unabhängige Plattform für Opfer kirchlicher Gewalt hat eine erschütternde Zwischenbilanz über Missbrauch in der Kirche präsentiert und scharfe Kritik am Umgang der Kirche und des Staates mit dem Missbrauchsskandal geübt. Es sei jahrelange Praxis gewesen, auffällig gewordene Priester einfach zu versetzen. Dass "Missbraucher eine Jobgarantie" bei der Kirche hatten, sei ein "zutiefst bedrückendes Resümee", sagte der Psychologe Philipp Schwärzler, Verfasser des Berichts der Plattform, der am Mittwoch bei einer Pressekonferenz präsentiert wurde.

Geweihte Priester
Die kirchenunabhängige Hotline hat seit März 325 Betroffene betreut. Aus deren Berichten geht hervor, dass die Mehrheit der Täter geweihte Priester und die häufigsten Tatorte katholische Internate und Heime waren. Für Schwärzler zeigen die Zahlen der Studie, dass die katholische Kirche im Bereich Gewalt gegen Kinder vor allem Probleme bei den theologisch ausgebildeten Mitarbeitern hat und gerade die geweihten Priester das größte Gefährdungspotenzial für Kinder darzustellen scheinen. Angesichts der Zahlen könne man auch nicht von einzelnen "schwarzen Schafen" sprechen, sondern von einem "Versagen der Institution katholische Kirche".

Ursachen
Der Psychologe nannte drei Ursachen für den kirchlichen Missbrauch, allen voran die grundsätzliche Haltung der katholischen Kirche zur Sexualität. Diese sei "per se eine Basis für Perversion". Als Grund für Gewalt sieht Schwärzler auch den Ausschluss der Frauen von Leitungsfunktionen in der Kirche. Diese wären nämlich ein Korrektiv zur männerdominierten Gewalt. Zudem habe die autoritäre Grundstruktur der Kirche das bisherige Vertuschen möglich gemacht.

"Diktatur"
Der Rom-kritische Pfarrer Rudolf Schermann bezeichnete die katholische Kirche als "Diktatur", mit deren Führung viele Priester nicht einverstanden seien. Der Umgang mit Missbrauchsfällen sei jahrelang nur auf Verteidigung ausgerichtet gewesen. Und es sei der jetzige Papst gewesen, der als Kardinal einen Erlass verfasst habe, wonach Missbrauchsfälle nicht nach außen getragen werden dürften und absolute Diskretion einzuhalten sei, um das "Prestige der Kirche zu retten", so Schermann.

Für den Priester ist das Zölibat nicht das einzige Problem, aber mit ein Grund für die sexuellen Übergriffe. Pädophile werden vom Priesteramt angezogen, weil sie sich dort "Futter für ihre kranke Neigung" erhoffen, sagte Schermann. Er zeigte sich auch froh darüber, dass es neben der von der Kirche eingerichteten Klasnic-Kommission zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals auch eine unabhängige Initiative als Korrektiv gebe.

Dass sich allerdings der Staat zurückgezogen und die Aufklärung der Kirche selbst überlassen habe, stößt bei der Plattform auf Unverständnis. Damit mache man den "Bock zum Gärtner". "In keinem anderen Bereich wäre es denkbar, dass eine in Verdacht geratene Institution selbst die Leitung einer Untersuchungskommission bestimmt", so Schwärzer.

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