Ex-ORF-Infodirektor kritisiert Faymann-Solo

ORF-Streit

Ex-ORF-Infodirektor kritisiert Faymann-Solo

Kritik am Solo-Auftritt von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) in der ORF-Talk-Sendung "Im Zentrum" kommt vom früheren ORF-Informationsdirektor Elmar Oberhauser. "Das ist ein beispielloser Skandal und dreister Angriff auf die Unabhängigkeit des ORF", sagte Oberhauser im APA-Interview. Der legendäre ORF-Journalist führte selbst zahlreiche Diskussionssendungen und Politiker-Interviews im ORF.

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"Handlanger von Kanzler Faymann"
Der ORF widmet sein Diskussionsformat "Im Zentrum" am Sonntag ausschließlich einem Interview mit dem Kanzler. Thema ist die Flüchtlingskrise. Als Vorbild dient dem öffentlich-rechtlichen Sender das deutsche Talk-Format "Anne Will", wo Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel zuletzt einige Soloauftritte hinlegte. "Für mich ist das ein weiterer Beweis, dass sich ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz als Handlanger von Kanzler Faymann sieht", meinte Oberhauser zur aktuellen Causa.

"Faymann hat sich vor fünf Jahren einen Chefredakteur gewünscht, den hat er von Wrabetz bekommen. Dieser Chefredakteur ist jetzt auch für 'Im Zentrum' zuständig", so Oberhauser, der damit auf die Bestellung des amtierenden ORF-TV-Chefredakteurs Fritz Dittlbacher anspielte. Oberhauser hatte sich damals als Informationsdirektor gegen Dittlbacher als Chefredakteur ausgesprochen und wurde deshalb auf Vorschlag von ORF-Chef Wrabetz vom ORF-Stiftungsrat mit den Stimmen von SPÖ, Grünen und linken unabhängigen Betriebsräten von seiner Funktion abgewählt.

Mehr Freiraum
"Ich hätte diese Entscheidung sicher nicht getroffen und hätte sie auch nicht zugelassen. Aber der Posten des Informationsdirektors wurde ja auch ganz bewusst abgeschafft, damit Wrabetz mehr Freiraum und Einflussmöglichkeiten hat", erklärte Oberhauser zum geplanten Faymann-Interview bei "Im Zentrum". "Grundsätzlich muss es dem ORF unbenommen sein, einen Bundeskanzler eine Stunde lang zu interviewen. Es gibt aber sicher passendere Gefäße für ein solches Gespräch, zum Beispiel in der 'Pressestunde' oder im 'Report'. Wenn man will, kann man das viel eleganter machen", so der ehemalige ORF-Informationsdirektor.

"Dass man eine ausgewiesene Talk-Sendung für ein Interview in einen müden Abklatsch von Frau Will umformatiert, geschieht ja nur, damit man diesen Eklat begründen kann." Vom Faymann-Auftritt erwartet Oberhauser keine journalistische Sternstunde. "Die Rolle von Bundeskanzler Faymann war in der Flüchtlingskrise ja eher von Hilflosigkeit und Anbiederung an Deutschlands Kanzlerin Merkel geprägt. Faymann hat allerdings vergeblich versucht, im 'Windschatten' Angela Merkels Profil zu gewinnen. Ich fürchte nur, all diese Dinge werden dem Herrn Faymann am Sonntag nicht vorgehalten werden."

Wo ist der "Hüter der Unabhängigkeit"?
Für Oberhauser hängt der Auftritt des Kanzlers vor allem auch mit der Wahl der neuen ORF-Geschäftsführung im Sommer zusammen. "Das ganze hat natürlich einen Beigeschmack, den man vor der im August geplanten Wahl des neuen ORF-Generaldirektors sehen muss", so der ehemalige ORF-Journalist. "Ich frage mich auch, wo ist eigentlich der Redakteursrat, der sich zuletzt immer als Hüter der Unabhängigkeit des ORF aufgespielt hat."

Oberhauser war von Jänner 2007 bis 11. November 2010 Informationsdirektor des ORF. Davor moderierte er die "Zeit im Bild 2" und war Sendungsverantwortlicher des Nachrichten-Formats, leitete die Polit-Talks "Zur Sache" und "Im Zentrum", die ORF-"Sommergespräche" sowie etliche TV-Konfrontationen vor Nationalrats- und Bundespräsidentenwahlen. Legendär waren etwa seine Auftritte als Moderator der TV-Duelle vor der Nationalratswahl 1994. Mit kritischen Fragen und dem Nachsatz "Das war nicht meine Frage" nervte er den einen oder anderen Politiker. Die Folge: Oberhauser wurde auf Drängen der damaligen Kanzlerpartei SPÖ aus der Information "weggelobt" und übernahm zwischenzeitlich für mehrere Jahre den Job des ORF-Sportchefs.

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