Faymann denkt an deutsches Modell

Bundesheer-Reform

© Johannes Kernmayer/TZ ÖSTERREICH

Faymann denkt an deutsches Modell

In ganz Europa fällt die Wehrpflicht, die Deutschen ködern künftig Soldaten mit Gratisführerschein und Studienplätzen. Und auch die ÖVP will das Bundesheer verkleinern und die Wehrpflicht einschränken. Kanzler Faymann (SPÖ) will darüber nachdenken, wenn es tatsächlich billiger wird.

ÖSTERREICH: Soll es auch bei uns eine Freiwilligenarmee à la Deutschland geben?
WERNER FAYMANN: Zur Stunde nicht. Ich schaue mir das deutsche Modell zunächst einmal an, ob es wirklich billiger ist. Und ob es auch so kommt, wie jetzt angekündigt ist. Mir hat Norbert Darabos völlig glaubwürdig vorgerechnet, dass so ein Freiwilligenheer auf ein Berufsheer hinausläuft bzw. eine Mischform ist. Und dass es in Wirklichkeit teurer ist.
ÖSTERREICH: So wie es derzeit geplant ist, läuft es in Deutschland auf ein Freiwilligenheer hinaus, das viel kleiner ist als jetzt. Soll auch unser Heer kleiner werden?
FAYMANN: Ich glaube, dass es um die Kosten geht. Die allgemeine Wehrpflicht hat natürlich einen großen Kostenvorteil. Und auf eines lege ich schon großen Wert: Nehmen wir an, wir haben eine Mrd. zusätzlich zur Verfügung für das Land. Dann würde ich es in Bildung und Forschung investieren. Aber nicht zusätzlich in ein Berufsheer.
ÖSTERREICH: Sie sind für ein kleineres Bundesheer?
FAYMANN: Von Katastrophenschutz über Assistenzeinsatz bis zu Auslandseinsätzen – alle Heeresaufgaben müssen erledigt werden. Wenn es teurer wird, damit ein kleines Berufsheer diese Aufgaben erledigt, kann ich nicht dafür sein. Wenn es günstiger sein sollte – dann rede ich mit Norbert Darabos.
ÖSTERREICH: Wenn das deutsche Modell billiger ist, setzen wir es auch um?
FAYMANN: Wenn das deutsche Modell gut ist, setze ich mich mit Norbert Darabos hin und frage ihn: Machen wir so etwas oder nicht? Prüfen kann man Modelle aus allen Ländern. Aber wenn es so ausgeht, dass es teurer wird, dann bleibt meine Linie klar: Allgemeine Wehrpflicht. Denn wir brauchen das Geld für Bildung, Gesundheit und Pflege.

Autor: W. Fellner, G. Schröder
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