Ex-Kripo-Chef Herwig Haidinger
im Interview

ÖSTERREICH

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Ex-Kripo-Chef Herwig Haidinger im Interview

ÖSTERREICH: Sie haben die Unternehmenskultur im Innenministerium kritisiert. Gab’s bei den Ministern Ernst Strasser, Liese Prokop, Günther Platter Unterschiede?

Herwig Haidinger: Freilich gab es Unterschiede. Zunächst sind Leute geschasst worden, die alte Haudegen in der Kriminalpolizei waren. Also jene, die sich zu Wort gemeldet haben und einfach das gesagt haben, was ihrer Erfahrung entspricht.

ÖSTERREICH: Was gehört denn aus Ihrer Sicht jetzt verbessert?

Haidinger: Die Kommunikation an der Spitze muss verbessert werden. Jene, die aufrecht und mutig Dinge vorschlagen, dürfe nicht versetzt werden.

ÖSTERREICH: Diese Versetzungen haben unter ÖVP-Innenminister Strasser begonnen?

Haidinger: Etwa die Versetzung eines Walter Widholm von Linz nach Wien oder die von Max Edelbacher. Die hohe Kunst des Managements war das sicher nicht.

ÖSTERREICH: Im Bericht der Marent-Kommission soll stehen, dass Ministerin Liese Prokop von zahlreichen Informationen abgeschnitten war. Können Sie das bestätigen?

Haidinger: Ich habe keine Einsicht in den Marent-Bericht. Aber ich hatte den Eindruck bisweilen auch, dass sie von Kabinettsmitgliedern teilweise von Informationen abgeschnitten wurde. Namen will ich nicht nennen, aber ich weiß das aus dem persönlichen Gespräch.

ÖSTERREICH: Minister Günther Platter will Akten schwärzen, bevor er sie dem Untersuchungs-Ausschuss gibt.

Haidinger: Das halte ich für eine gute Lösung, weil der Ausschuss auf dieser Grundlage ja arbeiten kann. Es darf keine Rolle spielen, ob jemand Mormone oder Muselmann ist. Auch die sexuelle Orientierung etwa ist nicht von Bedeutung. Es geht ja bei allen Fragen vor allem um die Tatsache, dass jemand einen Job bekommt, weil er eine Nähe zur ÖVP hat.

ÖSTERREICH: Ist es ein Pro­blem, wenn vertrauliche Akten wie im Fall Kampusch an die Medien gelangen?

Haidinger: Ein wesentlicher Teil einer wirksamen Korruptionsbekämpfung – und das ist auch international anerkannt – ist eine freie Presse und ein wirksamer investigativer Journalismus. Das ist auch meine Meinung. Viele Dinge würden nicht aufkommen, würde es die freie Presse nicht geben.

ÖSTERREICH: Sie meinen etwa E-Mails von Ex-Minister Ernst Strasser, wo es um Postenschacher geht?

Haidinger: Zum Beispiel. Das mahnt die Machthabenden, dass es außerhalb des Ressorts ein Korrektiv gibt, das den Blick auf solche Dinge lenkt. (wol)

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