Erzkonservativer Wagner neuer Linzer Weihbischof

Von Papst ernannt

© APA/ Haijes

Erzkonservativer Wagner neuer Linzer Weihbischof

Die liberalen Zeiten in der Diözese Linz sind endgültig zu Ende. Nachdem der vergleichsweise offene Bischof Maximilian Aichern den schon deutlich konservativeren Ludwig Schwarz zum Nachfolger erhielt, kommt nun mit Gerhard Maria Wagner ein richtiger Hardliner an der Spitze der oberösterreichischen Katholiken datz. Öffentlich aufgefallen ist der langjährige Pfarrer von Windischgarsten bisher lediglich durch umstrittene bis skurril anmutende Aussagen zu "Harry Potter"-Romanen und Naturkatastrophen.

Wagner hat schnell klar gemacht, dass er in der Pfarrbetreuung trotz Priestermangels keine neuen Wege beschreiten will. Es gebe keine Alternative zum Priester, die Pfarren müssten mehr zusammenrücken.

Proteste
Die Ernennung Wagners, der als erzkonservativ gilt, hatte in Oberösterreich rasch für Protest gesorgt. Neben seinen umstrittenen inhaltlichen Positionen kommt erschwerend hinzu, dass er dem Vernehmen nach nicht auf dem Dreier-Vorschlag von Bischof Ludwig Schwarz gestanden war. Generaldechant Franz Wild meinte nun in der "Zeit im Bild 1" Samstagabend sehr deutlich: "Die Vorgangsweise ist wirklich eine Katastrophe. So fürchte ich, dass es für die Diözese eine schwierige Zeit wird."

Wagner entgegnet seinen Kritikern, dass man einander entgegenkommen müsse. Die Begegnung müsse mit Ehrfurcht erfolgen. Das könne auch er sich erwarten.

Studium in Linz und Rom
Wagner wurde am 17. Juli 1954 als Sohn einer Arbeiterfamilie in Wartberg ob der Aist geboren und besuchte dort die Volksschule. Danach absolvierte er das "Collegium Petrinum", wo er 1972 maturierte. Anschließend studierte er in Linz und Rom Philosophie und Theologie. Seine Priesterweihe erfolgte am 10. Oktober 1978 in der italienischen Hauptstadt.

Von 1978 bis 1979 war Wagner Kaplan in Bad Zell, von 1979 bis 1984 in Bad Ischl. 1984 wurde er Kooperator in Marchtrenk und für ein weiteres Studium der katholischen Dogmatik in Rom freigestellt. Das Studium schloss er mit dem Doktorat der Theologie ab. Seit 1988 ist Wagner Pfarrer in Windischgarsten.

Engagement konnte man ihm auch dort nicht absprechen. Wagner betrieb ein sehr aktives Pfarrblatt, auch das Internet nützte er rasch. Für den Pfarrball, der heute am Tag seiner Ernennung stattfindet, wirbt er noch aktuell auf der Website der Pfarre. Überhaupt ist der neue Weihbischof moderneren Kommunikationsmitteln nicht abgeneigt. Er war einer der ersten kirchlichen Handy-User Anfang der 90er-Jahre.

Harry Potter ist "Satanismus"
Überregional bekannt wurde der streitbare und diskussionsfreudige Geistliche erstmals im Jahr 2001, und schuld war Harry Potter. "Da ist Satanismus am Werk", vermutete Pfarrer Wagner nach der Lektüre eines Werkes der Reihe von Joanne Rowling. Lateinische Fluchsprüche, die keiner verstehe und die im Unterbewusstsein weiterwirkten, beängstigten den Wahl-Windischgarstner. "Da bedient man sich einer Sprache, die niemand versteht, weil man damit magische Kräfte mobilisieren möchte und nicht den liebenden Gott."

Das nächste Mal sorgte Wagner für Aufsehen, als er recht seltsam anmutende Theorien zur Hurrikan Katrina-Katastrophe über das Pfarrblatt verkündete: "Es ist wohl kein Zufall, dass in New Orleans alle fünf Abtreibungskliniken sowie Nachtklubs zerstört wurden", formulierte der Pfarrer im Jahr 2005.

Irritierende Äußerungen zum Tsunami
Der Verfasser fragt sich auch: "Ist die auffallende Häufung von Naturkatastrophen nur eine Folge der Umweltverschmutzung durch den Menschen, oder mehr noch die Folge einer 'geistigen Umweltverschmutzung.'" In die gleiche Stoßrichtung gehen seine Theorien zur Tsunami-Katastrophe. Es sei vermutlich kein Zufall, dass die Flutwelle zu Weihnachten aufgetreten sei, wenn die Leute aus dem reichen Westen ins arme Thailand flüchteten, um dort die Welt zu genießen, erklärte der neue Weihbischof dereinst als einfacher Pfarrer.

Allzu liberale Aspekte sind von Wagner folgerichtig in Linz nicht zu erwarten. Er gehört zum konservativen Linzer Priesterkreis, der beständig Kritik an den liberalen Zuständen in der Diözese Linz unter Bischof Aichern geäußert hatte. Konservative Kurskorrekturen durch Bischof Schwarz hat Wagner begrüßt, etwa die Abschaffung der Taufe durch Laientheologen. Schon vor Jahren stellte er zur Rangordnung in der Kirche in einem Interview für die "Oberösterreichische Rundschau" klar: "Der Priester soll Priester sein und der gläubige Laie gläubiger Laie."

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