FP-Graf: So lief dubiose Stiftung

Delikate Details

FP-Graf: So lief dubiose Stiftung

Der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf ist im Zusammenhang mit der von ihm verwalteten Privatstiftung in der Defensive. Er stellt alles als rechtmäßig dar und will vorerst nicht aus dem Stiftungsvorstand abtreten – und das, obwohl sich die 90-jährige Stifterin Gertrud Meschar von Graf „hereingelegt“ fühlt. Am Freitag ging Meschars Anwalt, Stiftungsexperte Alexander Hofmann, in die Offensive. Er stellt in Zweifel, dass Graf den Stiftungszweck vollziehe – und bringt delikate Details:

  • Stiftungszweck
    Graf argumentierte, er habe das Vermögen der Stiftung gemehrt. Hofmann: „Ich will Herrn Dr. Graf nichts unterstellen: Aber wenn er sagt, er habe das Stiftungsvermögen vermehrt, geht das am Stiftungszweck vorbei. Und der lautet: Frau Meschar zu versorgen und ihr einen schönen Lebensabend zu ermöglichen.“

Die Pensionistin erhielt nur 5.000 Euro im Jahr

  • Auszahlungen
    Davon kann für Gertrud Meschar wohl keine Rede sein. ÖSTERREICH liegen die Bilanzen der Stiftung vor: Demnach erhielt Meschar für 2007 netto 6.046,50 Euro und für 2008 netto 5.000 Euro. Und das bei einem Stiftungsvermögen von 1,3 Millionen Euro.
  • Keine Kontrolle
    Ebenfalls bemerkenswert: Der FPÖ-Politiker kann schalten und walten, wie er will. Sämtliche Organe stammen wie Graf aus dem Burschenschafter-Milieu. Die Kanzlei PWK, die die Stiftung überprüft, gehört denselben Eigentümern wie jene Kanzlei, die die Bilanzen erstellt. Das Handelsgericht Wien hat nun einen neuen Prüfer bestellt.
  • Dubios
    Entscheidend ist: Hat Graf von der Stiftung profitiert? Anwalt Hofmann will ihm das nicht vorwerfen, er betreibt beim Handelsgericht nur die Abberufung Grafs. Die Umstände sind aber dubios: Graf genehmigte als Stiftungsvorstand etwa den Kauf eines Hauses, in dem das Gasthaus seines Bruders sowie Grafs Verlag eingemietet sind.

Genug Geld für Meschars Versorgung sei hingegen nicht da. Mindestens ebenso seltsam ist, dass laut Hofmann eine Stiftung für Meschar das falsche Instrument ist: Ein Testament hätte gereicht: „Eine Stiftung macht erst ab einem Vermögen von zwei Millionen Euro Sinn.“

Graf selbst wollte nicht Stellung nehmen. Stattdessen attackierte sein Sprecher Anwalt Hofmann, der „eigene Interessen verfolgt“. Für Graf gilt die Unschuldsvermutung.

Autor: Günther Schröder
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