12. Februar 2010 18:59
© TZ ÖSTERREICH / NIESNER
© Reuters. APA
Lange Gesichter gibt es derzeit bei den Regierungspolitikern – sie verlieren
laut aktuellem APA-Vertrauensindex des Meinungsforschungsinstituts OGM
massiv an Vertrauen innerhalb der Bevölkerung. (Für den Vertrauensindex
wurden am 8. Februar 500 Österreicher ab 16 Jahren telefonisch befragt, ob
sie Vertrauen oder kein Vertrauen in die Politiker haben. Die Zahl ergibt
sich aus dem Saldo.)
Hier
geht's zum letzten Politbarometer.
Ergebnis der Umfrage: Unangefochten auf Platz eins der Koalition liegt zwar
nach wie vor VP-Finanzminister Josef Pröll mit 24 Prozent Vertrauenswert.
Doch auch der Vizekanzler baut stark ab: minus 6 Prozentpunkte im Vergleich
zum November.
Noch düsterer schaut es für den Kanzler aus: Werner Faymann liegt erstmals
im Minusbereich und hat aktuell minus ein Prozent Vertrauen. Das sind vier
Punkte weniger als im November des Vorjahres. Bitter für die SPÖ-Strategen,
die Faymann vor allem als „Kanzler, dem man vertraut“, positionieren
wollten. Auf Faymann fallen offensichtlich nach wie vor die schlechten
Wahlergebnisse des Vorjahres zurück, sein Vizekanzler kann weiter von den
Wahlerfolgen der ÖVP profitieren.
Faymann wird für Streit verantwortlich gemacht
Grund für
die derzeit schlechte Stimmung sind vor allem der anhaltende Koalitionskrach
– und der „mangelnde Mut“ zu einer klaren Linie. Politikstratege Thomas
Hofer analysiert im Gespräch mit ÖSTERREICH: „Es wird vor allem der Kanzler
dafür verantwortlich gemacht, dass sich in der Regierung von beiden Seiten
her eine Streitkultur entwickelt hat. Das war unter Gusenbauer Molterer
nicht anders.“
Experte Hofer nennt dafür auch einen aktuellen Anlassfall – die Verschiebung
des Budgets. „Die Botschaft ist doch, wir verschieben die
Budgetkonsolidierung, das Sparen, bis nach den Wahlen. Damit schafft man bei
den Menschen aber sicher kein Vertrauen“, sagt Hofer. Besser und dringender
notwendig wäre eine einheitliche Linie, ein Ziel, das konsequent verfolgt
und einheitlich kommuniziert wird. Hofer: „Doch das fehlt derzeit in der
Koalition.“
Minus-Frau Fekter hilft der ÖVP durch ihre Härte
Die
ÖVP-Minister liegen in der Umfrage überhaupt weit besser als ihre roten
Kollegen: VP-Außenminister Michael Spindelegger klettert langsam, aber
beständig in den Beliebtheitswerten nach oben. Allerdings: Absolutes
Schlusslicht in der Regierung ist freilich ebenfalls eine schwarze
Ministerin: VP-Innenministerin Maria Fekter. Nach der missglückten
Diskussion um ein mögliches drittes Asylerstaufnahmezentrum im
südburgenländischen Eberau verliert Fekter im aktuellen Vertrauensindex gar
11 Prozentpunkte und liegt nun bei minus 10 Prozent. OGM-Meinungsforscher
Bachmayer erläutert im ÖSTERREICH-Gespräch, dass Fekter ihrer Partei dennoch
nützt: „Bei Fekter kommt zwar hinzu, dass sie wegen ihrer strikten Haltung
von Wählern anderer Parteien noch härter beurteilt wird. Aus strategischer
Sicht hat sie aber eine ganz wichtige Flügelspielerfunktion, sie zieht diese
Rolle konsequent durch. Damit ist die ÖVP nach rechts abgesichert.“
Regierung kann ab 2011 Vertrauen zurückgewinnen
Einen
Hoffnungsschimmer für die Regierungsmannschaft hat allerdings
Politikwissenschafter Peter Filzmaier: „Jetzt haben wir noch ein
Superwahljahr, doch 2011 und 2012 kommt eine wahlkampffreie Zeit. Aussagen
unter der Gürtellinie sind ja nicht zum Vertrauensaufbau sinnvoll. Auch beim
Arbeitsmarkt wird es ab 2011 2012 wieder Verbesserungen geben.“
Und genau das ist wohl auch Faymanns Kalkül: Nach dem Superwahljahr mit
Landtagswahlen im Burgenland, in Wien und der Steiermark will er wieder
durchstarten. Und endlich die großen Reformprojekte angehen.
|
Peter Filzmaier (Politologe, Uni Krems):
„Die Sofortlösung für den Vertrauensrückgewinn in der Politik gibt
es nicht, denn auch der Abbau ist über Jahre erfolgt. Doch ab 2011
gibt es zwei Jahre keine wichtigen Wahlen und die Arbeitslosenzahlen
werden wieder besser werden.“
Wolfgang Bachmayer (OGM-Meinungsforscher):
„Die Entwicklung im Vertrauensindex zeichnet sich schon seit etwa
einem Jahr ab, dass nämlich Josef Pröll vor Kanzler Werner Faymann
liegt. Faymanns Problem war, dass er nach seinem Wahlsieg bei den
Nationalratswahlen schon bei einem sehr guten Zustimmungswert
gestartet ist – mit den Wahlen danach ist zunehmend Enttäuschung
gekommen mit parteiinternen Debatten.“
Thomas Hofer (Politikberater, H & P):
„Das Grundproblem ist, dass es keine einheitliche Linie der
Regierung gibt, das wird als Führungsschwäche ausgelegt. Pröll hat
sich im Wahljahr 2009 einen Polster aufbauen können, von dem er
jetzt zehrt.“
|