Ex-Telekom-Boss legt Teilgeständnis ab

Telekom-III-Prozess

Ex-Telekom-Boss legt Teilgeständnis ab

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Der frühere Telekom-Vorstand Rudolf Fischer hat bei seiner gut einstündigen Beschuldigteneinvernahme am Wiener Straflandesgericht die Darstellung der Anklage weitgehend bestätigt. Demnach wurde der Auftrag der Telekom Austria an Gernot Rumpolds Agentur „mediaConnection“ vom Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider eingefädelt. Anfragen an die Telekom, mit bestimmten Firmen zusammenzuarbeiten, habe es aber auch von anderen Parteien gegeben. "Die Politik hat‘s nicht verstanden, sie hat immer gedacht, es ist ein Selbstbedienungsladen", beklagte Fischer.

Untreue zugegeben

Fischer bekräftigte gleich eingangs, dass er sich wie schon zuvor von seinem Rechtsanwalt Otto Dietrich angekündigt der Untreue teilschuldig bekenne – und zwar, wegen der mangelnden Werthaltigkeit der von Rumpold gelieferten Konzepte. Letztlich sei ihm „wurscht“ gewesen, was die mediaConnection liefere, bekannte Fischer. Natürlich habe er sich ursprünglich erwartet, dass die Leistung Rumpolds den bezahlten 600.000 Euro entspreche. „Aber vorrangig war natürlich, dass wir den Wunsch des Herrn Haider erfüllen.“

Anruf 2003

Haider habe ihn im Spätsommer 2003 angerufen und um ein Sponsoring für einen Verein ersucht, erinnerte sich Fischer. Später sei das Gespräch auf die mediaConnection gekommen. „Er hat gesagt, es wäre ihm ein wahnsinniges Anliegen, wenn die Telekom versuchen könnte, die Agentur von Herrn Rumpold zu beschäftigen“, so Fischer. Von einer Parteispende an die FPÖ sei nicht die Rede gewesen. Er selbst sei nicht glücklich gewesen, weil Rumpold wegen seiner FP-Nähe punziert gewesen sei, aber: „Für mich war es wichtig, ein positives Stimmungsbild in die FPÖ zu bringen, um Unterstützung zu haben, falls wir wirklich einmal ein Problem haben.“ Der Auftrag an Rumpold habe die „Nabelschnur“ zur damals zweiten Regierungspartei stärken sollen.

 Rumpolds Punzierung erklärt laut Fischer auch, warum der Auftrag an die mediaConnection außerhalb der regulären Strukturen abgewickelt wurde. Die Summe von 500.000 Euro (ohne Mehrwertsteuer) sei „ein verhältnismäßig kleiner Betrag“ gewesen, aber: „Wenn ich versucht hätte, den Auftrag ganz normal abzuwickeln, dann wäre er schon vorher krepiert, weil der Name nicht positiv besetzt war.“ So sei der eigentlich zuständige Abteilungsleiter Wolfgang Frauenholz ausgeklammert worden, weil sonst Informationen zur Gewerkschaft und zu Generaldirektor Heinz Sundt durchgesickert wären, sagte Fischer.

Ob man sagen kann, dass die Beauftragung der mediaConnection aus Telekom-Sicht keine freiwillige war? "Ja." Über Verhandlungen zum Preis sei er nicht eingebunden gewesen, konkrete Wunschbeträge habe Haider keine genannt. Auch um Zahlungsausgang und Rechnungslegung habe er sich nicht gekümmert. Mit Rumpold, Eccher und Neudeck hatte Fischer nach eigenen Angaben keinen engeren Kontakt.

(Anm.: Rumpold muss am Donnerstag vor Gericht aussagen - wir berichten LIVE ab 09:30 Uhr).

Ähnliche Anfragen, mit bestimmten Firmen oder parteinahen Agenturen wie Echo Media oder Omni Media zusammenzuarbeiten, habe es auch von anderen Parteien gegeben. „Bauernbund, Seniorenbund, Städtebund, Gemeindebund – da waren alle Fraktionen aktiv. Es kamen immer Wünsche ans Unternehmen, mit bestimmten Unternehmen zusammenzuarbeiten“, sagte Fischer. „Die Politik hat’s nicht verstanden, sie hat immer gedacht, es ist ein Selbstbedienungsladen“, beklagte Fischer.

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