16. Dezember 2009 14:52
Blau-oranges Erdbeben im Parlament: Am Mittwoch, Punkt 15.49 Uhr, gaben
FPÖ-Chef H.-C. Strache und BZÖ-Kärnten-Chef Uwe Scheuch ihre Hochzeit
bekannt. Die politische Blitzheirat sprengt das BZÖ, dessen Bundesspitze von
der Nachricht ebenso überrascht wurde wie die anderen Parlamentsparteien.
Video: So war der Handschake, der alles besiegelte:
- Das BZÖ Kärnten unter Scheuchs Kommando spaltet sich vom
Bundes-BZÖ ab. Übrig bleibt Parteichef Josef Bucher, dem sein
wichtigstes Bundesland wegbricht.
- Das Kärntner BZÖ will sich in einem eigenen Parlamentsklub mit
fünf Abgeordneten organisieren.
- Die Kärntner nennen sich ab sofort nicht mehr BZÖ, sondern „Freiheitliche
in Kärnten“ (FPK), werden also statt Orange wieder Blau. Die
FPK bleibt organisatorisch eigenständig, wird aber bei Wahlen künftig
gemeinsam mit der FPÖ auftreten. Also wie CDU und CSU in
Deutschland.
Fusion wie geheimer Putsch in Kärnten geplant
„Willkommen in
der freiheitlichen Heimat“, jubelte HC Strache bei der Bekanntgabe des
Polit-Coups. Dann plauderte er: „Der Uwe ist an mich herangetreten und hat
gesagt, er will sich aus inhaltlichen Gründen vom BZÖ trennen.“ Und: „Das
ist der endgültige Einigungsprozess des dritten Lagers, die freiheitliche
Seele ist wieder komplett.“
Der Kärntner BZÖ-Chef Uwe Scheuch, der zuletzt wegen seiner deftigen
Hypo-Aussagen für Aufregung sorgte, umarmte Strache wie seinen „Best Buddy“
und wurde dann emotional: „Es war das Ziel Jörg Haiders, wieder mit der FPÖ
zusammenzuarbeiten – ich setze jetzt nur Haiders Erbe um.“ Und:
„Ich fühle mich mit den FPÖlern wohler als mit der Wiener BZÖ-Partie. Es tut
gut, wieder zu Hause zu sein.“ Sein Ziel: „Wir wollen bei der nächsten Wahl
die SPÖ überholen und hinter der ÖVP Nummer 2 sein.“ Die
Fusion der Kärntner BZÖ-Gruppe mit der Strache-FPÖ wurde wie ein geheimer
Putsch vorbereitet.
„Die Vorbereitungen liefen parallel zu den Hypo-Verhandlungen“, sagt der
Kärntner Landeshauptmann Dörfler. „Die anderen BZÖ-Landesgruppen waren nicht
eingebunden.“ Aber: Dörfler, der sich nun vehement für die
FPÖ-BZÖ-Fusion einsetzt, war lange über der geplanten Fusion nicht
informiert – die bereitete Uwe Scheuch mit seinem Bruder Kurt seit Sommer im
Alleingang vor.
Dörfler hatte Strache im Sommer beim Beach-Volleyball noch als „Rotzbub“
abgewatscht, mit dem er „niemals“ zusammenarbeiten und den er auch nie
wählen würde. Jetzt dürfte Dörfler wohl Putschopfer werden – und von Scheuch
als Landeshauptmann abgelöst werden.
BZÖ-Führung völlig überrascht und „zerstört“
Offiziell
beschloss das BZÖ-Kärnten erst Mittwoch Mittag die Abspaltung. BZÖ-Chef
Bucher wurde von Scheuch erst um 14 Uhr informiert. Er versuchte 30 Minuten
lang unter Tränen, Scheuch davon abzuhalten. Bucher, der so wie
Haider-Intimus Stefan Petzner nicht im neuen Kärntner Freiheitlichen-Klub
vertreten ist (und dazu auch nicht eingeladen wurde), steht nun vor einem
Desaster: Er hat mit dem Kärntner BZÖ nicht nur den Großteil seiner
Wählerstimmen, sondern auch seiner Finanzen verloren.
Im BZÖ-Klub im Parlament bleiben nun mit Bucher, Westenthaler, Stadler,
Petzner die orangen Polit-Dinos alleine über. Mit dabei und schwer getroffen
auch Haiders Schwester Ursula Haubner: „Ich bin menschlich zutiefst
enttäuscht. Das ist ganz sicher nicht im Sinne von Jörg Haider!“
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+++ Knalleffekt in der Parteienlandschaft: Das Kärntner BZÖ spaltet sich ab- und fusioniert mit der FPÖ +++ Hier zum Nachlesen: So überstürzten sich die Ereignisse in der Polit-Landschaft. Alle Infos im Live-Ticker - und im Video.
16:38 Uhr: Die Pressekonferenz ist beendet.
16:37 Uhr: Scheuch: "Die Ära des BZÖ ist mit dem Tod Jörg
Haiders zu Ende".
16:33 Uhr: Die Kärntner verabschieden sich von der Parteifarbe
Orange: "Unsere Wahlkampffarbe wird mit Zustimmung des
Bundesparteiobmanns wieder Blau sein", so Scheuch.
16:27 Uhr: Claudia Haider wurde informiert - sie trägt die Fusion
mit. Auch Kärntens Landeshauptmann Dörfler unterstützt die Zusammenarbeit.
16:24 Uhr: Scheuch: "Es war das Ziel Haiders, wieder mit der
FPÖ zusammenzuarbeiten". Und weiter: "Fühle mich mit den
FPÖlern wohler als mit so manchem BZÖler."
16:14 Uhr: Das Bundes-BZÖ war bis heute nicht eingeweiht - will aber
weitermachen.
16:13 Uhr: Die Kärntner Landesgruppe des BZÖ nennt sich ab sofort
wieder "Die Freiheitlichen in Kärnten" mit dem Zusatz "FPK".
Das "BZÖ" wird aus dem Namen entfernt.
16:03 Uhr: Scheuch: "Das dritte Lager wird nach der nächsten
Wahl hinter ÖVP stärkste Kraft". Scheuch will zudem einen
eigenen Kärntner Klub gründen.
15:59 Uhr: Das gesamte Kärntner BZÖ war einstimmig dafür.
15:54 Uhr: Scheuch: "Tut gut, wieder zu Hause zu sein - Ich
führe meine Landesgruppe wieder zurück in dieses Haus".
15:51 Uhr: Strache im O-Ton: "Uwe ist an mich herangetreten und
hat gesagt er will sich vom BZÖ aus inhaltlichen Gründen trennen".
Und der FPÖ-Chef weiter: "Endgültiger Einigungsprozess des 3.
Lagers, die freiheitliche Seele ist wieder komplett".
15:49: Strache an Scheuch: "Willkommen in der freiheitlichen Heimat"
15:48 Uhr: Minutenlanges Blitzlichtgewitter beim Handschake.
15:47 Uhr: Als Vorbild soll wie in Deutschland das CDU-CSU-Modell
dienen.
15:41 Uhr: Die BZÖ-Abgeordneten im Parlament haben derzeit ebenfalls
eine Sitzung.
15:40 Uhr: Uwe Scheuch ist gerade in den FP-Club gekommen.
15:26 Uhr: BZÖ-Chef Bucher hatte hinter den Kulissen noch versucht,
die Abspaltung zu verhindern.
15:22 Uhr: In der Vergangenheit hatte sich Scheuch diverse Male für
eine Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Partner FPÖ ausgesprochen.
15:17 Uhr: Ort der PK ist der Sitzungssaal des freiheitlichen
Parlamentsklubs in Wien.
15:02 Uhr: Eine Kooperation zwischen der FPÖ und dem Kärntner BZÖ
zeichnet sich immer mehr ab.
14:57 Uhr: Jetzt ist es fix - FPÖ-Chef Strache und BZÖ-Obmann Uwe
Scheuch treten um 15:30 vor die Presse.