Faymann: Faymann:

Interview

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Faymann: "Wir müssen die Krise stoppen"

ÖSTERREICH: Wie haben Sie den ersten Tag als Kanzler erlebt – waren Sie nervös, gerührt, ist ein Traum für Sie in Erfüllung gegangen?

Werner Faymann: Ich muss zugeben, dass ich in der Früh beim Aufstehen zum ersten Mal seit Langem nervös war. In den Stunden vor der Angelobung hatte ich wirklich so etwas wie Lampenfieber. Ich bin noch gestern Abend lange mit meiner Frau zusammengesessen und wir haben zum ersten Mal die Für und Wider dieser Funktion besprochen – und dabei ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass es schon ein Unterschied ist, ob man als Verkehrsminister Mitglied eines Teams ist oder ob man als Regierungschef für dieses Land die Hauptverantwortung trägt. Und es ist mir natürlich auch klar, dass ich diese Funktion in einer Zeit übernehme, wo niemand absehen kann, wie sich die Wirtschaft entwickelt, wo es wirklich dramatisch werden kann, wo die Arbeitslosigkeit steigen kann. Ich hatte zum ersten Mal Lampenfieber!

ÖSTERREICH: Sie gehen mit viel Demut ins Amt?

Faymann: Ich gehe den Job mit viel Demut und viel, viel Respekt an. Ich bin ein Kind des Glücks – aber die Zeiten sind schwierig. Mein Vorteil ist: Ich habe in diesem Wahlkampf nichts versprochen, das ich nicht halten kann. Mein Problem ist: Keiner kann heute vorhersagen, wie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weltweit im nächsten Jahr sein werden.

ÖSTERREICH: Wir sitzen beim ersten Interview im ehemaligen Kreisky-Zimmer. Haben Sie je davon geträumt, sein Nachfolger zu werden?

Faymann: Ich war einmal als Jugendfunktionär hier – und vom Kanzleramt sehr beeindruckt. Später war ich jede Woche bei den Koordinationssitzungen der Regierung in diesem Raum. Aber ich habe nie davon geträumt, Kanzler zu werden. Das war nie mein Ziel oder mein Plan – das hat sich ergeben, weil ich das Vertrauen der Wähler bekommen habe.

ÖSTERREICH: Was ist in Ihrer Regierungserklärung die wichtigste Aussage?

Faymann: Mir ist am wichtigsten die Aussage, dass wir mit dieser Regierung ganz deutlich gegen die internationale Wirtschaftskrise gegensteuern wollen. In dieser gerade europaweit geführten Diskussion, ob man in der jetzigen Krise als Staat engagiert Mittel gegen Arbeitslosigkeit zur Verfügung stellen soll, bin ich ein klarer Befürworter des massiven Gegensteuerns. Ich glaube, dass nur massives Löschwasser und massive Konjunkturprogramme helfen können, diese Krise zu überwinden. Und das werde ich auch beim Europäischen Rat nächste Woche so vertreten.

ÖSTERREICH: Die Regierungserklärung wird also …

Faymann: ... ein klares Bekenntnis zum massiven Gegensteuern. Ich sage gleich dazu: Eine Feuerwehr darf beim Löschwasser nicht sparen. Sollte das Konjunkturprogramm, das wir im Regierungsprogramm vorgesehen haben, für diese Krise zu wenig sein, werden wir noch mehr Mittel frei machen. Ich bin bereit zu weiteren Steuersenkungen, auch zu weiteren Konjunkturprogrammen. Ich bin auch bereit, dafür beim Schuldenmachen die 3-Prozent-Grenze von Maastricht zu überschreiten, wenn das notwendig ist und wenn mein Regierungspartner dem zustimmt.

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