15. Juli 2009 18:12
Der frühere steirische Arbeiterkammer-Präsident Alois Rechberger ist tot.
Die AK bestätigte am Mittwoch einen entsprechenden Bericht des ORF-Radio
Steiermark. Rechberger starb im LKH Bruck/Mur nach längerer Krankheit. Der
im Alter von 74 Jahren verstorbene Arbeiterkämmerer war durch einen
volksnahen Politikstil und als Auslöser der Privilegiendebatte der 90er
Jahre österreichweit bekannt geworden. Eine zweite Karriere startete
Rechberger danach als Kommunalpolitiker seiner Heimatstadt Kapfenberg.
Rechberger wurde am 30. April 1935 im oststeirischen Hartberg geboren. Er
wurde laut AK früh Waise und kam über eine Hilfsaktion der damaligen
sozialdemokratischen Tageszeitung "Neue Zeit" zu Pflegeeltern - die zufällig
auch Rechberger hießen - in die obersteirische Industriestadt Kapfenberg.
Dort begann er 1954 eine Lehre als Schmied bei den Boehler-Stahlwerken.
Rechberger engagierte sich bei der SPÖ und war 1965 Bezirksobmann der Jungen
Generation. 1975 kam er als Abgeordneter in den Nationalrat, wo er bis 1987
blieb. 1985 war er Zentralbetriebsratsobmann der Vereinigten Edelstahlwerke
(VEW) im Mürztal, dann krönte der als volksnahe geltende Funktionär seine
Karriere mit der Wahl zum steirischen AK-Präsidenten. Diese Funktion hatte
er vom 1. Oktober 1987 bis 20. Juni 1990 inne.
"Rechberger-Zigarren"
Gestolpert war der als zupackend
geltende Rechberger über einen großzügig mit AK-Mitteln geführten Wahlkampf,
berühmt wurden damals die sogenannten "Rechberger-Zigarren". Zurücktreten
musste er wegen der missbräuchlichen Verwendung von Kammergeldern: Er wurde
wegen Missbrauchs von Kammergeldern zu vier Monaten bedingter Haft und einer
Geldstrafe von 240.000 Schilling verurteilt.
Rechbergers Fall hatte jedenfalls das neue AK-Gesetz 1992 zur Folge, doch
kaum war einigermaßen in der Kammer Ruhe eingekehrt, stolperte sein
Nachfolger Kurt Zacharias 1994 über eine erneute Debatte. Der damalige FPÖ
-Chef Jörg Haider hielt dem verdutzten SPÖ-Kanzler Franz Vranitzky in einer
TV-Konfrontation zur Nationalratswahl 1994 - "Jetzt zeig ich Ihnen was" -
vor laufenden ORF-Kameras das berühmte Taferl mit den hohen Bezügen von
Zacharias entgegen. Die folgende Privilegiendebatte führte zu schmerzhaften
SP-Verlusten bei der Wahl, die Arbeiterkammern wurden in ihren Grundfesten
erschüttert, die Pflichtmitgliedschaft massiv infrage gestellt.
Mehrere Schlaganfälle
"Der Luis" Rechberger hatte indes in
seiner Heimat Kapfenberg auch nach dem Skandal ein starkes Standbein: Dort
gelangte er bei den Gemeinderatswahlen im Frühjahr 1995 mit einer
Namensliste für zwei Perioden in den Gemeinderat und wurde sogar
Vizebürgermeister. Einige Schlaganfälle setzten dem 74-Jährigen
gesundheitlich stark zu, er zog sich aus der Öffentlichkeit zurück.