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Ewiger Ablösekandidat Stöger bleibt im Amt

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Ewiger Ablösekandidat Stöger bleibt im Amt

Arbeitsam, bescheiden, integer, loyal und höflich sind die Attribute Alois Stögers. Aber mit Hinweis auf fehlenden Glamour wird der 55-Jährige bei jeder Gelegenheit als Ablösekandidat gehandelt. Dennoch hält er sich seit 2008 in der Bundesregierung. Selbst der Wechsel von Werner Faymann - der ihn in den Bund geholt hatte - zu Christian Kern bringt den Oberösterreicher nicht ums Ministeramt.

Dieses war zuletzt - nach Gesundheit und Infrastruktur - jenes des Sozialministers. Der Aufstieg dorthin vor vier Monaten war für den gestandenen Gewerkschafter und Bildungsaufsteiger sichtlich eine große Ehre.

Gut vorbereitet
Und er war auch auf diese neue Aufgabe gut vorbereitet. So zeigte er Fahne, als er sofort unfreiwillig in einer vom Koalitionspartner ÖVP angestoßenen Pensions- und Mindestsicherungsdebatte landete. Er verhinderte größere Einschnitte bei den Pensionen und hielt auch eisern an seiner Linie fest, nicht gerade bei jenen einzusparen, die es am Notwendigsten brauchen. In der neuen Rolle unternahm Stöger - an ihm bisher nicht gesehen - auch Ausflüge in den Populismus, vor allem jüngst, als er die Bankomat-Gebühr gesetzlich verhindern hatte wollen.

Dabei ist Stöger alles andere als ein Volkstribun, vielmehr seriöser und solider Sacharbeiter, der sich aus finanzschwachen Verhältnissen stammend bis in hohe Regierungsämter hinauf geackert hat. Der Sohn eines Totengräbers aus Allerheiligen heuerte als Teenager bei der Voest an, wo er auch seine Lehre als Werkzeugmacher und Dreher abschloss. Rasch reizte ihn die Aufgabe des Arbeitnehmer-Vertreters. Er wurde zum Jugendvertrauensmann.

Ständiger Aufstieg

Stufe um Stufe ging es in der Gewerkschaftshierarchie aufwärts. Fast 20 Jahre lang war der Mühlviertler Bezirkssekretär der Metallergewerkschaft in Linz. Nebenbei engagierte er sich in der oberösterreichischen Unfallversicherung (AUVA) sowie in der Versicherungsanstalt des österreichischen Bergbaus. Neben dem politischen Engagement investierte Stöger auch in seine Fortbildung. Er hat nicht nur die Sozialakademie der Arbeiterkammer Wien, sondern auch die Europäische Sozialakademie und die Supervisionsausbildung des Bundesinstitutes für Erwachsenenbildung mit Erfolg absolviert. An der Marc-Bloch-Universität Straßburg schloss er das Fernstudium der "Sozialen Praxis" ab. Den eher unbekannten Titel "diplome" trägt er seither mit Stolz.

Politisch nach oben ging es für Stöger 2005, als er zum Obmann der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse aufstieg, die er drei Jahre lang mit Geschick leitete und folgerichtig seitens der Landespartei dem damals neuen Kanzler Faymann 2008 als Gesundheitsminister empfohlen wurde. Neben der Gesundheitsreform konnte er sich dort auch die Einführung der Elektronischen Gesundheitsakte sowie der Gratis-Zahnspange auf die Fahnen heften.

Guter Ruf
Eine Regierungsumbildung später stand Stöger 2014 plötzlich dem finanziell deutlich potenteren Infrastruktur-Ressort vor. Allzu große Spuren hinterließ er dort in 1,5 Jahren nicht, aber immerhin ließ Stöger auch die gerade im Infrastrukturressort vielerorts herumstehenden Fettnäpfe aus und brachte die Breitband-Milliarde auf den Weg. Sein Ruf im Ressort war auch dort ein guter.

Dies hängt einerseits damit zusammen, dass Stöger bekannt dafür ist, sich in Windeseile akribisch in neue Themen-Gebiete einzuarbeiten, andererseits auch mit seinen freundlichen und höflichen Umgangsformen. Stöger, in zweiter Ehe verheiratet und Vater einer von ihm alleinerziehend groß gezogenen Tochter, gilt als bescheiden, integer und loyal. Auch wenn er manchmal etwas linkisch wirkt, ist Stöger durchaus sportlich. Zudem gilt er als leidenschaftlicher Tänzer und als begeisterter Oberösterreicher.

Zur Person
Alois Stöger, geboren am 3. September 1960 in Linz, in zweiter Ehe verheiratet, eine Tochter aus einer früheren Verbindung, gelernter Werkzeugmacher und Dreher, Studium der sozialen Praxis an der Marc Bloch Universität, Strasbourg und Linz mit dem Diplôme des Hautes Etudes des Pratiques Sociales. 1982-1986 Vorsitzender der oberösterreichischen Gewerkschaftsjugend, 1997-2009 Gemeinderat in Gallneukirchen (von 2003-2007 Stadtrat), 2005-2008 Obmann der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse, 2008-2014 Gesundheitsminister, danach Infrastrukturminister, ab Jänner 2016 Sozialminister.

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