15. März 2010 18:51
Nach dem Wahlsonntag ist vor dem Wahlsonntag: Während in Niederösterreich,
Tirol und Vorarlberg die Landesgruppen nach – mit wenigen Ausnahmen – mehr
als durchwachsenen Ergebnissen ihre Wunden lecken, blicken Kanzler Werner
Faymann und der steirische Landeshauptmann Franz Voves schon nach vorne:
Schon diesen Sonntag sind fast 800.000 Steirer zu Gemeinderatswahlen
aufgerufen – überall, außer in Graz, wird in der grünen Mark gewählt. „Und
die SPÖ hat ihr historisch bestes Ergebnis aus dem Jahr 2005 zu
verteidigen“, kündigt Voves jetzt schon an. Damals lag im März die SPÖ noch
ganze 104 Stimmen hinter der ÖVP, um dann im Herbst desselben Jahres
erstmals nach 1945 die relative Mehrheit zu schaffen – und mit Voves den
ersten roten Landeshauptmann der Steiermark zu stellen. „Es wird hart, weil
die FPÖ wieder stärker geworden ist, aber etwa in Niederösterreich auch
nicht in dem Maß gewonnen hat, wie man es erwartet hat“, erklärt der
steirische SP-Chef. Sein Ziel: „Trotz enorm gestiegener Arbeitslosenraten
wollen wir vor allem unsere Bürgermeister halten.“ Das sollte in den roten
Hochburgen von Knittelfeld über Kapfenberg und Leoben bis Bruck an der Mur
auch gelingen. Spannend wird es am „Battleground“ Leibnitz: Dort treten
gleich zwei schwarze Ex-Bürgermeister mit Namenslisten gegen den seit 2005
amtierenden ersten roten Bürgermeister an.
Faymann und Voves setzen jetzt auf SP-Kernthemen
Praktisch
wortident haben deshalb zu Wochenbeginn sowohl der rote Landeshauptmann als
auch sein Bundesparteichef Werner Faymann SP-Kernthemen in Erinnerung
gerufen: Der Kanzler will verhindern, dass bei der Sanierung des Budgets
über Steuererhöhungen die Falschen die Zeche zahlen – er will also Banken,
Stiftungen und Co. stärker besteuern, statt via Ökosteuer Pendler und
Häuslbauer zu treffen. Voves verlangte – in seltener Einigkeit mit Faymann –
die Umsetzung der Pläne für „Reichensteuern bei Stiftungen und Co.“.
Erwin Pröll macht seinem Neffen Triumph streitig
Die
Gemeinderatswahlen in Niederösterreich, Tirol und Vorarlberg lösten
jedenfalls in allen Parteien Debatten über den Anteil der Bundespolitik am
Ergebnis aus: So sprach NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll offen davon, „dass
die Bundespolitik keinen Einfluss bei diesen Gemeinderatswahlen hatte“ – und
macht damit seinem Neffen Josef Pröll ein wenig den Erfolg streitig.
Tatsächlich war der Trend nicht einheitlich: In den vergleichbaren Städten
Purkersdorf und Korneuburg gab es für die SPÖ vollkommen unterschiedliche
Ergebnisse (siehe rechts) – wofür ein Kanzler wohl wenig kann.
Kanzler: Verursacher der Krise sollen jetzt zahlen
Die Pläne von Finanzminister Josef Pröll für eine neue Ökosteuer seien „gut
und schön. Aber sie sind noch sehr unkonkret“, erklärte Bundeskanzler Werner
Faymann jetzt vor Journalisten.
Die SPÖ sei zwar gesprächsbereit, eine Ökosteuer zur reinen
Budgetsanierung, die keine Lenkungseffekte im Umweltbereich habe, sei aber
„ein Schmäh. Und außerdem für die Budgetsanierung derzeit gar nicht nötig.“
Höhere Steuern dürfen nicht die Falschen treffen
Des
Kanzlers wichtigstes Credo: „Die höheren Steuern, die für die Sanierung des
Budgets notwendig sind, dürfen auf keinen Fall die Falschen treffen.“
Und das sei sicher bei einer Erhöhung der Mineralölsteuer um 10 Cent, die
700 Millionen bis eine Milliarde Euro fürs Budget brächte, der Fall – wenn
man nicht entsprechende Ausgleichsmaßnahmen für Pendler zusichere.
Faymanns Plan für Banken, Manager und Stiftungen
Dass der
Finanzminister auch noch Heizen mit fossilen Brennstoffen höher besteuern
wollte, sein Staatssekretär gleichzeitig der Industrie Deckelungen für
Ökosteuern versprach, sorgt in der SPÖ für Kopfschütteln: „Das trifft
eindeutig die Falschen. Die Verursacher der Krise kämen da fast ungeschoren
davon“, so die Kritik aus der Umgebung des Kanzlers.
Faymann selbst beharrt nun darauf, dass vor allem Banken, Topverdiener und
Stiftungen zur Kasse gebeten werden – in einem ÖSTERREICH vorliegenden
Papier beziffert er die Einnahmemöglichkeiten daraus mit bis zu zwei
Milliarden Euro: 500 Millionen kämen aus der Banken-Abgabe, mindestens 500
Millionen aus der Finanztransaktionssteuer, alternativ dazu wäre eine
Börsenumsatzsteuer möglich (350 Mio.). Eine Vermögenszuwachssteuer brächte
bis zu 500 Mio., neue Stiftungssteuer bis zu 400 Mio. und keine
Absetzbarkeit für Managergagen über 500.000 € würden mit 30 Millionen zu
Buche schlagen.(gaj)